Mutter tötet Säugling - Staatsanwaltschaft geht in Revision

Kölner Landgericht von außen

Mutter tötet Säugling - Staatsanwaltschaft geht in Revision

Von Markus Schmitz

Nach dem Urteil gegen eine junge Mutter aus Kerpen, die ihr Baby unmittelbar nach der Geburt getötet hat, geht die Kölner Staatsanwaltschaft jetzt in Revision. Ihr ist die vom Gericht festgelegte Haftstrafe nicht hoch genug.

Das Kölner Landgericht hatte die 22-Jährige wegen Totschlags zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft akzeptiert das Urteil jedoch nicht, sie hatte ursprünglich fast fünf Jahre mehr gefordert.

Die Kammer geht in ihrer Urteilsbegründung von einem sogenannten minderschweren Fall aus. Denn bei der jungen Frau liege eine Reifeverzögerung vor. Während der konkreten Tat habe sie sich in einer erheblichen Belastungssituation befunden. Außerdem hat sie die Tat gestanden. Das seien nur einige Gründe für das Strafmaß.

Brutaler Fall

Schon zum Prozessbeginn vor rund zwei Wochen hatte die Frau ausgesagt, sie habe Angst davor gehabt, dass ihre Eltern etwas von der verheimlichten Schwangerschaft mitbekommen.

Als die Frau im Elternhaus das Kind alleine zur Welt brachte, schlug sie zu, als das Kind anfing zu weinen. Anschließend hat sie das Neugeborene mit einem Kabel gewürgt. Gefunden wurde das tote Kind im April dieses Jahres von der Polizei. Der Leichnam lag noch im Elternhaus. Ein Krankenhaus in der Umgebung hatte die Beamten alarmiert - nachdem die Angeklagte dort erschienen war und ein Mediziner die junge Frau untersucht hatte. 

Zweite Schwangerschaft

In dem Prozess wurde allen Beteiligten einiges abverlangt. So wurden für die Beweisaufnahme Fotos des toten Kindes mit den deutlich sichtbaren Verletzungen im Gerichtssaal auf Leinwände projiziert. Nach Feststellung des Gerichts hatte die junge Frau das Neugeborene mehrfach geschlagen. Weil es aber immer noch schrie, habe die Mutter den Säugling mithilfe eines Handy-Ladekabels erdrosselt.

In ihrer Einlassung sagte die Angeklagte, dass sie zuvor schon einmal schwanger gewesen sei. Dieses Kind habe sie abgetrieben. Diese Entscheidung habe sie gemeinsam mit ihren Eltern getroffen. Doch die zweite Schwangerschaft verheimlichte sie den Eltern, weil sie Konsequenzen befürchtete. 

 

Stand: 29.10.2021, 13:16