Kardinal Woelki wird Firmung in Düsseldorf wohl abhalten

Woelki wird die rote Karte gezeigt

Kardinal Woelki wird Firmung in Düsseldorf wohl abhalten

Von Thomas Kalus, Frank Piotrowski

Etwa zwei Stunden hat das Krisengespräch zwischen Kardinal Woelki und rund 40 ausgewählten Mitgliedern einer Düsseldorfer Kirchengemeinde gedauert. Ein Ergebnis ist, dass der Kardinal trotz aller Kritik wahrscheinlich die dortige Firmungsfeier abhalten wird. Teile der Gemeinde hatten sich dagegen ausgesprochen und vor dem Krisengespräch demonstriert.

Vor der endgültigen Entscheidung, ob der Kardinal am 9. Juni zur Firmung von Jugendlichen kommt, soll es aber noch ein Gespräch mit den Firmlingen geben. Schließlich gehe es um sie, betonte Oliver Boss, leitender Pfarrer in der Gemeinde St. Margareta im Stadtteil Gerresheim, am Freitag im WDR-Hörfunk. Kardinal Woelki hält damit weiter fest an den Plan, zur Firmung zu kommen. Der Katholischen Nachrichten-Agentur sagte er aber, dass er dazu beitragen wolle, zusammenzufinden, "vor allem im Sinne der Firmlinge". Es sei außerdem Aufgabe des Bistums "den Riss, der durch die Gemeinde geht, zu kitten".

Debatte um Firmung durch Kardinal Woelki

WDR 5 Morgenecho - Interview 28.05.2021 05:54 Min. Verfügbar bis 28.05.2022 WDR 5


Download

Menschen protestieren in Düsseldorf gegen Woelki

Menschen protestieren in Düsseldorf gegen Kardinal Woelki.

Bei dem Besuch der Pfarrgemeinde am Donnerstag hielten rund 100 Protestierende rote Plakate hoch und zeigten Kardinal Woelki so symbolisch die Rote Karte. Sollte es dabei bleiben, dass Woelki an der Firmungsfeier teilnimmt, wollen seine Kritiker in der Gemeinde aber auf weitere Proteste verzichten.

Kardinal Woelki soll Stellung zu Missbrauchsvorwürfen nehmen

Anlass für das Gespräch zwischen Woelki und den Vertretern der Gemeinde war ein offener Brief. 140 Gemeindemitglieder fordern darin Kardinal Woelki auf, der Firmung fernzubleiben. Einer der Initiatoren des Briefes ist Peter Barzel, der auch Mitglied der Reformbewegung Maria 2.0 ist. Er erwartet vom Kardinal, dass er dazu Stellung nimmt, wie mit den Missbrauchsvorwürfen in seiner Gemeinde umgegangen wird: "Weil die Missbrauchsfälle jetzt nicht mehr nur in der Zeitung zu lesen sind, sondern hier aktuell vor Ort sind."

Protestierende in Düsseldorf

Zwei Frauen halten ein Plakat hoch mit der Aufschrift: "Kein Foulspiel mit der Gemeinde".

Nach dem Treffen zeigte sich Barzel enttäuscht. Er sei zwar froh, dass der Kardinal gekommen sei, und er nehme ihm auch ab, dass ihm die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs ein echtes Anliegen sei. Aber Barzel glaubt, dem Kardinal fehle es an "Empathie, an seelsorglichem Gespür". Einen Rücktritt habe Woelki in dem Gespräch erneut abgelehnt.

Zwei Missbrauchs-Verdachtsfälle in Düsseldorfer Gemeinde

Gegen zwei ehemalige Priester der Gemeinde St. Margareta liegen Missbrauchs-Vorwürfe vor. In beiden Fällen wird Woelki von Kritikern vorgeworfen, zu lange seine schützende Hand über die Priester gehalten zu haben. Zwar spricht ein Gutachten des Strafrechtlers Björn Gercke Woelki von Pflichtverletzungen frei. Aber die Unterzeichner des Briefes werfen dem Kardinal vor, die anstehende Firmung instrumentalisieren zu wollen, um den verlorenen Kontakt mit der Basis zu suchen.

Nicht alle Gemeindemitglieder sind gegen den Kardinal

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln.

Es gibt aber auch Gemeindemitglieder, die sich von dem offenen Brief distanzieren. So sagt zum Beispiel Ulrich Richter: "Die Unterzeichner sprechen nicht für die Gemeinde, sie sprechen für sich selbst. Meiner persönlichen Meinung nach ist es die Aufgabe des Bischofs, die Firmung zu erteilen. Und deswegen würde ich mir wünschen, dass er auch diese Funktion vollzieht".

Kölner Kardinal Woelki erneut angezeigt

Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass der Kardinal in einem weiteren Fall wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen das Kirchenrecht angezeigt worden ist. Ihm werde vorgeworfen, sich in einem Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Priester nicht gemäß den Vorgaben des Kirchenrechts verhalten zu haben, so das Bistum Münster am Donnerstag.

Das Kölner Erzbistum teilte dem WDR auf Anfrage mit, dass man erst aus den Medien von der Anzeige erfahren habe. Ob es sich um einen neuen oder einen bereits bekannten Fall handelt, wisse man nicht. Man habe auch noch keine Informationen aus Münster erhalten.

Stand: 28.05.2021, 12:12