Schwert in Wesel entpuppt sich als Sensationsfund

Schwert in Wesel entpuppt sich als Sensationsfund

Vor rund 70 Jahren fand ein Mann aus Wesel ein altes Schwert in einer Kiesgrube. Jahre später erinnert sich die Familie und bringt es zum Amt für Bodendenkmalpflege, wo es sich als echter Glücksfund entpuppt.

Mitte der 1950er-Jahre fand ein Kiesbaggerführer im Kiesbaggerloch Aue, heute der Auesee in Wesel, ein Schwert. "Damals war es so, dass mein Opa alles abgeben musste an einen Universitätsprofessor aus Bonn", erzählt Christian Biesemann, der Enkel des Baggerführers.

Weil es zunächst wertlos und verbogen aussieht, darf der Mann seinen Fund dennoch mit nach Hause nehmen, wo er dann Jahrzehnte liegen bleibt - erst beim Großvater, dann beim Vater und schließlich beim Enkel.

Vergessenes Schwert zu St. Martin rausgeholt

Dann, im November 2020, holt Biesemann das lange in Vergessenheit geratene Schwert zu St. Martin hervor. Pandemiebedingt sind alle Martinsumzüge ausgefallen, doch der Weseler will für seine Kinder und die Kirchengemeinde trotzdem die passende Atmosphäre schaffen.

Christian Biesemann, Enkel des Baggerführers, der das Schwert in den 1950er-Jahren gefunden hat

Christian Biesemann

"Ich fand es schade, dass das erste St. Martin meiner dreijährigen Tochter ausfällt. Darum habe ich mit der Kirchengemeinde eine Aktion initiiert, wo die Martinsgeschichte erzählt wurde", so Biesemann. Er verteilt Martinstüten, wobei er sich als St. Martin verkleidet und dafür das Schwert symbolisch umlegt.

Danach will er mehr über das Schwert seines Großvaters erfahren und bringt es zum Amt für Bodendenkmalpflege in Xanten.

Sensationsfund aus Wesel

Dort stellen die Archäologen schnell fest, dass das Familienerbstück viel älter als angenommen ist. Biesemanns Schwert ist ein echter Sensationsfund: Aus der Bronzezeit, 3000 Jahre alt, knapp 50 Zentimeter lang, fein verziert - und erstaunlich gut erhalten.

Auch für die Archäologin Julia Rücker ist das Schwert eine seltene Kostbarkeit: "Also, wir müssen schon sagen: Das ist eine Prunkwaffe und die hat sicher nicht jeder Krieger gehabt. Es gibt in der Literatur sogar die Meinung, dass diese Schwerter mehr der Darstellung des eigenen Status als dem Kampf gedient haben."

Schwert in Bonner Museum ausgestellt

Noch nie hatten die Archäologen des Amtes für Bodendenkmalpflege einen so gut erhaltenen Fund auf dem Tisch. Stücke wie diese Keramiken aus der Römerzeit sind am Niederrhein häufig, aber ein Schwert aus der Bronzezeit: sensationell.

Jetzt wird das Bronzeschwert aus Wesel zunächst für zehn Jahre als Dauerleihgabe im Bonner LVR-Museum zu sehen sein. Es bleibt aber vorerst in Familienbesitz der Biesemanns.

Stand: 04.11.2021, 21:27

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