Welpen gefunden: Plötzlich ist ein Wolf zu Hause

Welpen gefunden: Plötzlich ist ein Wolf zu Hause

In einem Wald in Hünxe haben Spaziergänger einen verletzten Welpen gefunden. Um ihn aufzupäppeln, nahmen sie ihn mit nach Hause – ein Hund war es allerdings nicht.

Der entkräftete Welpe war völlig mit Kot verdreckt, weshalb die Finder ihn in der Dusche säuberten und schamponierten. Dabei kamen ihnen dann Zweifel, ob es sich bei dem Tier wirklich - wie angenommen - um einen Hund handelt.

Deswegen fragten die Beiden einen befreundeten Jäger, der sofort feststellte, dass die Spaziergänger einen Wolfswelpen mit nach Hause genommen hatten.

Wolfswelpe gefunden und mitgenommen

WDR 5 Westblick - aktuell 22.07.2021 04:35 Min. Verfügbar bis 22.07.2022 WDR 5


Download

Welpe wieder in Freiheit

Der Jäger brachte den Welpen nach Rücksprache mit der Naturschutzbehörde des Kreises Wesel in einer Hundetransportbox zu einem Tierarzt. Dort wurde das verletzte Ohr des Tieres behandelt.

Anschließend hat der Jäger das Tier auf Anweisung des Landesumweltamts wieder im Wald ausgesetzt. Dabei haben die Behörden ihm eine Stelle genannt, wo eine Wildkamera vor eingen Tagen eine Wölfin mit Gesäuge aufgezeichnet hatte – in der Hoffnung, dass die Mutter oder der Vater den kleinen Welpen findet und wieder ins Rudel integriert.

Dieses Element beinhaltet Daten von Facebook. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Ob das gelungen ist, ist nicht klar. Allerdings wurde eine Wölfin zwei Tage später mit einem Welpen gesichtet. Es könnte sich dabei aber auch um einen Bruder oder Schwester des Welpen handeln.

NABU-Sprecher: Vorwürfe an die Behörden

Peter Malzbender vom Naturschutzbund NABU kann verstehen, dass die unerfahrenen Finder sich um den vermeintlichen Hund gekümmert haben. Aus fachlicher Sicht sei die Versorgung mit Hundefutter und Schampoo allerdings "absolut falsch" gewesen. Das wolle er den Findern aber nicht vorwerfen.

Fragen hingegen hat Malzbender an die Behörden: "Warum hat man nicht angeordnet, genetische Proben zu machen? Wollte man das nicht?" Malzbender wirft den Behörden vor, so die Chance auf weitere wichtige Erkenntnisse über den Wolf vertan zu haben: "Das ging mir alles zu lapidar und ich werfe denen das wirklich vor."

Wolf keine Gefahr für Menschen

Das Landesamt für Umwelt und Naturschutz warnt indessen davor, Wölfe zu füttern. Menschen sollten unbedingt jeden Kontakt zu ihnen meiden, damit sie sich nicht an sie gewöhnen und dann möglicherweise zur Gefahr werden.

Frank Fass, Betreiber eines Wolfscenters und einer Wolfauffangstation in Niedersachsen, schätzt den Welpen aber nicht als gefährlich ein: "Es ist nicht davon auszugehen, dass dieser Wolf eine Gefahr für Menschen wird. Im Gegenteil. Es kann sogar sein, dass er eine Art Vergrämungseffekt erfahren hat und künftig erst recht Abstand zu Menschen sucht. Und erst recht, je älter er wird."

Hünxe fürchtet "Wolfstourismus"

Die Einwohner von Hünxe wünschen sich, dass kein Wolfstourismus entsteht. Es würden jetzt schon Leute anreisen und nach Führungen durch das Wolfsgebiet fragen – die es natürlich nicht gibt. Auch die Jägerschaft mag den Wolfstourismus nicht, denn der sorgt auch im Wald für Unruhe.

Wenn man ein krankes oder entkräftetes Tier im Wald findet, gilt generell: nicht nähern, anfassen oder sogar mitnehmen, sondern das nächste Forstamt oder das LANUV informieren.

Bei dem gefundenen Welpen könnte es sich um Nachwuchs der "berühmten" Wölfin Gloria handeln, die seit April 2018 im Wolfsgebiet Schermbeck am Niederrhein ansässig ist. Sie könnte erst vor wenigen Wochen Nachwuchs bekommen haben.

Stand: 23.07.2021, 11:49