Im Aufbau: Flutopfer schöpfen Hoffnung

Ein Müllhaufen in Nettersheim

Im Aufbau: Flutopfer schöpfen Hoffnung

Von Sabine Rieck

Die Flut hat den Eifelort Nettersheim stark getroffen. Doch die Aufräumarbeiten laufen, einige Geschäfte haben schon wieder geöffnet

Marek Chmielewski geht nicht gerne in den Rohbau seiner Apotheke. Kabel hängen von der Wand, der Putz trocknet, Bautrockner stehen herum. "Es ist ein komisches Gefühl hier zu sein", sagt der Pharmazeut und schaut sich um. "Weil man die Apotheke sonst nur mit einer wunderbaren Ausstattung kennt. Und jetzt? Ist sie komplett leer!" Chmiewski ist versichert und hofft, bereits im kommenden Jahr in seiner renovierten Apotheke wieder Kunden zu empfangen.

Medikamente statt Musik

Apotheker Marek Chmielewski steht im Rohbau seiner Apotheke in Nettersheim.

Der Apotheker Marek Chmielewski möchte seine renovierte Apotheke im kommenden Jahr wieder eröffnen.

Im Moment hat er sein Ladenlokal im Proberaum der heimischen Musikkapelle untergebracht. Die Tubas hängen hier über den Medikamentenschränken. An den Gesprächen mit den Kunden erkennt er, dass viele durch den Wiederaufbau im Ort Hoffnung schöpfen. "Jetzt befindet man sich in der Aufbauphase. Die Zeiten sind vorbei, wo die Leute lange erzählt und gezeigt haben, was sie erlebt haben", sagt der Apotheker.

In der Gemeinde ist ein Gesamtschaden von rund 20 Millionen Euro entstanden. 250 Wohnhäuser wurden im Juli durch die Flut geschädigt. In der Gemeinde wird jetzt aufgebaut. Vor den Häusern stehen Baugerüste, im Ortskern rattern die Schlagbohrer. 

"Normalität spüren"

Etwas vom Zentrum entfernt liegt der Naturkostladen von Iris Welsch. Sie führt ihren Betrieb seit 13 Jahren. Noch läuft ihr Verkauf in einem Container. Doch heute schrubbt sie das vollständig renovierte Ladenlokal. Mitte Dezember will sie wieder in ihrem Geschäftslokal starten. "Das ist mal wieder ein Stück Normalität, einfach normales Leben", erzählt die 61-Jährige.  Sie freut sich auf die Arbeit. "Mein Zuhause ist ein Rohbau. Da kann ich noch lange nicht einziehen." So wie ihr geht es vielen im Ort, weiß Welsch zu berichten. "Die Menschen wünschen sich den Alltag im Ort zurück." Im Zentrum gibt es bereits einige Lichtblicke: Die Post und ein Geschenkeladen sind wieder auf. Vor kurzem konnte ein Kindergarten wieder eröffnen. Die Physiotherapiepraxis behandelt wieder Patienten.

"Bürger müssen Hilfe erhalten

Norbert Crump, Bürgermeister von Nettersheim, steht im Rohbau des Naturzentrum Nettersheim

Bürgermeister Norbert Crump würde sich wünschen, das Naturzentrum Nettersheim schnell wieder öffnen zu können.

Die Kommune hilft beim Aufbau mit, wo sie kann. Drei Vollzeitkräfte setzt der Nettersheimer Bürgermeister Norbert Crump für die Flutopfer ein. „Die Menschen können zu uns kommen, wenn sie Probleme mit Förderanträgen haben“, sagt Crump. "Bei so einer kleinen Kommune sind wir schon so fast etwas wie eine Familie", erklärt er. Stolz ist er auch darauf, dass es ihm gelungen ist, eine Müllsammelstelle aufrecht zu erhalten. "So können die Menschen noch ein halbes Jahr ihren Müll kostenlos auf einem Sammelplatz loswerden." Wenn die Bauarbeiten weiter so gut laufen, wird er im nächsten Jahr auch wieder das Naturzentrum eröffnen. Das Museum hat der Gemeinde vor der Flut noch jährlich rund eine Million Euro gebracht. Diesen Touristenmagneten möchte man schnell wieder flott machen. Denn was man sich vor allem in Nettersheim wieder wünscht, sind Besucher, die Geld bringen.

Stand: 24.11.2021, 15:16