Wolf im Oberbergischen schürt Ängste

Wolf im Oberbergischen schürt Ängste

Von Oliver Köhler

  • Landesumweltamt bestätigt Wolf im Oberbergischen
  • Landwirte fürchten um das Leben ihrer Weidetiere
  • Experten raten zu Schutzzäunen gegen Wölfe

Beim Bio-Bauern Peter Schmidt steht die Kuh mit ihrem kleinen Kalb seit Montag (19.08.2019) im Stall. "Die beiden kann ich nicht auf die Weide lassen. Das Kalb ist für den Wolf eine ideale Beute", sagt Landwirt Schmidt. Sein Hof liegt oberhalb von Gummersbach Dieringhausen zwischen Wiesen und Waldflächen.

Bio-Bauer Peter Schmidt füttert Schafe

Bio-Bauer Peter Schmidt

Nur wenige Kilometer entfernt, in Engelskirchen hatte ein Schafzüchter im Juli zwei Tote und zwei verletzte Schafe auf seinem Gelände gefunden. Eines der verletzten Tiere konnte der Tierarzt nicht mehr retten. Es musste eingeschläfert werden. Inzwischen hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz eindeutig festgestellt: Die Schafe in Engelskirchen wurden von einem Wolf gerissen.

Experten raten zu Schutzmaßnahmen

Fachmann für Wölfe im Bergischen Land ist Dietmar Birkhahn. Der Wolfsberater vom Naturschutzbund will über die Raubtiere aufklären. "Wölfe, die in ein Gebiet einwandern, müssen von vornherein lernen, dass Weidetiere für sie tabu sind", sagt Birkhahn. Das könne man erreichen, wenn man frühzeitig Schutzzäune aufstellt, die unter Strom stehen. "Wenn der Wolf ein paar Stromschläge bekommen hat, merkt er sich das", sagt Birkhahn.

Die Rückkehr der Wölfe

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 26.11.2018 10:08 Min. Verfügbar bis 26.11.2019 WDR 5

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Noch ist unklar, ob der Wolf, der in Engelskirchen Schafe gerissen hat, nur durch das Bergische Land zieht oder ob er dort sesshaft geworden ist. Das Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz wertet sämtliche Hinweise aus.

Hilfen der Landesregierung in der Kritik

Wenn klar ist, dass sich Wölfe dauerhaft im Oberbergischen aufhalten, kann das Gebiet als Wolfsrevier eingestuft werden - mit finanziellen Hilfen von der Landesregierung für Tierhalter. Beispielsweise werden Investitionen für Schutzzäune erstattet. 

Gerd Dumke misst die Höhe eines Zauns

Gerd Dumke will keine Wölfe im Bergischen

Der Vorsitzende des Schafzuchtverbandes im Bergischen Land, Gerd Dumke, hält die finanziellen Hilfen allerdings nicht für ausreichend. Außerdem ist er davon überzeugt, dass die Zäune langfristig nichts nützen. "Wir wollen nicht, dass sich im Bergischen Land und den benachbarten Kreisen Wölfe ansiedeln", sagt Dumke. Er fordert die Landesregierung auf, diesen "Wunsch der Landbevölkerung" zu respektieren.

Bio-Bauer Peter Schmidt in Gummersbach hält es auch für notwendig, offen über die Ansiedlung von Wölfen zu diskutieren. "Wenn wir unsere Tiere wegen der Wölfe nicht mehr auf Weiden halten können, dann ist auch Schluss mit der Bio-Landwirtschaft", sagt Schmidt. Seiner Meinung nach müsse man darüber reden, wie viele Wölfe das Bergische Land vertragen kann und wie der Bestand künftig reguliert wird.

Der Wolf in NRW Hier und heute 29.07.2019 09:27 Min. Verfügbar bis 29.07.2020 WDR

Stand: 19.08.2019, 16:08