Ambulanz für Pädophilie in Düsseldorf hat hunderte Anfragen

Ein Symbolbild, wo ein Mann sich auf einem Bildschirm pornografische Bilder ansieht.

Ambulanz für Pädophilie in Düsseldorf hat hunderte Anfragen

Von Meriem Benslim

  • Düsseldorf nach Berlin wichtigster Standort
  • Mehr als 1.300 Anfragen in vier Jahren
  • Vor allem Männer leiden unter pädophiler Neigung
  • Viele Missbrauchstäter aber nicht pädophil

An der Uniklinik in Düsseldorf leistet ein Experten-Team Pionierarbeit in NRW. Sie helfen Menschen mit pädophilen Neigungen, die keine Täter werden wollen. Der Andrang in der landesweit einzigen Einrichtung dieser Art ist groß. Seit der Eröffnung vor vier Jahren haben sich mehr als 1.300 Menschen gemeldet.

Ein Patient der Pädophilie-Ambulanz im Gespräch

WDR 5 Westblick - aktuell | 11.06.2018 | 04:06 Min.

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Alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen

Die Menschen kommen aus allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen. Doch eins haben sie gemeinsam: Sie leiden unter ihrer Sexualität und wollen keinen Missbrauch begehen. "Viele haben große Schuldgefühle und schämen sich dafür, diese Neigung zu haben", sagt Kirsten Dammertz-Hölterhoff. Die Psychotherapeutin leitet die Ambulanz in Düsseldorf.

Düsseldorf nach Berlin am häufigsten kontaktiert

Bundesweit gibt es zwölf solcher Ambulanzen. Sie sind Teil des Präventionsnetzwerks "Kein Täter werden". Nach vier Jahren Arbeit ist klar: Nach dem Standort in Berlin wird die Ambulanz in Düsseldorf am häufigsten kontaktiert. Mehr als 1300 Menschen haben die Beratung kontaktiert.

Nicht jeder Pädophile begeht sexuellen Kindesmissbrauch

Die Ambulanz möchte auch über Vorurteile aufklären. Nicht jeder Missbrauchstäter sei pädophil und nicht jeder Pädophile begehe einen Missbrauch. "Es gibt Täter, die keine pädophile Neigung haben, sich aber aus einer Ersatzhandlung an Kindern vergreifen", erklärt Jens Wagner, Sprecher des Präventionsnetzwerks.

"Aus Untersuchungen mit verurteilten Sexualstraftätern wissen wir, dass etwa 60 Prozent der sexuellen Übergriffe auf Kinder Ersatzhandlungstaten sind", sagt Wagner. Einige hätten beispielsweise schwere Persönlichkeitsstörungen und seien nicht pädophil.

Teilnehmer lernen riskante Situationen zu meiden

Das therapeutische Angebot der Düsseldorfer Ambulanz richtet sich nur an Menschen, die tatsächlich pädophil sind. In Gruppen-Sitzungen lernen die Teilnehmer ihr Verhalten in riskanten Situationen mit Kindern zu kontrollieren. "Viele Teilnehmer haben Angst, einen Missbrauch zu begehen. Auch, wenn das noch nie passiert ist", sagt Therapeutin Dammertz-Hölterhoff. Einige Teilnehmer haben allerdings bereits Missbrauchsabbildungen im Netz konsumiert. In der Therapie lernen sie, wie sie darauf künftig verzichten.

Die Therapie vermittelt den Männern aber auch, dass ihre Sexualität Schicksal ist – und keine freie Wahl. Viele Patienten empfinden die Pädophilie als bittere Strafe. Denn eine sexuelle Neigung kann nicht "wegtherapiert" werden. "Wir helfen den Teilnehmern diesen Teil ihrer Persönlichkeit zu akzeptieren", sagt Kirsten Dammertz-Hölterhoff.

Stand: 11.06.2018, 06:00