Von Coronaleugnern instrumentalisiert

03:18 Min. Verfügbar bis 27.01.2023

Patient mit Hirnblutung von Impfgegnern instrumentalisiert

Stand: 27.01.2022, 17:46 Uhr

Als Jens Babiak nach schwerer Erkrankung auf der Intensivstation langsam wieder zu sich kommt, erlebt er eine böse Überraschung: Mit seinem Foto machen Impfgegner Stimmung im Netz.

Von Britta Schwanenberg

Unter seinem Bild heisst es, seine Hirnblutung sei eine Folge der Impfung. In Impfgegnerforen wird seine Krankheit zum Beweis für Impfschäden missbraucht. Eine verstörende Erfahrung für den 52-jährigen.

Niederkasseler ringt erst um sein Leben, dann um seinen Ruf

Jens Babiak ist gut vernetzt in seinem Wohnort in Niederkassel: Der Baumarktmitarbeiter ist viel als Hobbyfotograf unterwegs, in Vereinen aktiv. Im vergangenen Sommer bekommt er von einem Moment auf den nächsten stechende Kopfschmerzen.

"Irgendwas kaputt im Kopf"

“Um 5 Uhr am Morgen, beim Zähneputzen, hatte ich plötzlich unerträgliche Schmerzen.“ Jens Babiak weiß sofort: Er kann nicht arbeiten gehen, "irgendetwas ist kaputt im Kopf!" Sein Chef bringt ihn ins Krankenhaus: Die Diagnose ist lebensbedrohlich: Subarachnoidalblutung - eine Blutung, die in die Hirnhäute geht.

Jens Babiak hat einen schweren Verlauf. Die Ärzte kämpfen um sein Leben. Doch er hat viel Glück. Nach zwei Wochen kommt er allmählich wieder zu Kräften. Überglücklich postet er ein Foto bei Facebook.

Jens Babiak ist oft als Naturfotograf unterwegs.

Jens Babiak ist oft als Naturfotograf unterwegs.

Babiak hat viele Follower, seine Naturfotos postet er regelmäßig, er hat ein offenes Profil bei Facebook. Ehrenamtlich verkauft er Schlüsselanhänger mit einem seiner besten Schnappschüsse aus der Siegaue, dem Eisvogel. Viele Kunden und Freunde nehmen Anteil an seiner Krankheit.

Doch plötzlich ändert sich der Tonfall der eingehenden Nachrichten. "Wann bist Du geimpft worden?", heißt es dann plötzlich. Ein Journalist macht Babiak darauf aufmerksam, dass sein Foto in Telegram-Gruppen die Runde macht: Als Impfopfer-Nachweis.

Impfopfer? Babiak fühlt sich im falschen Film

Immer mehr falsche Diagnosen erreichen ihn. "Da war ich dann zu sehen, mit Klarnamen und Foto nach der OP, mit Beatmungsgerät. Ich dachte, was läuft hier für ein falscher Film ab! Zu dem Zeitpunkt hatte ich selbst noch nicht verstanden, was mit mir los ist. Dass im Internet schon eine komplette Diagnose gestellt wurde, das ist eine große Kacke."

Der Schock ist groß: Jens Babiaks Bilder werden in Impfgegnerforen instrumentalisiert.

Der Schock ist groß: Jens Babiaks Bilder werden in Impfgegnerforen instrumentalisiert.

Weil ihn immer mehr Nachfragen erreichen, beginnt er irgendwann selbst zu zweifeln. Die Ursache seiner Blutungen bleibt "ungeklärt", das gibt Spekulationen und Verschwörungstheorien Auftrieb. Seinen Booster-Termin lässt er erst mal auf Eis legen und beschließt, sich selbst dahinter zu klemmen, um einen möglichen Zusammenhang mit der Impfung zu klären.

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Keinesfalls ein Impfschaden

Jens Babiak wurde mit Biontech geimpft, einem MRNA-Impfstoff. Die Blutung trat vier Wochen nach der zweiten Impfung auf. In diesem Zusammenhang seien solche Nebenwirkungen nicht möglich, erklären ihm die zuständigen Gesundheitsbehörden im Rein-Sieg-Kreis, wo er geimpft wurde.

An der Uniklinik Bonn, wo Babiak behandelt wird, wirft Impfärztin Tanja Menting nur einen kurzen Blick auf seinen Impfausweis. Dann sagt sie: "Bei diesem Patienten würde ich die Blutung, die dort stattgefunden hat, als Komplikation nach einer Impfung für absolut ausgeschlossen halten." Inzwischen hat sich Babiak boostern lassen. "Ich bin doch kein Impfgegner."

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