Urteil gegen mutmaßlichen IS-Sympathisanten in Aachen

Der angeklagte mutmaßliche IS-Sympathisant im Gericht

Urteil gegen mutmaßlichen IS-Sympathisanten in Aachen

Wegen gefährlicher Körperverletzung hat das Aachener Landgericht heute einen ehemaligen IS-Sympathisanten aus Herzogenrath zu vier Jahren Haft verurteilt. Der 21-Jährige hatte im vergangenen Jahr zwei Männer in Stolberg und Aachen durch Messerstiche verletzt. Dabei rief er "Allahu akbar" ("Gott ist groß") .

Als der 21-jährige Deutsch-Iraker im vergangenen September festgenommen wurde, wurden auf seinem Handy zahlreiche Bilddateien von der Terrormiliz IS entdeckt. Auch hatte der junge Mann auf einer Internetseite ein Video mit einem verbotenen Symbol des IS hochgeladen. Die Polizei stufte ihn daraufhin als sogenannten "Gefährder" ein, und die Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf übernahm den Fall.

In seinem Prozess hatte der Angeklagte seine Affinität zum Islamismus als jugendlichen Unfug abgetan. Er sei kein Radikaler. Alles tue ihm mittlerweile leid - auch die Messerattacken in Stolberg und Aachen. Er habe sich damals nur Respekt verschaffen wollen, er habe sich in seiner Ehre verletzt gefühlt und habe den Männern Angst einjagen wollen.

Streit um AfD-Wahlplakat

Am 13. September 2020 hatte der 21-Jährige in Stolberg auf einen 23 Jahre alten Autofahrer eingestochen und ihn schwer am Arm verletzt. Das Opfer ist bis heute arbeitsunfähig. Auslöser der Attacke war ein AfD-Wahlplakat gewesen. Darauf abgebildet waren der türkisch-stämmige Vater des Geschädigten und andere südländisch aussehende Personen  - angeblich Unterstützer der Partei. Der Angeklagte kommentierte das Plakat im Internet mit "Gottesleugner" und rief dazu auf, das Lokal der Familie zu boykottieren. Darüber war es zum Streit gekommen. Als der Angeklagte dann dem 23 Jahre alten Sohn der Familie begegnete, griff er ihn an.

Bereits sechs Monate zuvor hatte er einen anderen türkisch-stämmigen Mann in Aachen mit einem Messer verletzt. Der habe schlecht über seine Verlobte gesprochen und Lügen über sie verbreitet, sagte der Angeklagte vor Gericht zu seinem Motiv.

Laut Generalstaatsanwaltschaft wollte sich der 21-Jährige ein "gefährliches Image" verschaffen. Sie befürchtet eine Radikalisierung des Mannes.

Stand: 10.03.2021, 15:34