Einzigartig in der Welt: Quantencomputer in Jülich

Stand: 17.01.2022, 17:50 Uhr

Im Forschungszentrum Jülich ist am Montag der weltweit leistungsfähigste Quantencomputer vorgestellt worden. Er schafft komplexe Rechenaufgaben in kürzester Zeit.

Von Helga Hermanns

Bei der Vorstellung im Jülicher Forschungszentrum überboten sich die Redner mit Superlativen: Vorstoß in ein neues Rechner-Zeitalter, eine revolutionäre Technologie, weltweit einmalig. Und deshalb ist auch der Name des Quantencomputer-Projekts durchaus symbolhaft: JUNIQ, gesprochen wie das englische Wort „unique“ für einzigartig.

Gekühlt auf minus 270 Grad

Untergebracht ist der Rechner in einem extra errichteten Gebäude im Westen des Forschungscampus. Damit er einwandfrei funktioniert, muss das Fundament jede noch so winzige Erschütterung abfedern. Und außerdem werden die Bauteile hinter der Verkleidung des etwa vier mal vier Meter hohen Würfels heruntergekühlt auf etwa 270 Grad minus.

Quantencomputer noch in Kinderschuhen

Quantencomputer basieren auf einer völlig anderen Art zu rechnen als herkömmliche Computer. Diese sind zwar immer leistungsfähiger und schneller geworden, aber sie stoßen jetzt an physikalische Grenzen, die eine weitere Leistungssteigerung unmöglich machen. Quantencomputer dagegen stecken zwar noch in den Kinderschuhen, sind aber jetzt schon deutlich schneller und besser als herkömmliche Rechner.

Treiber für den technologischen Fortschritt

Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) betonte, die Quantentechnologie sei ein wichtiger Treiber für den technologischen Fortschritt in ganz Europa. Deutschland wolle dabei eine führende Rolle einnehmen. Auch forderte sie, Hard- und Software für Quantencomputer künftig in der EU zu entwickeln und herzustellen. Der Quantencomputer in Jülich wurde von dem kanadischen Unternehmen D-Wave geliefert.

NRW als Hotspot für Quantencomputing

Einzigartig in der Welt: Quantencomputer in Jülich

Hendrik Wüst bei der Präsentation des Quantencomputers

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sieht das Land als europäischen Hotspot für das Quantencomputing. Ein entsprechendes Kompetenzzentrum sei im Aufbau und werde die Expertise aus Jülich aber auch der Universitäten in NRW nutzen. Welche Anwendungen in den nächsten Jahrzehnten mit der Quantentechnologie möglich sind, kann noch niemand vorhersagen. Am Jülicher Forschungszentrum wird sie für sehr komplexe Rechenaufgaben genutzt, die kein Superrechner alleine lösen kann.

Exakte Berechnung globaler Klimamodelle

Dazu gehören neue Materialien, die Berechnung weltweiter Logistikströme, die Steuerung autonomer Verkehrssysteme oder die Entwicklung neuer Medikamente. Auch globale Klimamodelle sollen mit Quantencomputern sehr viel genauer berechnet werden. JUNIQ in Jülich kann von Wissenschaftlern und Unternehmen in Deutschland, Europa und darüber hinaus genutzt werden. Die Erkenntnisse aus Jülich werden jedenfalls dazu beitragen, Quantencomputer zur Serienreife zu bringen.