Missbrauch: Staatsanwaltschaft fordert hohe Haftstrafe

Hauptbeschuldigter auf der Anklagebank

Missbrauch: Staatsanwaltschaft fordert hohe Haftstrafe

Von Jochen Hilgers

Im Prozess gegen den Hauptbeschuldigten im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach haben Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin hohe Strafen gefordert

Beide forderten 13 Jahre und sechs Monate Haft für den 43-jährigen Bergisch Gladbacher mit anschließender Sicherungsverwahrung. Ihm wird unter anderem schwerer sexueller Missbrauch seiner Tochter vorgeworfen. Die Enttarnung des Angeklagten hatte  bundesweite Ermittlungen nach sich gezogen und Spuren zu einem Netzwerk von bis zu 30.000 Tätern ergeben.

Öffentlichkeit war von Verhandlung ausgeschlossen

Drei Stunden dauerten die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage. Die Strafanträge waren eindeutig. Gerade die Forderung nach anschließender Sicherungsverwahrung muss niederschmetternd auf den 43-jährigen Angeklagten gewirkt haben. Wird das Gericht dem Antrag folgen, dürfte er für viele weitere Jahre  nicht in Freiheit gelangen. Wenn überhaupt. Über Einzelheiten der Plädoyers wurde indes heute nichts weiter bekannt, da die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden war.

Verteidiger will Sicherungsverwahrung verhindern

Auch der Anwalt des Angeklagten äußerte sich nicht. Er wird aber vermutlich bis zuletzt versuchen eine Sicherungsverwahrung für seinen Mandanten zu verhindern. Ob dies gelingt ist sehr unklar. Das Gericht ließ sich an den Verhandlungstagen, die mit Öffentlichkeit stattfanden, nicht in die Karten schauen. Von Zeugen aber, darunter ein bereits verurteilter Mittäter wurde der Angeklagte schwer belastet. In Chatgruppen hatten sie demnach nicht nur Bilder getauscht und sich gegenseitig zu schweren sexuellen Straftaten gegen ihre Kinder angestachelt. In mindestens einem Fall sollen sie auch ihre Kinder untereinander zur Begehung schwerer sexueller Gewalttaten  getauscht haben.

Opfer vermisst den Vater

Der Angeklagte hatte das Verfahren konzentriert und überwiegend gefasst verfolgt. Nur bei Aussagen aus seinem familiären Umfeld musste er mitunter mit den Tränen kämpfen. Vor allem, als er hörte, dass seine mittlerweile zweieinhalb-jährige Tochter ihn, den Vater, so vermisse. Den Ermittlern der Kripo hatte er wichtige Hinweise gegeben.

43-jähriger unter Legende im Gefängnis

Sie hatten beim ihm mehrere Terrabyte an Computerdateien sichergestellt. In manchen Chats waren bis zu 1.800 Interessenten im Netz unterwegs. Möglicherweise gibt es bis zu 30.000 Verdächtige in dem Netzwerk. Im Gefängnis lebt der 43-jährige aus Sicherheitsgründen unter einer Legende. Seine Mithäftlinge glauben, er säße wegen Betruges ein. Das Urteil gegen den Bergisch Gladbacher soll am kommenden Dienstag um 14.00 Uhr gesprochen werden.

Stand: 30.09.2020, 14:40