Demo der Veranstaltungsbranche: "Wir sind mitten in der Pleitewelle"

Die Eventbranche zeigt ihren Sarg

Demo der Veranstaltungsbranche: "Wir sind mitten in der Pleitewelle"

Von Sven Lüüs

Vor dem Düsseldorfer Landtag haben wieder Vertreter der Veranstaltungsbranche demonstriert - zum achten und vorerst letzten Mal in Düsseldorf. Sie fürchten wegen der Corona-Schutzmaßnahmen eine Pleitewelle.

Mit einem Sarg beschreibt die Veranstaltungsbranche ihre aktuelle Situation. Der Sarg steht vor der Bühne, die am Landtag in Düsseldorf aufgebaut ist. Hier demonstrieren nach Angaben des Veranstalters etwa 280 Menschen unter dem Motto "Back to life" unter anderem für einen schnelleren Zugang zu finanziellen Hilfen.

Eventbranchen-Demo in Düsseldorf

Etwa 280 Menschen demonstrierten für die Interessen der Eventbranche

Die Veranstaltungsbranche ist von der Corona-Krise getroffen wie kaum eine andere. "Wir sind mitten in der Pleitewelle", sagt Jörg Scharf, Mitorganisator der Demo. Als Beispiel nennt er eine Firma, die zum Beispiel Stühle und Sessel für Veranstaltungen vermietet, aus Hilden. Diese habe Insolvenz angemeldet.

Zeichen für die Branche

Vor dem Landtag ist auch die Band "Die Räuber" aufgetreten. "Die Menschen sollen sehen, was sie im Moment verpassen," sagt Demo-Mitorganisator Jörg Scharf.

Die Räuber auf Eventbranchendemo in Düsseldorf

Die Räuber singen für den Erhalt der Eventbranche.

Die Band wolle ein Zeichen für die ganze Branche zu setzen, sagt Bassist "Geppie" kurz vor dem Auftritt der Band. Die Musiker selbst erlebten gerade ihren persönlichen Lockdown, da ihr Kerngeschäft - Liveauftritte vor allem rund um den Karneval - nicht stattfindet.

Schlagzeuger wird wieder Handwerker

Wegen der schlechten Lage wird Schlagzeuger Wolfgang "Wolli" Bachem die Band verlassen. Er wird wieder als Handwerker arbeiten.

Auch Bühnenbauer Michael Adler wollte während der Pandemie woanders arbeiten, bei ihm lief es aber nicht so gut. Der 50-Jährige hat sich oft beworben, als Erntehelfer, als Lagerhilfe in der Spedition und auch im Supermarkt. Der Grund für die Absagen: Adler sei zu alt.

Deswegen steht er jetzt auf der Demo. Er will wieder mehr als Bühnenbauer arbeiten. Und das geht nur, wenn er in der Veranstaltungsbranche wieder mehr Aufträge bekommt.

Abschluss-Demo nächste Woche

In der kommenden Woche plant das Bündnis "Alarmstufe Rot" noch eine Abschluss-Demonstration in Berlin. Dann wollen sie der Politik zwei Wochen Zeit geben, die Forderungen zu erfüllen. Man wolle aber nicht nur meckern, deswegen lasse man der Politik auch Zeit, entsprechende Maßnahmen zu treffen, sagt Scharf.

Kurzarbeiter besser dran als Selbstständige

Es sollen die Hilfen für Soloselbstständige erhöht und einfacher zugänglich gemacht werden, sagt Mitorganisator Scharf. Er vergleicht deren Situation mit Festangestellten, die Kurzarbeitergeld bekommen. Die Situation von Selbstständigen wie ihm sei deutlich schlechter.

Außerdem sollten Veranstaltungen, auch große, mit entsprechendem Hygienekonzept öfter genehmigt werden.

"Wenn nichts passiert, kommen wir wieder!"

Darüber, was nach der zweiwöchigen Demopause passieren soll, sagt Scharf: "Wenn nichts passiert, kommen wir wieder! Zur Not im Tiefschnee mit Glühwein!"

Stand: 21.10.2020, 19:32