Streit um Firmung: Woelki will mit Düsseldorfer Gemeinde sprechen

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki

Streit um Firmung: Woelki will mit Düsseldorfer Gemeinde sprechen

Nachdem Kardinal Woelki von Gemeindemitgliedern gebeten wurde, keine geplante Firmung in Düsseldorf vorzunehmen, schlägt er der Gemeinde nun einen gemeinsamen Dialog vor.

Eigentlich ist geplant, dass der Erzbischof Anfang Juni Jugendliche in der Gemeinde Sankt Margareta firmt. Gemeindemitglieder baten Woelki jedoch am Wochenende in einem offenen Brief "eindringlich", diesen Termin an einen Vertreter zu übertragen.

Begründet wird das mit dem Vorwurf, dass mehrere Pfarrer, die in der Gemeinde tätig waren, Kinder sexuell missbraucht haben sollen. Dem Kardinal wird eine unzureichende und intransparente Aufklärung vorgeworfen.

Woelki sucht Gespräch mit Gemeinde

Am Dienstag (25.05.2021) sagte Woelki der Katholischen Nachrichten-Agentur dazu: "Auch wenn wir entgegengesetzte Positionen haben, so werbe ich dafür, dass wir zusammen im offenen Gespräch bleiben und den Weg gemeinsam gehen."

Kritik in offenem Brief

In dem offenen Brief sprachen die Gemeindevertreter von verloren gegangenem Vertrauen gegenüber Woelki. Der Kardinal sei nicht mehr glaubwürdig und deshalb auch nicht mehr geeignet, Jugendlichen das Sakrament der Firmung zu spenden.

Wörtlich heißt es: "In dieser Situation wollen Sie am 9. Juni 2021 in unserer Gemeinde die Firmung durchführen. Gemeindeleitung und Gemeindemitglieder haben Sie gebeten, davon abzusehen. Sie halten trotzdem an Ihrer Absicht fest. Wir fühlen uns dadurch ein weiteres Mal missachtet."

Die 140 Unterzeichnenden sind der Meinung, das Sakrament der Firmung könne nur jemand vollziehen, "der als Christ in seinem Amt und in seinem Handeln glaubwürdig ist. Sie sind das leider für uns nicht mehr." Zu den Unterzeichnenden gehören unter anderem Mitglieder der Reforminitiative Maria 2.0 sowie die frühere Düsseldorfer Bürgermeisterin und FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Vorwurf: Instrumentalisierung der Firmfeier

Am Donnerstag will Woelki für ein Vorgespräch nach Düsseldorf kommen. Auch das wird in dem offenen Brief abgelehnt. "Wir haben den Eindruck, dass Sie durch dieses Gespräch am 27. Mai und mit der Durchführung der Firmung am 9. Juni den verlorenen Kontakt zur Basis suchen. Das ist nachvollziehbar, aber damit instrumentalisieren Sie die Firmfeier. Das darf nicht sein!"

Außerdem wolle man Protestaktionen und die Anwesenheit von Journalisten vermeiden. Beides würde Woelki mit seiner Anwesenheit provozieren. Der Kardinal könne gerne nach der Firmung nach Düsseldorf kommen, aber "auf Augenhöhe, ohne Vorbedingungen und öffentlich".

Währenddessen melden sich Gemeindemitglieder, die sich von dem offenen Brief distanzieren. Sie betonen, das Schreiben repräsentiere nicht die gesamte Gemeinde.

Stand: 25.05.2021, 14:05