Wenn Verschwörungsmythen Beziehungen zerstören

Wie Verschwörungsmythen Beziehungen zerstören

Wenn Verschwörungsmythen Beziehungen zerstören

Was tun, wenn die eigenen Eltern Corona für eine Glaubensfrage halten? Und wo bekommt man Hilfe? Eine junge Frau aus Düsseldorf erzählt, wie die Verschwörungsideen ihrer Eltern, die Familie auseinanderreißen.

Lea Kramer (Name von der Redaktion geändert) redet nur noch selten mit ihren Eltern. Die Gespräche sind einfach zu schwierig geworden. Denn Corona halten ihre Eltern für eine Erfindung der Regierung. Überall vermuten sie geheime Machenschaften. Wenn sich die Familie trifft, kommt es Kramer so vor, als rede sie gegen ein Wand: "Es ist so, als ob sie in ihrer eigenen Welt, in ihrer eigenen Blase leben".

Wie Verschwörungsmythen Beziehungen zerstören

Lea erzählt unserer Reporterin von der Beziehung zu ihren Eltern

Um sich selbst zu schützen, schottet sich die 19-Jährige emotional ab. Gemeinsame Themen mit der Familie gebe es kaum noch, sagt sie. Eine echte Diskussion sei mit ihren Eltern nicht möglich: "Das geht immer gleich ins Fanatische über", sagt Kramer.

Beratungsfälle haben sich vervierfacht

So wie Kramer geht es vielen Menschen in Deutschland. Die Pandemie spaltet die Gesellschaft. Laut einer repräsentativen Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung glaubt ein Viertel der deutschen Bevölkerung an Verschwörungserzählungen. Oft melden sich Angehörige und Freunde auf der Suche nach Hilfe bei der Sekten Info NRW. Sie beraten auch bei Fragen im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien. Inzwischen gehen täglich Anrufe bei der Beratungsstelle zum Thema Verschwörungstheorien ein, sagt Sabine Riede von der Sekten Info: "Die Beratungsfälle haben sich im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht".

Laut Riede gibt es bei Menschen die an Verschwörungsmythen glauben viele Parallelen zu Menschen, die sich zu Sekten hingezogen fühlen: "Es geht um Emotionen, weniger um Fakten. Die Menschen sind immunisiert, sie reagieren auf Kritik sehr aggressiv. Sie teilen die Welt in Gut und Böse ein und glauben, dass es irgendwelche Drahtzieher im Hintergrund gibt".

"Das ist Panik"

Kramers Eltern waren zu Beginn der Corona-Pandemie erstmal skeptisch. Die Mutter ist Hausfrau, der Vater kann seiner Arbeit wegen Corona aktuell nicht nachgehen. So hätten sie viel Zeit gehabt zu recherchieren, sagt die 19-Jährige. "Inzwischen verbringen die beiden täglich viel Zeit auf Verschwörungangeboten im Netz und tauschen in Chat-Gruppen krude Theorien aus", sagt Kramer. Das Vetrauen in normale Medien haben Leas Eltern längst verloren. Kramer macht das Verhalten ihrer Eltern Angst: "Das ist keine gesunde Skepsis mehr. Das ist Panik".

Was kann ich tun?

Aber wie geht man mit einer solchen Situation um? "Das Wichtigste ist, die Menschen mit ihren Sorgen ernstzunehmen und geduldig mit ihnen zu sein", sagt Riede. "Denn oft sind es sowieso schon eher unsichere, ängstliche Menschen, die zu Verschwörungstheorien neigen".

Wer sich entschließt, ein Gespräch über Verschwörungsmythen zu suchen, sollte laut Riede nicht zu viele Argumente auf einmal aufzählen und dabei sachlich bleiben: "Vehemente Belehrung stößt eher auf Abwehr". Ist die Verzweiflung doch zu groß kann der Anruf bei einer Beratungsstelle weiter helfen.

Sorge um Geschwister

Auch wenn es nicht einfach ist, weiß Kramer, dass sie den Kontakt zu ihren Eltern nicht abbrechen will – auch um ihre beiden Geschwister nicht zu verlieren. Vor allem ihre 5-jährige Schwester will Kramer versuchen zu schützen. Denn die übernimmt schon jetzt die Sichtweisen ihrer Eltern: "Sie glaubt zum Beispiel, dass das Tragen von Masken gefährlich für die Gesundheit sei."

Stand: 03.05.2021, 16:54