Guter Start für die Weltklimakonferenz in Bonn

Guter Start für die Weltklimakonferenz in Bonn

Von Jörg Sauerwein

  • Greenpeace-Jugend ermahnt die Konferenzteilnehmer zu Klimagerechtigkeit
  • 25.000 Teilnehmer werden in Bonn und der Region von Remagen bis Köln untergebracht
  • UN-Polizei sorgt für Sicherheit auf dem Konferenzgelände und in der Stadt

Zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Bonn bekamen die Delegierten aus allen Ländern der Welt am Montag Vormittag (06.11.2017) noch einmal eine Botschaft mit auf den Weg : "Climate Justice" – "Wir wollen Klimagerechtigkeit". Rund 400 Jugendliche der Greenpeace-Jugend hatten sich dafür von der Schule befreien lassen und waren extra nach Bonn gekommen. Ein besonders wichtiger Punkt: Die Abschaffung der Energiegewinnung durch Kohleabbau.

25.000 Teilnehmer werden erwartet

Aus knapp 200 Ländern kommen die Teilnehmer, die nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Region von Remagen bis nach Köln untergebracht werden. Denn Bonn selbst hat nicht mal für die Hälfte der bis zu 25.000 erwarteten Gäste genug Hotelbetten.

Weltklimakonferenz: Folkore vor ernstem Hintergrund

Fidschi-Folkrore, Appelle von Kindern und das Ringen der Vereinten Nationen um die Einhaltung ihrer Umweltziele: In Bonn hat die Weltklimakonferenz begonnen. Der WDR zeigt erste Impressionen.

Eröffnung der Weltklimakonferenz in Bonn

Folkloristische Eröffnung der Weltklimakonferenz in Bonn: Für besondere Farbtupfer sorgt am Montag (06.11.2017) eine Tanzgruppe von den Fidschi-Inseln, einem der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Staaten der Welt.

Folkloristische Eröffnung der Weltklimakonferenz in Bonn: Für besondere Farbtupfer sorgt am Montag (06.11.2017) eine Tanzgruppe von den Fidschi-Inseln, einem der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Staaten der Welt.

Ein traditionell gekleideter Fidschi-"Krieger" posiert vor einem Segelkanu aus seiner Heimat und vermittelt Eindrücke von der Kultur seines Volkes bei der "COP 23", wie die Bonner Weltklimakonferenz bei den Vereinten Nationen heißt.

Die Fidschi-Inseln und ihre Bewohner sind allgegenwärtig in Bonn. Die Präsidentschaft der Weltklimakonferenz hat nämlich die südpazifische Republik inne. Sie kann die riesige Veranstaltung jedoch nicht auf ihrem Territorium ausrichten. Laut Geschäftsordnung des UN-Klimasekretariats UNFCCC muss die Konferenz deshalb am Sitz des Sekretariats der UN-Klimarahmenkonvention stattfinden - und damit in Bonn und mit Deutschland als sogenanntem technischen Gastgeber.

Etwa 25.000 Menschen kommen zur Weltklimakonferenz nach Bonn. Neben Delegierten aus 196 Staaten zählen dazu rund 500 Nichtregierungsorganisationen und mehr als tausend Journalisten aus aller Welt. Es gibt zwei Standorte: Den Verhandlungsbereich um das World Conference Center Bonn (WCCB) und den bestehenden UN-Campus hat die Fidschi-Präsidentschaft "Bula-Zone" getauft - "Willkommenszone". Daneben gibt es die "Bonn-Zone" in der Rheinaue mit Länderpavillons und Zeltstadt.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks genießt zum Auftakt der Weltklimakonferenz einen traditionellen Drink von den Fidschi-Inseln - in Anwesenheit von deren Premierminister Frank Bainimarama (l.).

Ein als Eisbär verkleideter Konferenzteilnehmer macht auf die prekäre Lage dieser Tierart aufmerksam. Sie ist vom Aussterben bedroht, weil aufgrund der Klimaerwärmung das Packeis schwindet, das sie als Jagdfläche benötigt.

Kinder rücken bei der Eröffnungszeremonie eine weitere bedrohte Tierart in den Fokus, die Wale.

Die jüngsten Generationen werden am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein. Ihre unmissverständliche Botschaft an die Konferenzteilnehmer: "Save the world - Rettet die Welt!"

Der vermeintlich niedliche Auftritt der Kinder ist ein ernster Appell an die Vereinten Nationen, ihre Klimaziele einzuhalten. Die Delegierten verhandeln über die technische Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015, wobei ein Regelbuch herauskommen soll. Das Abkommen sieht vor, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu beschränken. Es ist fraglich, dass das gelingt.

In Zeiten des Terrors wird Sicherheit in Bonn groß geschrieben. Jeder Konferenzteilnehmer wird am Einlass kontrolliert.

Um Klima und Umwelt geht es in Bonn nicht nur an den offiziellen Veranstaltungsorten. Davor haben Umweltaktivisten Protestbanner unterschiedlichster Couleur aufgestellt.

Das Treffen bis zum 17. November soll als die erste Weltklimakonferenz in die UN-Geschichte eingehen, die nachweislich umweltfreundlich organisiert wurde. Den Delegierten stehen rund 600 Fahrräder kostenfrei zur Verfügung. Die beiden Konferenzbereiche WCCB und Bonn-Zone verbindet ein CO2-neutraler Shuttleverkehr mit Elektrobussen. Außerdem verzichten die Veranstalter weitgehend auf Druckerzeugnisse und gänzlich auf Einwegbecher.

Für Autofahrer eine harte Geduldsprobe: Die Bundesstraße 9 musste am Montag Vormittag erneut in unmittelbarer Nähe zum Konferenzzentrum zeitweise gesperrt werden. Viele Bonner nehmen den Auftakt der Weltklimakonferenz aber dennoch mit Gelassenheit. Schließlich sei es eine Ehre und die UN-Stadt Bonn könne davon nur profitieren – wenn man von den Staus absieht.

Für die 25.000 Teilnehmer stehen unter anderem neben einigen Hotelschiffen, die schon vor Anker liegen, auch noch weitere Schiffe bereit, falls es eng werden sollte. Dazu informierte Udo Schäfer, der Geschäftsführer der Bonner Tourismus und Congress-Gesellschaft: "Jeder hat ein Bett bekommen, zumindest bis dato und wenn jemand ein Bett braucht, haben wir noch Betten, die wir dementsprechend zur Verfügung stellen können."

UN-Polizei sorgt für Sicherheit auf dem Gelände und in der Stadt

Noch sind längst nicht alle Teilnehmer da – viele hochrangige Delegierte kommen erst in der zweiten Hälfte der Konferenz. Angemeldet sind derzeit rund 20 Staatschefs und mehr als 100 Minister. Für deren Schutz im Konferenzzentrum sowie für die Sicherheit und den Verkehr in der Stadt sorgen neben der UN-Polizei mehr als 1.500 Polizisten jeden Tag.

Teilnehmer der Anti-Kohle-Demonstartion mit Bannern und einem Eisbären

Teilnehmer bei der Anti-Kohle-Demonstration

Auch Dank der Demonstrationen haben die Beamten gut zu tun. Zumindest der Start der zwölftägigen Konferenz aber sei schon mal geglückt, sagt Polizeisprecher Robert Scholten. Denn das große Verkehrschaos sei am ersten Tag ausgeblieben.

An einige Behinderungen werden sich die Bonner allerdings für knapp zwei Wochen gewöhnen müssen, denn es wird immer wieder einzelne Aktionen und Demos geben. Besonders voll wird es dann am kommenden Samstag, wenn zum einen am 11.11. der Beginn des Karnevals gefeiert wird und zum anderen gleich zwei große Demonstrationen mit bis zu 10.000 Menschen in Bonn stattfinden werden.

Stand: 06.11.2017, 17:00