Kardinal Woelki räumt Fehler ein

Erzbischof Rainer Maria Woelki

Kardinal Woelki räumt Fehler ein

Von Frank Piotrowski

Kardinal Rainer Maria Woelki hat Fehler bei der Aufklärung von Missbrauch im Erzbistum Köln eingeräumt. Zugleich verteidigte er seinen Kurs. Bei der Online-Konferenz des "Synodalen Weges" sprachen Kritiker und Befürworter.

Wochenlang hat er öffentlich geschwiegen. Jetzt räumte Kardinal Rainer Maria Woelki Fehler bei der Aufklärung von Missbrauch im Erzbistum Köln ein.

In einer Stellungnahme sagte er: "Mir ist schmerzlich bewusst, dass Vertrauen verloren gegangen ist. Als einer der ersten, die einen Betroffenenbeirat eingerichtet haben und eine unabhängige Untersuchung mit Namensnennung in Auftrag gegeben haben, haben wir, habe ich Fehler gemacht. Aber das Ziel bleibt: den Betroffenen eine Stimme zu geben. Ihnen ein Stück Gerechtigkeit zukommen zu lassen mit einer Untersuchung, die Namen und Verantwortliche benennt."

Am Donnerstagabend sagte er in einem Wortbeitrag im Online-Meeting zum sogenannten synodalen Weg: „Da sind wirklich Fehler passiert, für die ich letztlich auch die Verantwortung trage. Aber das Ziel bleibt. Wir wollen Aufklärung, wir wollen Aufarbeitung. Es tut mir leid, dass Betroffene wieder auch, sozusagen, dadurch, was wir hier getan haben, auch einem neuen Leid ausgesetzt sind.“

Der Erzbischof äußerte sich in der "Kölnischen Rundschau" auch zur Kritik an ihm selbst im Zusammenhang mit der Einstellung eines Kirchenrechtsverfahrens gegen einen Pfarrer wegen Missbrauchsvorwürfen: "Ich habe mein Gewissen überprüft, ich bin persönlich der Überzeugung, dass ich mich korrekt verhalten habe."

Unterstützer von Woelki melden sich

Am Freitag ist das zweitägige Online-Meeting "Synodaler Weg" zu Ende gegangen. Bischöfe und Laien haben über die Zukunft der Kirche gesprochen - und über den Kölner Kardinal Woelki.

Die Onlinepetition der Unterstützer von Kardinal Woelki

Die Onlinepetition der Unterstützer von Kardinal Woelki

Der musste sich scharfe Kritik gefallen lassen. Aber am Freitag haben sich auch Woelki-Unterstützer zu Wort gemeldet.

Auf einer Internetseite werben sie für einen fairen und gerechten Umgang mit Kardinal Woelki. Sie weisen darauf hin, dass der Kölner Erzbischof sich aus ihrer Sicht bei der Aufklärung des Missbrauchsskandals richtig verhält.

Bisher haben sich 146 Internet-User für die Petition Pro Woelki und einen fairen Umgang miteinander innerhalb der Kirche ausgesprochen.

Immer mehr Kritik an Kölns Erzbischof Woelki

WDR 5 Westblick - aktuell 28.01.2021 05:28 Min. Verfügbar bis 28.01.2022 WDR 5


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Neues Gutachten soll veröffentlicht werden

Woelki sieht sich weiter in der Lage, die Missbrauchsaufklärung fortzuführen. Er erneuerte sein Versprechen, am 18. März ein neu beauftragtes Missbrauchsgutachten zu veröffentlichen.

Derweil fand am Donnerstag die zweite Versammlung des so genannten "Synodalen Wegs" der katholischen Kirche online statt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz, Georg Bätzing, begrüßte, dass Woelki Fehler eingestanden habe. Die Aufklärung des Missbrauchsskandals in Köln sei bisher nicht gut gemanagt.

Woelkis Worte würden an Worte von Tätern erinnern

Die Kritik an Woelki hält dennoch weiter an. Patrick Bauer, Mitglied im Betroffenenbeirat der deutschen Bischofkonferenz, ist enttäuscht über die Worte, die Woelki in dem Zeitungsinterview gefunden habe. "Es gehe um das Wohl der Betroffenen" - das erinnere ihn an Worte von Tätern, die auch immer nur vom Wohl der betroffenen Kinder sprächen. Außerdem habe er die Rolle des Betroffenenbeirats beim Gutachterwechsel nicht zutreffend dargestellt.

Probleme im Erzbistum würden weit über Erzbischof hinausgehen

Maria Mesrian von der Reformbewegung Maria 2.0 nimmt dem Kölner Erzbischof das Bedauern von Fehlern nicht ab. Die Probleme im Erzbistum gingen weit über den Erzbischof hinaus. Im Bistum Köln herrsche ein Klima der Angst. Die Auflehnung von einem Drittel der Priesterschaft gegen ihren Bischof spreche eine deutliche Sprache.

Gregor Stiels vom Katholikenausschuss begrüßt es, dass Kardinal Woelki erstmals mit einem öffentlichen Medium gesprochen habe. Auch mit Veröffentlichung des Gutachtens am 18. März seien die Probleme im Erzbistum längst nicht gelöst. Es müsste einen tiefgreifenden Wandel geben.

Viele Kölner planen offenbar einen Kirchenaustritt

Derweil planen in Köln offenbar viele, der Kirche den Rücken zuzuwenden. In der Domstadt gibt es vorläufig keine Termine mehr für Kirchenaustritte. Bis Ende April ist alles ausgebucht, und die Termine für Mai werden erst am 1. März frei geschaltet, wie ein Sprecher des Amtsgerichts sagte. Pro Monat gibt es derzeit rund 1.000 Online-Termine für einen Austritt aus der katholischen oder evangelischen Kirche.

Stand: 05.02.2021, 18:44