Nach Rekordinzidenz: Kreis Viersen will Corona-Maßnahmen verschärfen

Symbolfoto: Mundschutz während Corona-Krise im Auto

Nach Rekordinzidenz: Kreis Viersen will Corona-Maßnahmen verschärfen

Nachdem der Inzidenzwert im Kreis Viersen auf 244 gestiegen ist, will der Kreis schärfere Maßnahmen einführen, die über die NRW-weiten Regeln hinausgehen.

Die geplanten Maßnahmen umfassen die folgenden sechs Punkte:

  • Im Einzelhandel und in Dienstleistungseinrichtungen mit anwesenden Kunden darf sich pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche nur eine Person befinden.
  • In Büros und Betrieben muss in geschlossenen Räumen, in denen mehr als eine Person anwesend ist, mindestens eine Alltagsmaske getragen werden.
  • Wenn in einem Auto Personen aus verschiedenen Haushalten mitfahren, muss mindestens eine Alltagsmaske getragen werden.
  • Besucher in Altenheimen müssen sich vor dem Besuch mit einem Schnelltest testen lassen
  • Ärzte, Psychotherapeuten und Apotheker müssen bei der Arbeit FFP2-Masken tragen
  • An standesamtlichen Trauungen dürfen nicht mehr als fünf und bei Beerdigungen maximal 25 Personen teilnehmen

Diese Regeln treten erst in Kraft, nachdem das Land zugestimmt hat. Wann das sein wird, ist noch unklar. In NRW dürfen laut Corona-Schutzverordnung alle Kreise und Städte verschärfte Maßnahmen erlassen, in denen der Inzidenzwert über 200 liegt.

Der Kreis Viersen hätte auch die Möglichkeit, private Besuche zu verbieten oder Ausgangssperren zu verhängen. Das sei in Viersen nicht geplant. Landrat Dr. Andreas Coenen betonte: "Mehr Maßnahmen alleine werden nicht helfen. Die erschreckend hohen Fallzahlen werden nur sinken, wenn die Regeln auch tatsächlich eingehalten werden.“ Alle müssten Disziplin üben und ihr Verhalten anpassen.

"Für Pflegende und Ärzte fällt Weihnachten weitestgehend aus"

Sorgen bereiten auch die Intensivbetten, die im Kreis Viersen knapp werden. Der Rettungsdienst habe bereits nach freien Plätzen für Notfallpatienten in benachbarten Kreisen und Städten suchen müssen. "Das macht den Ernst der Lage mehr als deutlich", so Landrat Coenen.

Im Allgemeinen Krankenhaus in Viersen sind schon jetzt alle Intensivbetten belegt. Hier sind Ärzte und Pfleger am Limit, erzählt Chefarzt Dr. Karsten Woelke: "Die Situation verschärft sich von Stunde zu Stunde. Sie ist immer angespannter, man kann schon fast sagen dramtisch. Wir haben jetzt an die 50 Corona-Patienten stationär einliegen."

In der Klinik seien schon Extra-Schichten angeordnet worden – "für die Pflegenden und für die Ärzte fällt Weihnachten in diesem Jahr weitestgehend aus."

Hier sind es vor allem auch jüngere Patienten – 30- und 40-Jährige – die auf der Infektionsstation beatmet werden müssen.

Keine Besuche im Seniorenhaus in St. Tönis

Auch Pflege- und Seniorenheime mahnen zur Vorsicht. Das Alexianer Seniorenhaus in St. Tönis hat am Mittwoch alle Angehörigen darum gebeten, die Verwandten aktuell nicht zu besuchen und auch nicht zum Fest nach Hause zu holen.

"Die Reaktionen waren teilweise verständlich, aber teilweise auch sehr unverständlich", so Jutta Hartmann vom Seniorenhaus St. Tönis. Natürlich sei der Verzicht eines Besuches gerade über die Weihnachtstage sehr schwer.

Stand: 23.12.2020, 19:38

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