Der Kölner Dom bei Nacht.

Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Gummersbacher Pfarrer

Stand: 16.11.2021, 15:50 Uhr

Gegen einen katholischen Priester aus Gummersbach gibt es neue Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs. Die Staatsanwaltschaft hat in einem weiteren Fall Anklage erhoben.

Der 70-jährige Pfarrer U. aus dem Erzbistum Köln steht am 23. November wegen sexuellen Missbrauchs vor dem Kölner Landgericht. Das Gericht prüft jetzt, ob die neue Anklage zum Prozessbeginn mit aufgenommen wird.

Die neuen Fälle, bei der eine 11-Jährige zum Opfer geworden sein soll, stammen aus dem Jahr 2011.

Gummersbacher Pfarrer soll seine Nichten missbraucht haben

Dem Geistlichen wird vorgeworfen, sich zwischen 1993 und 1999 in 31 Fällen an seinen drei minderjährigen Nichten vergangen zu haben. Davon sollen drei Taten schwere Fälle gewesen sein. Er war damals als Seelsorger in Gummersbach tätig.

Die Hauptverhandlung beginnt am 23. November. Anfang September hatte das Gericht bestätigt, dass in dem Verfahren auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße als Zeuge geladen ist. Ein im März diesen Jahres veröffentlichtes Gutachten wirft Heße vor, im Umgang mit den Fällen Fehler gemacht zu haben.

Erzbistum Köln: Stefan Heße soll über Missbrauch informiert gewesen sein

Heße war in der fraglichen Zeit Personalchef im Erzbistum Köln und soll über die mutmaßlichen Fälle aus den Neunzigerjahren informiert gewesen sein. Ein Gesprächsprotokoll wurde aber damals pflichtwidrig nicht geführt, heißt es in dem Missbrauchsbericht des Kölner Erzbistums.

Wegen diesem und weiterer Vorwürfe hatte der Erzbischof dem Papst seinen Rücktritt angeboten, den Franziskus aber nicht annahm.

Erzbischof mit Erinnerungslücken

Erste Anschuldigungen und Ermittlungen gegen U. gab es vor elf Jahren. Damals überreichte Heße dem Pfarrer seine Entpflichtungsurkunde. Zugleich soll er eine Notiz unterzeichnet haben, nach der über das Gespräch mit U. kein Protokoll gefertigt werden solle. Heße kann sich nach eigenen Angaben nicht erinnern, sein Einverständnis zu einem solchen Vorgehen gegeben zu haben.

Die Staatsanwaltschaft stellte 2011 ihre Ermittlungen ein, nachdem eine der Nichten - offenbar auf Druck der Familie - ihre Anzeige zurückzog. Danach wurde U. im Erzbistum Köln wieder als Krankenhaus-Seelsorger eingesetzt.

Kölner Kardinal Woelki meldete Fall an die Staatsanwaltschaft

Der heutige Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki rollte den Fall 2018 wieder auf. Der Kardinal meldete ihn an die Staatsanwaltschaft und untersagte U. die Ausübung priesterlicher Dienste. Im vergangenen Jahr klagte die Staatsanwaltschaft den Pfarrer an.

Woelki Interview Lokalzeit Köln

54:34 Min. Verfügbar bis 13.08.2031