Vergewaltigung an Karneval in Köln – Angeklagter bestreitet Geschlechtsverkehr

Feiernde Menschenmenge auf der Zülpicher Straße.

Vergewaltigung an Karneval in Köln – Angeklagter bestreitet Geschlechtsverkehr

Von Markus Schmitz

Am Karnevalssamstag 2020 soll ein Mann eine 21 Jahre alte Frau vergewaltigt haben. Zwei Komplizen stifteten ihn dazu laut Staatsanwaltschaft an.

Sie kamen als Touristen nach Köln, um Karneval zu feiern. Zwei Männer arbeiten als Garten- und Landschaftsbauer, der dritte Angeklagte ist Doktor der Medizin.

Alle drei sind zu diesem Zeitpunkt – mit vielen anderen Männern auch – Mitglieder in einem Chat, der den Namen "Stich-Gruppe" trägt. Laut Anklage geht es ihnen darum, in diesem Chat ihre sexuellen Eroberungen per Fotos und Videos zu teilen und sich gegenseitig Punkte zu vergeben. 

Zwei Männer auf freiem Fuß, der dritte Angeklagte sitzt in U-Haft

Der Prozess am Donnerstagvormittag beginnt mit Verspätung. Der Verteidiger eines Angeklagten kommt nicht rechtzeitig ins Landgericht. Schließlich liest die Staatsanwältin dann doch die Anklage vor: Demnach hatte ein Mann im Karnevalstrubel die 21-jährige Frau und spätere Geschädigte kennengelernt. Sie hatten in dem von dem Mann angemieteten Hotelzimmer in der Kölner Innenstadt einvernehmlichen Sex. Danach schlief die Frau ein, sagt die Staatsanwaltschaft, weil sie sehr viel Alkohol getrunken hatte. 

Daraufhin stellte der Mann laut Anklage Fotos der nackten und schlafenden Frau in die Chatgruppe. Er habe einen Bekannten mit der Aussage "2. Runde" dazu animiert, auch mit der Frau zu verkehren. Das soll dann so geschehen sein. Von dieser Vergewaltigung, so der Vorwurf, habe dann der dritte Angeklagte ein Video gemacht und es in die Gruppe gepostet.

Vergewaltigung an Karneval: Frau wachte auf – Mann filmte weiter

Die junge Frau sei während der Vergewaltigung aufgewacht, sagt die Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte habe von ihr abgelassen. Aber selbst, als sie sich anzog, soll ein Mann weiter gefilmt haben.

Nach aktuellen Aussagen kann sich die 21-Jährige an vieles nicht mehr erinnern. Dennoch soll das Videomaterial sichergestellt worden sein. Die Geschädigte lässt sich in dem Prozess von einer Anwältin vertreten. Sie soll am Freitag ihre Aussage machen.

Zwei Angeklagte sind im Privatfernsehen aufgetreten  

Über seinen Verteidiger ließ der wegen Vergewaltigung angeklagte Mann eine Erklärung verlesen. Demnach habe er, wie die Staatsanwaltschaft sagt, nicht mit der 21-Jährigen verkehrt – sondern habe sie mit dem Finger penetriert. Er habe zu dem Zeitpunkt auch viel Alkohol getrunken und sei zu einem Geschlechtsakt nicht in der Lage gewesen.

Zwei der Angeklagten sind in den vergangenen Jahren in Shows im Privatfernsehen aufgetreten. Darin ging es darum, Frauen zu imponieren und sie zu "erobern". 

Stand: 02.12.2021, 17:38