Der Kölner Dom im Sonnenuntergang. Im Vordergrund ist die Kreuzblume zu sehen.

Viele Kirchenaustritte: Kölner Erzbischof Woelki bleibt umstritten

Stand: 29.12.2021, 17:50 Uhr

Zwei Monate vor seiner angekündigten Rückkehr in das Bischofsamt ebben die Diskussionen um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki nicht ab. Derweil erreicht die Zahl der Kirchenaustritte ein historisches Hoch.

Von Frank Piotrowski

Stephan Steinhoff ist einer von vielen Christen, die dem Kölner Erzbistum den Rücken gekehrt haben. Der Religionslehrer und heutige Schuldirektor aus Weilerswist hatte erfahren, dass einem Geistlichen, den Steinhoff persönlich kennt, sexueller Missbrauch an Kindern vorgeworfen wird.

Kirchenaustritte auf Rekordhoch

Der 61-Jährige trat daraufhin nicht nur aus der Kirche aus, er gab auch seine Religionslehrer-Befugnis zurück und verlangte, exkommuniziert zu werden. Doch das Kölner Erzbistum reagierte auf seinen Brief lange Zeit nur mit Schweigen.

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, 02.02.2021

Bleibt umstritten: Kardinal Woelki

Christen, die dem Beispiel von Stephan Steinhoff folgen wollen, müssen bis Neujahr warten, um einen Kirchenaustrittstermin zu bekommen. Erst dann schaltet das Kölner Amtsgericht die Internet-Seite wieder frei, auf der monatlich 1.500 Austrittstermine gebucht werden können. Für 2021 wird mit einer Rekordzahl von rund 20.000 Kirchenaustritten gerechnet.

Wenn Rainer Maria Woelki am Aschermittwoch nach seiner vom Papst verordneten Zwangspause – u.a. wegen schlechter Kommunikation zu den Christen an der Basis -  tatsächlich in sein Amt zurückkehrt, könnte die Austrittswelle einen weiteren Schub erhalten.

Die Empörung ist groß

Selbst rund um den Kölner Dom ist es schwer, jemand zu finden, der sich auf die Rückkehr des 65-jährigen Erzbischofs freut. Viele Menschen empört es, dass das Kölner Erzbistum für Anwälte und PR Berater fast doppelt so viel ausgab wie für die Entschädigung von Missbrauchsopfern.

Seit seiner geistlichen Auszeit ist es ruhig geworden um Kardinal Woelki. Die Öffentlichkeit hat bislang nichts von ihm gehört. Sollte er am 02. März sein Amt wieder einnehmen, als sei nichts gewesen, dürfte ihm das erneut heftige Kritik einbringen.

Kritik am Kommunikationsstil

Stephan Steinhoff , der ehemalige Religionslehrer, musste fast ein Jahr auf eine Antwort des Erzbistums warten. Das Generalvikariat schrieb ihm, dass er durch sein Handeln automatisch von der Kirche „abgefallen“ sei. Daher müsse er nicht noch einmal ausdrücklich exkommuniziert werden, teilte ihm eine Referentin mit.

Nicht nur der Kölner Kardinal sollte über seinen Kommunkationsstil nachdenken, das ganze Erzbistum müsse sich verändern, resümiert Stephan Steinhoff.