Vater wegen Kindstötung angeklagt

Rotes Backsteingebäube mit einer Hofeinfahrt, davor eine Stele mit der Aufschrift Justizzentrum

Vater wegen Kindstötung angeklagt

Von Helga Lennartz

  • Säugling stirbt an Schädel-Hirn-Trauma
  • Vater bestreitet Vorwürfe
  • Strafmaß fünf bis 15 Jahre Gefängnis

Das Aachener Landgericht verhandelt seit Dienstag (13.08.2019) gegen einen Vater, der im vergangenen März seinen sechs Monate alten Sohn getötet haben soll. Die Tat geschah laut Staatsanwaltschaft in der Wohnung der Familie im Alsdorfer Stadtteil Mariadorf.

Prozessauftakt: Vater soll seinen Sohn getötet haben WDR aktuell 13.08.2019 00:24 Min. Verfügbar bis 13.08.2020 WDR

Den Tod des Sohnes in Kauf genommen

Ben starb an einem Schädel-Hirn-Trauma. Für die Staatsanwaltschaft wurde der sechs Monate alte Säugling das Opfer eines Gewaltverbrechens. Der 37-jährige Vater war im März mit seinem Sohn alleine in der Wohnung in Alsdorf-Mariadorf. Dort soll er das Kind entweder geschlagen oder gegen einen Gegenstand geschleudert haben. Dabei habe er den Tod des Jungen billigend in Kauf genommen, heißt es in der Anklageschrift. Das Motiv für die mutmaßliche Tat ist unklar.

Gesichert scheint dagegen: Erst als der kleine Ben keine Regung mehr zeigte, soll der Vater den Notarzt alarmiert haben. Der versuchte noch, den Säugling zu reanimieren. Doch die Hilfe kam zu spät, Ben war tot.

Vater bestreitet Gewalttat

Zum Prozessauftakt hat der Angeklagte die Tat bestritten. Er könne sich gar nicht erklären, wie "der Kleine" an die Verletzung gekommen sei. Er sei nicht gewalttätig gegenüber seinem Sohn geworden. Ben sei ein pflegeleichtes, entspanntes Kind gewesen. Er habe viel gelacht.

Vier Verhandlungstage hat das Gericht zur Klärung des Falls eingeplant. Das Urteil wird vermutlich am 28. August gesprochen. Dem Vater droht bei einer Verurteilung wegen Totschlags eine Strafe von fünf bis fünfzehn Jahren Gefängnis.

Für das Aachener Landgericht ist es bereits der zweite Prozess innerhalb weniger Monate, in dem es um den tragischen Tod eines Kindes geht, verursacht durch ein Elternteil. Im April war eine Mutter zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil sie ihren schwer kranken Jungen nicht zu einem Arzt gebracht hatte. Der fünfjährige Nico starb qualvoll an einem Darmveschluss.

Stand: 13.08.2019, 09:01