ARD-Film "Verunsichert" - wie Versicherungen hinhalten, vertrösten, aussitzen

ARD-Film "Verunsichert" - wie Versicherungen hinhalten, vertrösten, aussitzen

Der ARD-Film "Verunsichert" greift die wahre Geschichte einer Bonner Anwältin auf. Seit mehr als 30 Jahren vertritt sie Unfallopfer, deren Versicherungen nicht oder nur teilweise zahlen wollen.

Eigentlich wollte Beatrix Hüller kranken Menschen helfen – und fängt nach ihrem Jura-Studium als Sachbearbeiterin bei einer Versicherung an. Doch schnell merkt sie, ihr Job ist genau das Gegenteil: hinhalten, vertrösten, aussitzen. Zum Leid vieler Versicherten.

Beatrix Hüller entschließt sich, die Seiten zu wechseln und macht sich als Anwältin für Versicherungsrecht selbstständig. Jetzt ist ihre Geschichte verfilmt worden.

WDR: Warum haben Sie überhaupt erst als Sachbearbeiterin bei einer großen Versicherung angefangen?

Beatrix Hüller: Ich bin nach dem zweiten Staatsexamen da angetreten mit dem Ziel, kranken Menschen möglichst schnell helfen zu können. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass das gar nicht meine Aufgabe war.

Beatrix Hüllersteht vor einem Backsteingebäude

Beatrix Hüller: Inzwischen kommen Mandanten aus ganz Deutschland zur ihr nach Bonn.

Das dauerte alles unglaublich lang, ich sollte immer wieder nachfragen und ständig vertrösten. Man hatte ja damals noch kein Internet. Da wurde sehr, sehr viel telefoniert. Das war furchtbar, wenn Sie die weinenden Leute am Telefon hatten, die waren oft ganz verzweifelt. Denen fehlte das Geld, wenn der Ernährer berufsunfähig geworden war. Und ich musste die dann immer so hinhalten.

WDR: Was sind denn die Taktiken der Versicherungen?

Hüller: Das fängt damit an, dass die Bedingungen der einzelnen Verträge sehr kompliziert geworden sind. Man versteht das gar nicht als Laie. Die bestehen manchmal aus 60 Seiten Kleingedrucktem, das liest sich kein Mensch durch. Und das andere ist, dass man unglaublich viele Nachweise bringen muss.

Der Nachweis für Invalidität ist beispielsweise wahnsinnig schwer zu bekommen, weil die Ärzte sich zunehmend nicht trauen oder weil der schlecht ausgefüllt ist. Und wenn es am Ende ums Gutachten geht, dann ist es sehr häufig so, dass da viel zu wenig bei rauskommt. Das ist am unteren Limit oder noch darunter. Ausnahmen gibt es da nur sehr selten.

WDR: Hatten Sie ein Mitspracherecht beim Drehbuch?

Hüller: Ich habe mehr so fachliche Tipps gegeben. Es soll zwar ein fiktiver Spielfilm bleiben, aber wenn da was so richtig schräg war, dann habe ich das auch gesagt und dann haben wir das geändert.

WDR: Sie haben einen kurzen Gastauftritt, wie kam es dazu?

Beatrix Hüller hat auch einen Gastauftritt im Film: Als Richterin spricht sie in der finalen Szene das Urteil.

Beatrix Hüller hat auch einen Gastauftritt im Film: Als Richterin spricht sie in der finalen Szene das Urteil.

Hüller: Ich hatte selbst die ganze Zeit die Idee, dass ich so eine kleine Rolle spielen könnte. Irgendwann kam der Drehbuchautor auf mich zu und hat gefragt, ob ich das machen möchte. Und dann noch diese Schlüsselrolle als Richterin, die ja am Ende das alles zu richten hat. Das habe ich natürlich gern gemacht.

Das Interview führte Madelaine Meier.

Stand: 09.09.2020, 20:26