Leben auf Sparflamme: Wenn der Herzmuskel immer weiter wächst

Medizinzeit: Das genetische "Sportlerherz" 03:15 Min. Verfügbar bis 21.02.2020

Leben auf Sparflamme: Wenn der Herzmuskel immer weiter wächst

  • Sogenannte "hypertrophe Kardiomyopathie" (HCM) ist angeboren
  • Krankheit wird nur selten entdeckt
  • HCM kann zum plötzlichen Herztod führen

Er fühle sich ständig wie ein ausgewrungener Waschlappen, sagt Günter Tünsmeyer aus Bonn-Oberkassel. Vor zwei Jahre wurde bei dem 59-Jährigen eine Herzmuskelerkrankung festgestellt. Eigentlich durch einen Zufall. Denn häufig bleibt die hypertrophe Kardiomyopathie – kurz HCM – unentdeckt.  

Herzrhythmus-Störungen sind die Folge

Die Symptome sind schleichend. Herzstolpern, Luftnot oder Müdigkeit – das kann viele Ursachen haben. Und manche Patienten haben sogar überhaupt keine Beschwerden. Erst im Herzultraschall und im MRT wird das Problem deutlich: Ein viel zu dicker Herzmuskel.

Mit Kabeln wird das kranke Herz genau untersucht.

Eine Chance auf Heilung besteht bisher nicht.

Bei gesunden Menschen ist der Herzmuskel etwa 12 Millimeter dick, bei aktiven Sportlern auch mal 15. Doch bei HCM-Patienten wächst der Herzmuskel darüber hinaus. Wird die Krankheit nicht rechtzeitig entdeckt, kann das zu schweren Herzrhythmusstörungen führen und ins seltenen Fällen bis hin zum plötzlichen Herztod.

Plötzlich war die Luft weg

Das mit ihm etwas nicht stimmt, hat Günter Tünsmeyer nach einer längeren Sportpause bemerkt. Jahrelang hat er Tischtennis gespielt und als er wieder damit anfing, musste er sofort abbrechen. Er bekam kaum noch Luft. Sein erster Verdacht – die Lunge. Doch sein Lungenfacharzt, wiederum selbst HCM-Patient, hatte die richtige Eingebung und schickte ihn zum Kardiologen.

Die Treppe kann bereits zu viel sein

Seit der Diagnose darf Tünsmeyer keinen Sport mehr machen. Denn der Herzmuskel kann durch Training und Belastung noch weiterwachsen. Die geliebten Wanderungen durchs Siebengebirge sind also Vergangenheit und auch den Weg zur Arbeit muss Günter Tünsmeyer bewusst langsam gehen. Denn wenn er das vergisst, dann kann die Treppe ins Büro schon zu viel sein.

Der Arzt beobachtet das Ultraschallergebnis.

Der Kardiologe misst das Herz mittels Ultraschall aus.

Da es sich um eine genetische Herzerkrankung handelt, müssen nun auch die Kinder von Günter Tünsmeyer regelmäßig zum kardiologischen Check – die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung liegt bei 50 Prozent. Bei den Untersuchungen sollten ein EKG, eine Herz-Ultraschall-Untersuchung und ein Langzeit-EKG durchgeführt werden, empfiehlt Dr. Luciano Pizzulli von St. Petrus Krankenhaus in Bonn

Stand: 21.02.2019, 17:42