Trotz Missbrauchs: Priester blieb Seelsorger

Schatten von Menschen an einer Wand, ebenso ein hängendes Kreuz

Trotz Missbrauchs: Priester blieb Seelsorger

  • Drei Diözesen betroffen: Köln, Münster, Essen
  • Suche nach Verantwortlichem für Seelsorgereinsatz
  • Opfer sollen sich bei den Bistümern melden

Die katholische Kirche hat über Jahrzehnte einen Priester eingesetzt, der zweimal wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger rechtskräftig verurteilt worden war. Die Kirche ließ ihn weiter als Seelsorger arbeiten. Gleich in drei Diözesen war der heute 85-Jährige beschäftigt: Köln, Münster und Essen. Das Erzbistum Köln veröffentlicht den Fall selber auf seiner Internetseite.

Elf Bischöfe wussten davon

WDR 5 Diesseits von Eden 17.11.2019 04:21 Min. Verfügbar bis 17.11.2020 WDR 5 Von Theo Dierkes

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Der Priester war ab 1960 in Köln im Einsatz und danach in Essen-Kettwig. Im Jahr 1972 wurde er das erste Mal wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Haftstrafe verurteilt. Dennoch bekam er immer wieder Stellen als Seelsorger. Seit 1973 war er in verschiedenen Orten des Bistums Münster tätig, bis er 1988 wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Ein Jahr später kehrte er als Altenheimseelsorger nach Köln zurück, von 2002 bis 2015 arbeitete er als Ruhestandsgeistlicher in Bochum-Wattenscheid.

Kirche will Verantwortliche namentlich nennen

Der Interventionsbeauftragte des Erzbistums Köln, Oliver Vogt, zeigte sich am Dienstag erschüttert darüber, dass ein zweimal rechtskräftig verurteilter Priester weiter in der Seelsorge bleiben konnte. Der Fall soll gründlich aufgearbeitet und die Verantwortlichen nach Abschluss der Untersuchungen namentlich genannt werden. "Sie haben große Schuld auf sich geladen und den Täterschutz und das Ansehen der Institution über den Schutz der Betroffenen gestellt", so Vogt.

Untersuchung durch Schreiben an Bistum Münster

Im Mai 2019 war der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, durch ein Schreiben auf den Fall aufmerksam gemacht worden. Das Erzbistum Köln habe daraufhin der Münchner Rechtsanwaltskanzlei, die derzeit alle Missbrauchsfälle der Erzdiözese untersucht, auch das Aktenmaterial der anderen Bistümer zur Verfügung gestellt. Die Jahrzehnte alten Akten seinen allerdings teilweise lückenhaft. Im Fokus der Untersuchungen stehe nun, wer in den Bistümern den weiteren Einsatz des Priesters als Seelsorger zu verantworten hatte.

Mögliche weitere Missbrauchsopfer sollen sich bitte melden

Die Diözesen Köln, Münster und Essen suchen seit Dienstag (12.11.2019) nach möglichen weiteren Missbrauchsopfern und bitten Betroffene sich zu melden. Die Bistümer haben jeweils eigene Ansprechpartner benannt, die auf deren Webseiten oder über die Suchmaschinen zu finden sind. Der derzeitige Pfarrer aus Bochum-Wattenscheid hat am Mittwoch (13.11.2019) einen Brief des Ruhrbistums erhalten, den er im Gottesdienst am Sonntag (17.11.2019) verlesen soll. Das Bistum nennt darin Ansprechpartner für Menschen, die Hinweise geben können.

Stand: 14.11.2019, 07:07