Prozess um Kölner Blitzer-Attrappe eingestellt

Prozess um Kölner Blitzer-Attrappe eingestellt

Von Markus Schmitz

  • Anwohner wollte Raser abschrecken
  • Richterin bestätigte Amtsanmaßung
  • Angeklagter muss nur Anwalt bezahlen

Das Amtsgericht in Köln hat am Montag (10.12.2018) einen kuriosen Fall verhandelt: Jannik Jung hatte eine Blitzer-Attrappe an seinem Grundstück aufgebaut, um Raser abzuschrecken.

Er wurde angeklagt wegen Amtsanmaßung. Die Richterin stellte den Prozess ein.

Vorgeschichte: Anwohner sucht Hilfe bei Stadt

Das Haus der Familie liegt an einer scharfen Doppelkurve. An die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometer pro Stunde halten sich nur wenige, sagt Jung.

Deshalb diskutierte er lange mit der Stadt und der Polizei über Möglichkeiten, die Gefahr durch Raser auf der Straße zu verringern. Das brachte aber kein Ergebnis. Deshalb handelte der 36-Jährige selbst.

Nach Anzeige Blitzer wieder abgebaut

Doch das Aufstellen der Attrappe war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft illegal. Deshalb hatte er nach Anklageerhebung den Nachbau wieder deinstalliert.

Ein Autofahrer hatte den Familienvater angezeigt. Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Verhalten eine Amtsanmaßung, weil Jannik Jung "eine Handlung vornahm, die nur Kraft eines öffentlichen Amtes vorgenommen werden darf", so das Gesetz.

Richterin sieht keine Wiederholungsgefahr

Die Richterin konnte die Aktion des Mannes nachvollziehen. Sie sagte aber auch, dass das Aufstellen der Attrappe tatsächlich eine Amtsanmaßung darstelle.

Weil auch eine Wiederholungsgefahr nicht vorliege, könne das Verfahren gegen den 36-Jährigen eingestellt werden. Bezahlen muss der Kölner jetzt lediglich seinen Anwalt.

Stand: 10.12.2018, 14:15

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