COP23 - Demos und Karneval bei der Klimakonferenz

Demonstration in Bonn

COP23 - Demos und Karneval bei der Klimakonferenz

Von Jörg Sauerwein

  • Karnevalsauftakt und Demos in Bonn
  • Demonstranten zeigen sich verkleidet
  • "No Climate Change - Alaaf"

In Bonn war an diesem Samstag (11.11.2017) einiges los. Zum Karnevalsauftakt strömten diesmal nicht nur zahlreiche Jecken zum Rathausplatz. Wegen der Weltklimakonferenz zogen auch zwei Demonstrationen durch die Stadt. Viele der Teilnehmer gingen dabei verkleidet fürs Klima auf die Straße.

Nach dpa-Informationen waren bei der ersten Demo über 1.000 Demonstranten unterwegs, der Veranstalter sprach von gut 2.000 Teilnehmern. Eigentlich war mit rund 5.000 Aktivisten gerechnet worden.

Karneval und Klimademo in einem

Während auf dem Bonner Rathausplatz um 11.11 Uhr das traditionelle "Bonn Alaaf" zu hören war, wurde die Demo wenige hunderte Meter weiter mit einem dreifachen "No Climate change – alaaf" eröffnet. Karneval und eine Klimademo, das passe gut zusammen, sagte Birgit auf der Landwehr, Karnevalistin der Kölner Pappnasen. Sie war extra nach Bonn gekommen. Denn Karneval habe schon immer auf humoristische Weise der Obrigkeit klar gemacht, dass etwas schief läuft.

"Nähe des Braunkohletagebaus ist ein Witz"

Dieser Tagebau, so erklärte die Klimaaktivistin Kathrin Henneberger von "Ende Gelände", sei ein Beleg für sie, warum die Weltklimakonferenz ein Witz sei. Denn es sei bizarr, "dass man eine halbe Stunde von der größten Drecksschleuder Europas eine Klimakonferenz ausrichtet, und die deutsche Politik sich nicht dazu durchringen kann, endlich den Kohleausstieg zu beschließen", sagte Henneberger. Vielen anderen ging es allerdings um mehr als einen sofortigen Kohleausstieg.

Klimademo zum Karnevalsauftakt in Bonn

Nach der großen Klimademonstration am vorherigen Wochenende gingen in Bonn erneut zahlreiche Menschen auf die Straße - die Veranstaltung am 11.11. hatte deutlich karnevaleske Züge.

Klimademo Bonn

"Schluss mit dem faulen Zauber - wir treiben die bösen Geister des Klimawandels aus", hieß das Motto der Demo, zu der ein Bündnis aus Linken, Grünen, DKP, Attac, BUND und weiteren Initiativen aufgerufen hatte.

"Schluss mit dem faulen Zauber - wir treiben die bösen Geister des Klimawandels aus", hieß das Motto der Demo, zu der ein Bündnis aus Linken, Grünen, DKP, Attac, BUND und weiteren Initiativen aufgerufen hatte.

Dabei wurde ein 100 Meter langes Transparent durch die Stadt getragen - mit der Botschaft: "USA, Trump - Climate Genocide".

Die Bonnerin Iris Weiler gehörte auch zu den Demonstranten. Sie ist "für ihre Kinder" auf die Straße gegangen.

Die Demonstration richtete sich ausdrücklich auch gegen die Atomindustrie. Atomstrom lasse sich nicht als "grüne Energie" verkaufen, so die Organisatoren der Demo.

Viele Transparente richteten sich gegen die Klimapolitik der Bundesregierung.

Die Demo trug eindeutig karnevaleske Züge - untermalt wurde die Kundgebung mit kölschen Karnevalsklassikern.

Mit dabei waren auch Jörg Sieweck und Martina van Laack, beide Kölner. "Dieses Mal haben wir den Karneval in Köln sausen lassen, die Klimademo ist wichtiger", so die Biologin.

Bie trübem Wetter hatten sich rund 2.000 Demonstranten versammelt. Sie zogen bis zum Platz der Vereinten Nationen in Bonn. Dort befindet sich auch das UN-Klimasekretariat.

Der 12-jährige Adrian Kemming (in der Mitte) war zum ersten Mal mit seiner Familie auf einer Demonstration. "Man muss sich zu diesem Thema einfach äußern", sagt er.

Trotz des ernsten Themas war die Stimmung unter den Teilnehmern bestens.

Zu sehen waren auf der Kundgebung auch Bronzeskulpturen, die Klimaflüchtlinge darstellen - geschaffen von dem dänischen Künstler Jens Galschiot.

Von dem Dänen Galschiot stammt auch die sechs Meter hohe Kopie der Freiheitsstatue, die durch die Innenstadt getragen wurde. Sie hält ein Dokument mit dem Titel "Freedom to pollute" in den Händen.

Die Bonnerin Pia Schauerte warb auf der Demo für das Fahrradfahren. "Ich sehe morgens so viele Menschen, die allein in ihremAuto sitzen und zur Arbeit fahren. Das regt mich auf", sagt sie.

Auf der Kundgebung wurden die zurzeit in Bonn stattfindenden Klimaverhandlungen scharf kritisiert. Mit den bisherigen Maßnahmen sei das 1,5-Grad-Ziel nicht zu schaffen, so der Tenor.

Zum Schluss heizten noch die Kölner Pappnasen ein. Die Mitglieder der Formation verstehen sich als Polit-Karnevalisten. Sie sangen von einer "superjeilen Welt, wo jeder leben könnt', wo und wie es ihm gefällt". Am Nachmittag gab es darüber hinaus einen zweiten, etwas kleineren Protestmarsch, organisiert von der Verdi-Jugend und den Organisatoren der bundesweiten Montagsdemo.

Kinder: "Tut was für unsere Zukunft"

Immer wieder war der Ruf nach Klimagerechtigkeit "Climate Justice" zu hören. Eine Verkehrswende, der Verzicht auf Atomstrom - es brauche viel für erfolgreichen Klimaschutz, waren sich die Demonstranten einig. Deshalb war auch der neunjährige Tobias zusammen mit seinem Bruder Tristan und seiner Mutter zur Demo gekommen. Sie hielten auf dem ganzen Weg zum Konferenzzentrum ihre Schilder hoch mit der Aufschrift: "Tut was für unsere Zukunft".

"Systemwandel statt Klimawandel"

Noch weiter gingen die Forderungen einer zweiten Demo, die aus der Bonner City am Nachmittag einmal rund um die Innenstadt zog. Nicht Klimawandel, sondern Systemwandel, lautete eine zentrale Forderung. Rund 2.000 Demonstranten kamen nach Angaben der Organisatorin Carlotta Grohmann von der Bonner Jugendbewegung.

Polizei: friedlicher Verlauf aller Veranstaltungen

Noch nie dürfte an einem 11.11. so viel Trubel in Bonn geherrscht haben. Aber eines bewiesen sowohl die Jecken beim Karnevalsstart als auch die Teilnehmer beider Demonstrationen: Man kann ganz friedlich für oder gegen etwas auf die Straße gehen. Eine Polizeisprecherin sprach von einer "absolut positiven Bilanz".

Stand: 11.11.2017, 18:10