Thurn-Insolvenz: Mitarbeiter bangen weiter um ihre Arbeitsplätze

Thurn-Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft.

Thurn-Insolvenz: Mitarbeiter bangen weiter um ihre Arbeitsplätze

Von Dietrich Sondermann

Die Waschmittelfirma Thurn in Neunkirchen-Seelscheid hatte im Sommer Insolvenz angemeldet. Jetzt hat der Insolvenzverwalter einen solventen, internationalen Konzern gefunden. Aber die Übernahme steht auf der Kippe.

Mitarbeiter:innen weinen auf Pressekonferenz

Grund für die Unsicherheit: Die Eigentümer des Grundstücks, die Kommunen Neunkirchen-Seelscheid und Much und der neue Investor können sich nicht auf einen langfristigen Mietvertrag einigen. Der Investor besteht aber auf einer Laufzeit von 15 Jahren, nur so könne er langfristig planen, andernfalls komme die Übernahme nicht zustande, so der Insolvenzverwalter der Thurn Germany Gruppe Dr. Jens Schmidt. Dann wären 150 Arbeitsplätze verloren. Auf der heute einberufenen Pressekonferenz haben Beschäftigte mit Tränen in den Augen noch einmal berichtet, wie wichtig ihnen das Unternehmen sei.

Zweieinhalb Monate Verhandlungen zunichte

Noch vor wenigen Tagen gingen alle Beteiligten davon aus, dass die zweieinhalb Monate andauernden Verhandlungen zwischen den Kommunen und dem Insolvenzverwalter zu einem guten Ende geführt werden könnten. Warum die Gemeinden jetzt den langfristigen Mietvertrag abgelehnt haben, ist unklar. Fakt ist, dass Much und Neunkirchen-Seelscheid eine Firma gegründet haben, die städtische Grundstücke für Gewerbeansiedlungen vermarkten soll. Warum da allerdings ein solide wirtschaftender Betrieb mit 150 Arbeitsplätzen keinen Bestand haben soll, war weder dem Insolvenzverwalter noch dem geschäftsführenden Gesellschafter der Thurn-Werke, Peter Schoof, klar. Sie hoffen auf weitere Verhandlungen mit den Bürgermeistern der Gemeinden. Am Mittwoch, 15.09., soll das nächste Treffen sein.

Doch noch eine Lösung?

Produktpalette der Firma Thurn

Insolvenzverwalter Schmidt kann sich vorstellen, dass ein etwas verkürzter Mietvertrag für beide Seiten akzeptabel sein könnte. Sein Vorschlag fünfzehn minus x könnte auf elf oder zwölf Jahre hinauslaufen. Eine weitere Option für einen Bestand der Firma ist, dass Thurn große Flächen seines Firmengeländes für andere Betriebe abgeben könnte. Rund 75.000 qm würden nicht genutzt. Damit sollte die Stadt genug Platz haben, um anderen Betrieben dort einen Standort anbieten zu können.

Corona verantwortlich für Insolvenz

Dass die Firma Thurn überhaupt in die Insolvenz gehen musste, liegt nach Angabe von Schoof auch an der Corona-Pandemie. Weniger draußen spielende Kinder, weniger Fitness-Fans, weniger vollgekleckerter Restaurant-Tischdecken sorgten für weniger Dreckwäsche und somit zu geringerem Waschmittelverbrauch. Alles in allem sei die Firma weiter wettbewerbsfähig, so Schoof.

Stand: 14.09.2021, 17:41