US-Wahl: Die amerikanische Siedlung in Bonn

US-Wahl: Die amerikanische Siedlung in Bonn

US-Wahl: Die amerikanische Siedlung in Bonn

Von Gisela Hartmann

Heute ist Wahltag in den USA. Es geht um Trump oder Biden – und wahrscheinlich noch um viel mehr. Walter Bawell ist Amerikaner und lebt in Bonn. Er war immer nah dran – und diese Wahl beschäftigt ihn wahrscheinlich mehr, als uns alle.

Walter Bawell ist einer der letzten Amerikaner, die hier wohnen. Zu seinen deutschen Freunden sagt er, er sei Ureinwohner - Plittersdorfer Amerikaner.

Amerikanische Siedlung in Bonn

Wenn Walter Bawell durch seine Siedlung geht, dann ist das für ihn zu Hause. Auch wenn er eigentlich in Pennsylvania geboren wurde. Walter Bawell ist 79 Jahre alt und lebt seit über 30 Jahren in Bonn-Plittersdorf. Genauer: in der amerikanischen Siedlung.

Diese Siedlung wurde nach dem 2. Weltkrieg in der frisch gekürten Bundeshauptstadt hochgezogen. Fast 400 Wohnungen für amerikanische Mitarbeiter der Hochkommission, einer Einrichtung der westlichen Siegermächte zur Verwaltung Deutschlands. Die Welt hier sah tatsächlich ein bisschen anders aus als im Rest von Bonn, eben amerikanischer.

Die Straßen sind breiter, es gab eine eigene Kirche, einen Kindergarten und einen Hubschrauberlandeplatz, genauso wie ein englischsprachiges Kino und einen amerikanischen Supermarkt. Überall zahlte man mit Dollar.

Heute ist nicht mehr viel davon zu sehen: man muss schon genau hingucken, um das verrostete Straßenschild mit der Warnung: "Elementary school, Attention Schoolzone" zu bemerken. Für Walter Bawell ist das alles Heimat geworden.

Walter Bawell war nah dran

Walter Bawell

Walter Bawell wohnt in der amerikanischen Siedlung

In den 1980er Jahren war er mehrere Jahre für die amerikanische Armee in Deutschland stationiert: Er war Stellvertreter des Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa.

Die Wende hat er hautnah miterlebt – genauso wie den einen oder anderen Besuch von amerikanischen Politikern. Er war richtig nah dran, wie er selber sagt. Umso mehr schmerzt ihn, was im Moment in seinem eigenen Land passiert.

Für ihn ist "Präsident Trump nicht nur Meister der Ablenkung sondern er ist auch Meister des Chaos und manche seiner Anhänger sind militarisiert, bewaffnet und einsatzbereit, zu kämpfen." Er fürchtet um sein Land und um die Demokratie, da "Trumps Anhänger ihm glauben wie die Lemminge. Sie werden ihm über die Klippe folgen."

Per Briefwahl für die Demokraten

Walter Bawell ist mit einer Deutschen verheiratet. Beide haben die amerikanische Staatsbürgerschaft. Das bedeutet: Sie haben auch gewählt. Per Briefwahl für die Demokraten.

Bawell hofft, "dass Joe Biden aus meiner Heimatstadt gewinnt, and Kamela Harris of course, Kamala Harris ist eine sehr gute Wahl."

Déjà-vu Weimarer Republik

Im Oktober hat Walter Bawell ein Buch herausgebracht über die Zeit der Aufrüstung in den 1980er Jahren. Gerade weil er sich so für Geschichte und Politik interessiert, ist er alarmiert, wenn er an die kommenden Tage und Trumps mögliche Wiederwahl denkt: "Es ist ein Déjà-vu von Weimarer Republik von den 30er Jahren, er hetzt die Bevölkerung gegeneinander auf. I’m terrified."

Wahlnacht vor dem Fernseher

Die Wahlnacht wird Bawell vor dem Fernseher verbringen. Ob es eine gute oder eine schlechte Nacht für ihn wird, wird sich zeigen.

Er ist zwar sehr glücklich in Deutschland zu leben – trotzdem ist es ihm nicht egal, was in Amerika passiert: "Ich bin Amerikaner, ich liebe mein Land. Ich bin sehr besorgt über die Ereignisse heutzutage."

Stand: 03.11.2020, 14:28

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