Mordversuch: Haft für Vater und Söhne aus Meckenheim

Mordversuch: Haft für Vater und Söhne aus Meckenheim

Von Tobias al Shomer

  • Landgericht Bonn: Drei Angeklagte wegen versuchten Mordes verurteilt
  • Vater und Söhne schlugen Freund der Tochter zusammen
  • 19-jähriger Freund erlitt offenes Schädeltrauma

Das Landgericht Bonn hat einen 45-Jährigen aus Meckenheim und seine beiden Söhne (26, 28) wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der Vater muss für achteinhalb Jahre ins Gefängnis, seine beiden Söhne für siebeneinhalb Jahre.

Das Gericht sah es am Freitag (10.01.2020) als erwiesen an, dass die drei Männer den neuen Freund ihrer Tochter bzw. Schwester lebensgefährlich zusammengeschlagen haben.

Drei Angeklagte attackierten das junge Paar

Die 17-Jährige hatte sich im vergangenen Sommer nachts heimlich mit ihrem neuen Freund (19) getroffen. Als der Vater und seine beiden Söhne bemerkten, dass sie nicht in ihrem Zimmer war, machten sie sich auf die Suche. Einer der Brüder fand das junge Paar schließlich auf einem abgelegenen Friedhofsparkplatz im Auto des neuen Freundes.

Die Richter sind sich sicher, dass die drei Männer das junge Paar angriffen. Mit einem Radmutterschlüssel haben sie laut Urteil zuerst die Autoscheiben eingeschlagen und dann den neuen Freund verprügelt. Dabei trafen sie auch mehrfach den Kopf, so dass der 19-Jährige ein offenes Schädeltrauma davon trug.

Freund habe "Ehre und Ansehen der Familie beschmutzt"

Die Richter hoben in der Urteilsbegründung hervor, dass keiner der Angeklagten versucht habe, dem blutüberströmten Mann zu helfen - im Gegenteil. Sie hätten ihn sogar gedemütigt. Sie machten Fotos vom schwerverletzten halbnackten 19-Jährigen.

Bei der Polizei hatte der 45-Jährige erklärt, dass der neue Freund "das verdient habe". Er habe "Ehre und Ansehen der Familie beschmutzt". Er habe ihn bestrafen müssen, damit er sich nie wieder mit seiner Tochter treffe.

Tat durch archaisches Gesellschaftsbild in der Familie

Rauf Ceylan ist Religionssoziologe an der Universität Osnabrück. Er sagt, so etwas passiere nur in Familien, die ein sehr archaisches Gesellschaftsbild pflegten. In solchen Fällen denken die Männer, dass sie in der Familie alles bestimmen. Dass eine Frau einen Freund haben dürfe, ist für solche Männer tabu. Sie entscheiden für die Frau, wer der richtige Ehemann sei.   

Stand: 10.01.2020, 19:30

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