Wildvogelstationen schlagen Alarm

Lokalzeit2go - Bonn 15.06.2022 02:38 Min. Verfügbar bis 15.06.2023 WDR Bonn

Wildvogelauffangstationen im Rheinland schlagen Alarm

Stand: 15.06.2022, 11:07 Uhr

Von Mai bis Juli ist Hochsaison bei allen Vögeln: Vogelkinder verlassen die Nester und werden flügge. Und da passiert es nicht selten, dass sie verletzt und von Spaziergängern aufgelesen werden. Doch wohin mit ihnen?

Von Gisela Hartmann

Tierheime nehmen eingesammelte Vögel häufig nicht auf, nach langer Suche landen die Wildtiere dann meistens bei Ehrenamtlern, die sie aufpäppeln. Doch die stoßen derzeit an ihre Grenzen, so wie Katharina Stenglein aus Königswinter. Zu Mittag gibt es hier Hühnerherzen und lebende Würmer. Die bereitet sie aber nicht für sich und ihre Familie vor, sondern für ihre Pflegekinder: 26 verletzte Wildvögel.

Seit zwei Jahren kümmert Katharina Stenglein sich ehrenamtlich um die Tiere. Allein die Fütterung geht ganz schön ins Geld, erzählt sie: "Für einen Rabenvogel rechnen wir einen Euro pro Tag. Das hört sich zwar erstmal nicht viel an. Aber wir hatten zwischendurch 80 Tiere hier. Und die bleiben ja immer ein paar Wochen. Da kommt ganz schön was zusammen."

Viele Vögel haben Vergiftungserscheinungen

Bei sich zu Hause, im umfunktionierten Kinderzimmer der Tochter, päppelt sie die verletzten Rabenvögel auf: Krähen, Elstern, Dohlen. Die Tiere sind noch ganz jung und können häufig noch nicht fliegen. Die meisten von ihnen haben Spaziergänger gefunden.

"Viele von ihnen weisen Vergiftungserscheinungen auf", erzählt sie. "Wahrscheinlich haben die Eltern sie mit Insekten gefüttert, die durch Insektizide belastet waren. Das ist schon hart."

Offizielle Vogel-Auffangstationen sind Mangelware

Ein Rabe sitzt in der Schale einer Waage

Kaum Vogel-Auffangstationen

So viele verletzte Vögel wie jetzt hatten sie und ihre Mitstreiter von anderen Vogelauffangstationen noch nie. Offizielle Stellen, die Vögel aufnehmen, gibt es kaum. Und diejenigen, die es gibt, stoßen längst an ihre Grenzen und müssen Tiere abweisen. Sechs Stunden pro Tag sei sie mit den Tieren beschäftigt, erzählt Katharina Stenglein. Das kann sie sich nur erlauben, weil sie gerade in Elternzeit ist.

Kommunen müssten unterstützen

Janina Rohde, eine befreundete Tierärztin, die sich ebenfalls um Wildvögel kümmert, checkt regelmäßig den Zustand von Katharina Stengleins Rabenvögeln. Auch das natürlich alles ehrenamtlich. Sie betont, wie wichtig es wäre, dass die Kommunen sie bei ihrer Arbeit unterstützen. "Die Städte müssten zumindest in der Hauptsaison ein oder zwei Stellen schaffen, die uns Ehrenamtler unterstützten und entlasten", so Janina Rohde.

Drei der Rabenvögel werden in den nächsten Wochen ausgewildert. Aber bis es soweit ist, sind bestimmt längst wieder neue da.

Über dieses Thema berichteten wir in der Bonner Lokalzeit vom 14.06.2022