Hetze im Netz nach Tötungsdelikt in Viersen

Junger Mann sitzt vor einem Computerbildschirm, auf dem die Facebookseite der Polizei Viersen zu sehen ist

Hetze im Netz nach Tötungsdelikt in Viersen

Von Benjamin Sartory

  • Viersener Kripo prüft Hasskommentare
  • Ermittler gingen falscher Spur nach
  • Polizei übt Selbstkritik

Der Tod einer 15-Jährigen in einem Park in Viersen am Montag (11.06.2018) beschäftigt die Polizei jetzt noch auf eine andere Art und Weise. Auf der Facebook-Seite der Behörde wurden nach der Tat viele Hasskommentare gepostet. Die Kripo prüft derzeit, ob einige von ihnen strafbar sind.

Nach Angaben der Ermittler wurde auf der Facebook-Seite der Polizei unter anderem dazu aufgerufen, sich zu bewaffnen. Außerdem gab es demnach Hetze und mögliche Beleidigungen. Die entsprechenden Posts wurden gesichert und werden jetzt nach und nach von den Ermittlern bearbeitet.

Polizei ist selbstkritisch

Für die Viersener Polizei war es ein holpriger Start in die Social Media-Welt. Erst am Montagvormittag war sie offiziell online gegangen bei Facebook. Der Auftritt war lange vorbereit worden. Nur zwei Stunden später wurde das 15 Jahre alte Mädchen getötet – und die für den Internetauftritt zuständigen Beamten erlebten ihre Bewährungsprobe.

Dabei ist nicht alles glatt gelaufen, sagt die Polizei Viersen und übt Selbstkritik. Denn unmittelbar nach der Tat habe man die Aussage eines Zeugen auch bei Twitter und Facebook veröffentlicht. Darin wurde der mutmaßliche Täter als "nordafrikanisch" aussehend beschrieben. Die Stimmung im Netz kochte noch mehr hoch.

Beamten müssen schnell entscheiden

"Rückblickend würden wir dieses Zitat nicht noch einmal veröffentlichen", sagt dazu Polizeisprecherin Antje Heymanns am Mittwoch den 13.06.2018. Besser wäre es demnach gewesen, sich auf eindeutige Merkmale wie zum Beispiel "schwarze, glänzende" Haare zu beschränken.

Die Umschreibung "nordafrikanisches Aussehen" helfe ohnehin nicht so sehr bei der Fahndung. "Denn jeder stellt sich was anderes darunter vor", so Heymanns. Die Polizei bittet allerdings auch um Verständnis. Nach einer solch schweren Straftat müssten die Beamten schnell Entscheidungen treffen, um die Fahndung nicht zu gefährden.

Das 15-Jahre alte Mädchen war am Montag erstochen worden. Als Tatverdächtig gilt mittlerweile ein 17 Jahre alter Viersener, der aus Bulgarien stammt. Er hat sich der Polizei am Dienstag (12.06.18) gestellt und soll sein Opfer gekannt haben.

Stand: 14.06.2018, 08:27