Ein Wolf steht in einem Gehege eines Biotopwildparks

Ein Wolf im Aachener Wald?

Stand: 20.01.2022, 17:41 Uhr

Ein Jäger hat ein wolfsähnliches Tier gesichtet. Auch eine Wärmebildkamera erhärtet den Verdacht. Nun muss überprüft werden, ob es sich wirklich um einen Wolf handelt.

Von Alina Schreiber

Im Aachener Stadtwald ist am Wochenende (15./16.01.22) ein wolfsähnliches Tier gesichtet worden. Ein Jäger entdeckte bei einem Einsatz nahe des Grindelweges in Aachen zufällig ein wolfsähnliches Tier im Wald – beim Fressen.

Lamm und Muttertier getötet

Das Tier hat ein Lamm gerissen, dessen Überreste der Jäger gefunden hatte. Später stellte sich heraus, dass dieses Lamm zu einer Herde in der Nähe gehörte und auch die Mutter des Lammes von dem wolfähnlichen Tier angegriffen wurde.

Eine Tierärztin versuchte noch, das Muttertier zu retten, aber musste es schlussendlich aufgrund der schweren Verletzungen einschläfern.

Genetik-Proben sorgen für Klarheit

Um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, wurde eine Gewebeprobe von den Bisspuren der verletzten Tiere für eine genetische Analyse genommen. Dafür wird die Probe an das Labor des Fachgebiets Naturschutzgenetik geschickt. Dort werden seit 2010 Untersuchungen zur Wolfsverbreitung in Deutschland durchgeführt.

Diese Analysen werden demnach nicht nur nachweisen, ob es sich um einen Wolf handelt, sondern auch, aus welcher Population das Tier gehört. Diese Analyse wird voraussichtlich zwei bis drei Monate dauern, bevor Gewissheit herrscht.

"Es war ein sehr, sehr wolfsähnliches Tier." Herrmann Carl
Regionaler Wolfsberater

Aachen, Stolberg und Eschweiler gehören zur "Pufferzone"

Bisher sind Wölfe vor allem in Belgien und im Grenzgebiet unterwegs. Offiziell vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) ist das Hohe Venn in der Eifel im Jahr 2017 zum Wolfsgebiet ausgezeichnet worden.

Frau hält Karte in den Händen, auf der die Städteregion Aachen mit Wolfsgebiet und zugehörigen Pufferzonen abgebildet ist

Das Hohe Venn gilt als Wolfsgebiet. Aachen, Stolberg und Eschweiler sind Pufferzonen.

Die Stadt Aachen wird in Bezug auf das Eifeler Wolfsgebiet als sogenannte "Pufferzone" deklariert. Das gilt auch für Eschweiler und Stolberg.

Zuschüsse für Landwirte zum Herdenschutz

Diese Pufferzone ist vor allem deshalb von Vorteil, weil Landwirte bei der Landwirtschaftskammer Zuschüsse bekommen, um Präventionsmaßnahmen in die Wege zu leiten. Das können zum Beispiel Schutzzäune sein, um das Vieh vor einem möglichen Angriff zu schützen.

Ob es sich bei dem aktuell gesichteten Tier um eines aus dem angrenzenden Wolfsgebiet im Hohen Venn handelt oder um einen sogenannten "Durchzieher", ist noch nicht bekannt.

Experten gehen aber davon aus, dass Aachen kein Wolfsgebiet wird. Denn das Gebiet sei zu dicht besiedelt und daher für Wölfe unattraktiv. Claus Mayr vom NABU Stadtverband Aachen gibt zu Bedenken, "dass auch in Aachen in letzter Zeit mehrere Schafsrisse durch wildernde Hunde dokumentiert wurden." Nach Informationen des NABU mindestens acht.

Was tun, wenn uns ein Wolf begegnet?

  • Nicht fluchtartig wegrennen. Das aktiviert den "Jagdinstinkt".
  • Stattdessen: Dem Tier Zeit geben, sich zurückzuziehen. Wer den Abstand selbst vergrößern möchte, sollte langsam rückwärts gehen. Durch laute Ansprache, Klatschen oder Winken den Wolf auf sich aufmerksam machen und ihn so vertreiben.
  • Nicht dem Wolf nähern und vor allem nicht füttern oder anfassen. Vor allem bei jungen Tieren besteht die große Gefahr, dass sie ihre natürliche Scheu vor Menschen verlieren.
  • Hunde sollten grundsätzlich an der Leine geführt werden.

Wölfe meiden den Menschen aber eher. Zu Angriffen von Wölfen auf Menschen ist es nach Angaben von Herrmann Carl in der Aachener Region noch nie gekommen. Und der NABU Aachen ergänzt: "Fakt ist, dass in den letzten fast 21 Jahren nach Rückkehr der ersten freilebenden Wölfe nach Deutschland in ganz Deutschland kein einziger Wolfsangriff auf Menschen dokumentiert wurde."

Wölfe in Deutschland

Seit der Wolf Stück für Stück in seine alten Lebensräume zurückkehrt, ist er in Deutschland sehr umstritten. Die einen möchten ihn und die Umwelt schützen, die anderen betrachten ihn als Gefahr.

"Es wird immer ein Streit bleiben: Wie viel Wolf verträgt Deutschland?" Herrmann Carl
Regionaler Wolfsberater

Sollte es sich bei der Sichtung im Aachener Wald nun tatsächlich um einen Wolf handeln, wäre dies der erste Wolf seit rund 180 Jahren.

SENDEHINWEIS: Mehr zum Thema erfahren Sie am Donnerstag, 20.01.2022 in der WDR Lokalzeit Aachen ab 19.30 Uhr

Wolf im Aachener Wald?

00:30 Min. Verfügbar bis 20.01.2023