Mit TikTok und App für mehr Handwerker-Nachwuchs

Ein Auszubildender im Schreiner-Handwerk schleift einen Holzrahmen.

Mit TikTok und App für mehr Handwerker-Nachwuchs

Von Jörg Sauerwein

Der Personalmangel im Handwerk ist groß. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft spricht von knapp 65.000 fehlenden Fachkräften.

Die Kammern und Innungen im Rheinland gehen jetzt neue Wege, um junge Menschen für das Handwerk zu interessieren.

Ausbildung per Smartphone-App

Die Bonner Kreishandwerkerschaft geht verschiedene digitale Wege. Nicht nur mit einem modernen YouTube-Video, das neugierig machen soll. Innerhalb von anderthalb Minuten sind dort viele Handwerksberufe kurz zu sehen. Daneben haben die Bonner auch eine eigene App fürs Smartphone auf den Markt gebracht. Die „Azubi-App“ bietet nicht nur viele Infos zu Ausbildungsberufen, sondern zeigt auch freie Praktikums- und Ausbildungsplätze an.

Neugierig auf Handwerk machen

„Jugendliche wissen viel zu wenig über die vielfältigen und zukunftssicheren Möglichkeiten im Handwerk“, hat Hans Peter Wollseifer, der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, gerade erst beklagt. Deswegen will auch die Kölner Handwerkskammer erst mal neugierig machen.

Und wie erreicht man junge Menschen unter anderem? Über TikTok. In kurzen und unterhaltsamen Videos geht es auf der Plattform um unterschiedlichste Handwerksberufe. Mit Augenzwinkern, Humor und Musik gibt es kleine Einblicke in unterschiedlichste Handwerksberufe.

Digitale Wege in der Pandemie

„Wir wollen das Handwerk erst mal in die Köpfe bekommen“, sagt Jascha Habeck, Sprecher der Handwerkskammer zu Köln. Deshalb müsse man auch neue Wege beschreiten. TikTok ist ein Weg, ein anderer ist die Matchboxx. Auf digitalem Weg können hier Jugendliche ohne großen Aufwand direkt einen Telefon- oder Video-Termin mit Handwerksbetrieben vereinbaren, die einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz anbieten.

Schon jetzt seien die Erwartungen übertroffen worden, heißt es von der Kammer: „Die Resonanz war größer als bei vielen bisher üblichen Messen, auf denen sich die Betriebe vorgestellt haben.“ Bis Mitte Mai läuft das Angebot noch für Jugendliche, die irgendwo zwischen Hennef, Bonn, Köln oder Leverkusen nach einem Ausbildungsberuf Ausschau halten.

Alternative zur direkten Begegnung

Auch die Berufsberater kommen in der Pandemie nicht real, sondern per Computer ins Klassenzimmer. Auf Wunsch der Schulen können die Handwerksprofis per Videokonferenz in eine Schulstunde „geholt“ werden und beantworten dann alle Fragen rund um Handwerk und Ausbildung.

Keine Models, sondern echte Azubis auf Plakaten

Auch mit Plakaten zum Beispiel an Bushaltestellen wollen die Verantwortlichen für das Handwerk trommeln. Darauf werden dann aber nicht etwa Models, sondern Azubis aus dem Rheinland für ihre jeweiligen Berufe werben: die Kfz-Mechatronikerin oder der Augenoptiker aus Siegburg oder Köln als Werbestar für das Handwerk.

Stand: 04.05.2021, 15:54