Mutmaßlicher Mord in Viersener Kita: Behörden dementieren frühere Ermittlungen

Mutmaßlicher Mord in Viersener Kita: Behörden dementieren frühere Ermittlungen

  • Erzieherin aus Viersener Kita unter Mordverdacht
  • Behörden dementieren Berichte über frühere Ermittlungen
  • Details sollen bald auf Pressenkonferenz bekannt gegeben werden

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach hat es in der Vergangenheit keine Ermittlungen wegen Übergriffen auf Kinder gegen eine Erzieherin gegeben, die in einer Viersener Kita ein dreijähriges Mädchen getötet haben soll. Die Behörden dementierten am Montagabend (25.05.2020) entsprechende Medienberichte.

Die Deutsche Presse Agentur (dpa) hatte am Montagnachmittag berichtet, aus Ermittlerkreisen erfahren zu haben, dass die Frau schon früher im Fokus der Ermittler gestanden habe. Mehrere Reporter des WDR haben die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach daraufhin mit dieser Information konfrontiert - die wollte aber weder bestätigen, noch dementieren.

Dementi nach deutschlandweiter Berichterstattung

Daraufhin hat der WDR die Information in die Berichterstattung übernommen - mit Verweis auf die Deutsche Presseagentur. Erst am Abend folgte dann doch eine Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft mit dem Dementi. Auch die dpa hat die Meldung inzwischen korrigiert und spricht von einem Missverständnis.

Ermittler gegen von Mord aus

Eine Dreijährige hatte am 21. April in der Kita einen Atemstillstand erlitten. Wohl aufgrund der Folgen starb das Kind am 4. Mai. Polizei und Staatsanwaltschaft Mönchengladbach gehen von Mord aus. Auch die rechtsmedizinische Untersuchung stützt dieses Ergebnis.

Die verdächtige Erzieherin war am vergangenen Dienstag (19.05.2020) festgenommen worden. Sie sitzt in Untersuchungshaft. Zum Tatzeitpunkt war sie noch als Erzieherin in der Kita beschäftigt.

Die Tat macht viele Menschen in Viersen fassungslos. "Unbegreiflich, unfassbar", so äußern sich Passanten am Samstag (23.05.2020) in der Innenstadt. Ein Mann sagt: "Man hofft, dass es ein Einzelfall ist und nie wieder vorkommt."

Kind erlitt Atemstillstand in Kita

Wie es zu dem Vorfall in der Kita gekommen ist, ist unklar. Das Krankenhaus hatte wegen der medizinisch unklaren Lage am 29. April die Polizei verständigt. Weitere Angaben will die Stadt aus Rücksicht auf die betroffene Familie derzeit nicht machen.

Das Kind wurde bereits bestattet. Die Kita-Mitarbeiter hatten sich gemeinsam mit der Mutter von dem Kind verabschieden können.

Bürgermeisterin äußert sich

Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) äußerte sich am Freitag (22.05.2020) nur schriftlich zum Ermittlungsstand: "Sollte sich der Verdacht bestätigen, der sich aus den bisherigen Ermittlungen ergeben hat, käme zu der Trauer und dem Mitgefühl für die Familie des Kindes noch Bestürzung darüber hinzu, dass der Tod des Mädchens auf Fremdeinwirkung zurückzuführen ist. Das Entsetzen über den Verdacht, dass ein solches Geschehen sich in einer Kindertagesstätte ereignet haben könnte, hinterlässt uns sprachlos."

Stadt warnt vor Gerüchten

Am Samstag (23.05.2020) hat die Stadt an die Bevölkerung appelliert, keine Gerüchte zu verbreiten - und auf Vorverurteilungen zu verzichten. "Wir verstehen, dass der schreckliche Verdacht viele Menschen bewegt. Der Umstand, dass aufgrund der laufenden Ermittlungen mehr Fragen bestehen als Antworten mitgeteilt sind, trägt sicher zur Unsicherheit bei", teilt die Stadt auf Facebook mit.

Kein Zusammenhang mit Kita-Brand

Ein Zusammenhang zu einer Brandstiftung in einer Kita in Viersen bestehe nicht, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Anfang der Woche war dort ein Feuer gelegt worden, das erheblichen Schaden an dem Gebäude angerichtet hatte. Ob die brennende Kita identisch ist mit der Einrichtung, in der der mutmaßliche Mord geschah, ließen die Ermittler offen.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes hatte gestanden, dass die tatverdächtige Erzieherin bereits in der Vergangenheit im Fokus der Ermittler gestanden habe. Diese Information stammte von der Deutschen Presse Agentur. Inzwischen haben Polizei und Staatsanwaltschaft das dementiert. Wir haben den Text entsprechend geändert.

Stand: 25.05.2020, 19:46