Düsseldorf: Altstadt-Wirte klagen gegen Corona-Sperrstunde

Altstadt-Kellner in Düsseldorf mit Mund-Nasen-Schutz

Düsseldorf: Altstadt-Wirte klagen gegen Corona-Sperrstunde

Von Erik Rönicke und Sven Lüüs

Mehrere Wirte in der Düsseldorfer Altstadt haben am Donnerstag per Eilantrag beim Verwaltungsgericht gegen die neue Corona-Sperrstunde für Restaurants, Kneipen und Bars geklagt.

Seit Montag überschreitet Düsseldorf die kritische 7-Tages-Inzidenz von 50 Corona-Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner. Mit einer Sperrstunde ab 1 Uhr nachts will die Stadt ausuferndes Feiern im öffentlichen Raum unterbinden: Alle Kneipen und Restaurants sollen um 1 Uhr schließen. Außerdem soll dann in der ganzen Stadt kein Alkohol mehr verkauft werden dürfen - auch nicht an Tankstellen und Kiosken.

Die Altstadtwirte halten die Maßnahme der Stadt für überzogen. Schließlich gebe es in der Gastronomie nur wenige Neuansteckungen. Stellvertretend für die Wirte hat ein Barbesitzer die Klage eingereicht. Sein Anwalt rechnet damit, dass das Verwaltungsgericht Anfang kommender Woche über den Eilantrag entscheiden wird.

Aus einer Untersuchung des Robert Koch-Institutes von 55 000 Corona-Fällen zwischen Februar bis Juli gehe hervor, dass 1,6 Prozent auf die Gastronomie zurückzuführen seien. "Das halten wir für einen sehr niedrigen Wert", sagte am Dienstag Thomas Kolaric, der Geschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga Nordrhein.

Wirte: Kriegen zu Unrecht eins auf die Nase

Jetzt befürchtet man nach dem ersten Lockdown im Frühjahr wieder erhebliche Umsatzeinbußen. Wirte-Sprecherin Isa Fiedler sagte dem WDR dazu bereits am Wochenende: "Wir bemühen uns wirklich seit Juni mit einer Wahnsinnsenergie die Corona-Schutzmaßnahmen 1:1 umzusetzen, so wie es gewünscht wird. Und stattdessen bekommen wir jetzt wieder einen auf die Nase"

Klage gegen Sperrstunde in Düsseldorf

00:40 Min. Verfügbar bis 13.10.2021 Von Moritz Börner

Die Altstadtwirte haben auch Bedenken, dass es mit der Sperrstunde erst recht voll werden könnte in der Altstadt: "Der Nachteil einer Sperrstunde ist, dass die Gäste, die ausgehen wollen, früher ausgehen und geballter ausgehen. Das führt bei uns dazu, dass wir sie gar nicht in der Ordnung, die wir für Corona neu geschaffen haben, bedienen können. Mit anderen Worten: Wir verdichten die Problematik des Ausgehens," sagt Gastronom Walid El Sheikh.

Stadt: Ab 1.30 Uhr lässt Disziplin nach

Die Stadt verteidigt ihr Konzept: Ab 1.30 Uhr lasse in der Altstadt die Disziplin nach. Außerdem kontrolliert das Ordnungsamt dann weniger.

Düsseldorf erste NRW-Stadt mit Sperrstunde

Düsseldorf war die erste Stadt in Nordrhein-Westfalen, die nach dem Überschreiten der 50er-Inzidenz eine Sperrstunde für die Gastronomie eingeführt hat.

Ein Erlass der NRW-Landesregierung fordert die Einführung jetzt auch von allen anderen Städten, die diese Marke reißen. In Berlin und Frankfurt gibt es bereits eine Sperrstunde für die Gastronomie - dort bereits ab 23 Uhr.

Stand: 13.10.2020, 15:41