Vergewaltigungsverdacht: Wie sicher sind Fanzüge?

Polizisten stehen auf dem Bahnhof an einem Sonderzug für Fußballfans

Vergewaltigungsverdacht: Wie sicher sind Fanzüge?

  • Missbrauchsfall in Fanzug wirft Fragen auf
  • Diskussion über Sicherheit an Bord
  • Polizei sieht Betreiber in der Pflicht

Das mutmaßliche Sexualdelikt in einem Fanzug hat für Entsetzen gesorgt - auch, weil die Tat offensichtlich von niemandem bemerkt wurde und keiner eingeschritten ist. Bei dem Zug handelte es sich um einen privat von Mönchengladbach-Fans gemieteten Sonderzug des schweizerischen Betreibers Centralbahn.

Polizei sieht sich nicht verantwortlich

Für die Sicherheit bei privat gemieteten Sonderzügen ist grundsätzlich der Betreiber zuständig. "Wir fahren nicht mit, das ist nicht unsere Aufgabe", sagt der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei NRW, Arnold Plickert. Auch von der Bundespolizei war niemand mit an Bord, wie eine Sprecherin der Behörde mitteilte. Bei privat gemieteten Fahrten sei das grundsätzlich so.

Bahn-Unternehmen würden normalerweise eigenes Personal einsetzen oder einen Sicherheitsdienst beauftragen, sagt Plickert. Mit einer Einschränkung: "Das ist immer eine Kostenfrage. Da verzichtet man vielleicht als kleineres Bahn-Unternehmen auch schon mal." Ob dies bei Centralbahn letztendlich der Fall war, lässt sich aktuell nicht klären. Das Unternehmen will sich nicht zu dem Vorfall äußern.

Hätte man die Tat verhindern können?

Der Kommunikationsdirektor von Borussia Mönchengladbach, Markus Aretz, äußert Bedauern. "Diese Tour ist komplett friedlich gelaufen, bis auf diesen Vorfall", sagt er dem WDR. "Ob man das hätte verhindern können, wenn zwei, drei Sicherheitsleute an Bord gewesen wären, weiß ich nicht." Der Veranstalter habe jedenfalls Ordner eingesetzt. Einer von ihnen hat letztendlich ein Foto von dem Verdächtigen gemacht - nach der mutmaßlichen Tat.

Situation für Frauen in Fanzügen: "Eine große Ambivalenz"

WDR 2 | 17.04.2018 | 03:04 Min.

Download

72 Zwischenfälle in 600 Spielen

Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) führt eine Statistik zu Reisezwischenfällen in Zusammenhang mit Fußball-Ligaspielen - dazu zählen zum Beispiel Schlägereien, Randale und Sachbeschädigungen in Zügen. In der Saison 2016/2017 mit ihren rund 600 Spielen kam es demnach bundesweit zu 72 strafrechtlich relevanten Zwischenfällen. Ein Vergewaltigungsfall sei ihm nicht bekannt, sagte ein LZPD-Sprecher.

Stand: 16.04.2018, 18:23