Keine Demut? Kritik an Kölner Weihbischof Schwaderlapp

Weihbischof Schwaderlapp in Kenia

Keine Demut? Kritik an Kölner Weihbischof Schwaderlapp

Von Christina Zühlke

Erneut wird Kritik am Kölner Weihbischof laut. Dominik Schwaderlapp wollte während seiner Auszeit als "einfacher Priester" arbeiten. Doch jetzt sind Fotos aufgetaucht, die ein anderes Bild vermitteln.

Fotos bei Facebook zeigen Schwaderlapp bei einem Gottesdienst in Mombasa, Kenia. Beim Einzug in die Kirche und auch am Altar steht Schwaderlapp neben Kollegen und ist anhand seiner Kleidung, vor allem wegen des großen Bischofshutes, deutlich als Bischof zu erkennen.

Afrika-Auszeit war Kompromiss

Dabei, so bemängeln es nun die Kritiker, habe Schwaderlapp nach Mombasa gehen wollen, um dort für ein Jahr als "einfacher Priester" zu arbeiten. Diese Auszeit - nach seinen Angaben auf eigenen Wunsch - wollte er nutzen, um über Vorwürfe nachzudenken, die in Köln nach einem Rechtsgutachten laut wurden.

Darin wird Dominik Schwaderlapp vorgeworfen, er habe sexualisierte Gewalt an Kindern durch katholische Geistliche nicht aufgeklärt, sondern vertuscht. Ein Rücktrittsgesuch Schwaderlapps lehnte der Papst ab. Die Zeit in Afrika schien der Kompromiss.

Erzbistum reagiert auf Kritik

Maria Mesrian von Maria 2.0

Maria Mesrian von Maria 2.0

Die Kölner Theologin Maria Mesrian kritisiert: Der Auftritt in Kenia in vollem Bischofsornat konterkariert sein Ansinnen, als „einfacher Priester“ zu wirken. "Dieser Auftritt zeigt, dass keine Einsicht in die Schwere der Vorwürfe, nämlich Missbrauchstäter zu schützen, vorhanden ist.“ Maria Mesrian ist auch engagiert in der Frauenbewegung Maria 2.0. Für sie ist Schwaderlapps Verhalten ein weiterer Beweis dafür, dass ein Neuanfang in Köln mit diesem Personal nicht gelingen könne, auch wenn der Papst das anders sehe.

Das Erzbistum antwortete auf WDR-Anfrage, Weihbischof Schwaderlapp sei auf ausdrücklichen Wunsch des Erzbischofs von Mombasa teil eines Festgottesdienstes zum Weltmissionstag gewesen: „Zu diesem besonderen Anlass bat der Erzbischof seinen Gast, die entsprechende liturgische Kleidung zu tragen.“ Da Weihbischof Schwaderlapp – entsprechend seines Wunsches, als "einfacher Priester" tätig zu sein – keine eigene Mitra mit sich führte, habe ihn der Erzbischof mit einer Bischofsmütze aus dem persönlichen Bestand ausgestattet.

Opfer von Missbrauch: Porträt von Patrick Bauer

Patrick Bauer, ehemaliger Sprecher des Kölner Betroffenen-Beirats und selbst als Gemeindereferent für das Erzbistum tätig, hat für diese Begründung wenig Verständnis. Er sagte dem WDR: „Ich habe es persönlich schon erlebt, dass Bischöfe im ganz normalen Priestergewand Messen gefeiert haben. Wenn Herr Schwaderlapp gewollt hätte, hätte er das sicherlich auch machen können.“ Die Demut, die Weihbischof Schwaderlapp versprochen habe, sei so nicht glaubwürdig.

Stand: 28.10.2021, 15:16