Urteil im Prozess gegen NSU-Nebenklageanwalt gefallen: Freispruch

NSU-Nebenklageanwalt mit seinem Verteidiger vor der Urteilsverkündung

Urteil im Prozess gegen NSU-Nebenklageanwalt gefallen: Freispruch

Im Prozess gegen einen Nebenklageanwalt aus dem NSU-Prozess ist heute vor dem Aachener Landgericht das Urteil gefallen: Der Anwalt wurde freigesprochen.

Nach Auffassung des Gerichts am Montag (30.11.2020) hat der Rechtsanwalt als Nebenkläger so gut wie gegen jede anwaltliche Sorgfaltspflicht verstoßen, ja, sogar grob fahrlässig gehandelt. Aber Absicht oder Vorsatz seien nicht zweifelsfrei festzustellen. Und einen fahrlässigen Betrug kenne das Gesetz nicht, so die Vorsitzende Richterin.

NSU-Opfer gab es nicht

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 53 Jahre alten Anwalt aus Eschweiler vorgeworfen, im NSU-Prozess ein Opfer vertreten zu haben, das es gar nicht gab. Insgesamt soll der Anwalt dafür zu Unrecht rund 200.000 Euro vom Staat kassiert haben.

Mutmaßlicher Betrug im NSU-Prozess

Von 2013 bis 2015 saß der Anwalt als Nebenklagevertreter in einem der bedeutendsten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) beschäftigten die Medien im In- und Ausland. Der heute 53-jährige Mann aus Eschweiler vertrat angeblich eine Türkin namens Meral Keskin, die 2004 bei einem Nagelbombenanschlag des NSU in Köln schwer verletzt worden sein sollte. Die Honorare für ihre Vertretung zahlte die Staatskasse.

Opfer existierte gar nicht

Bei den vielen Nebenklägern fiel vor Gericht lange gar nicht auf, dass Meral Keskin nie an einer Verhandlung teilnahm. Schließlich sollte sie aber als Zeugin vor Gericht erscheinen. Dadurch flog die Täuschung auf. Der Anwalt aus Eschweiler rechtfertigte sich: Er sei selbst Opfer eines Betruges geworden. Ihm sei die Mandantin von einem Mann vermittelt worden, dessen Angaben und gefälschten Dokumenten er gutgläubig vertraut habe. Die Aachener Staatsanwaltschaft hatte das anders gesehen. Sie hatte zwei Jahre Haft auf Bewährung für den 53-Jährigen gefordert. Seine Verteidigung plädierte auf Freispruch.

Stand: 30.11.2020, 15:34

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