Missbrauchsfall: 200 Ermittler im Einsatz

Eine Person vor einem Computerbildschirm

Missbrauchsfall: 200 Ermittler im Einsatz

  • Immer größere Dimensionen im Kindesmissbrauchsfall
  • Sechs Tatverdächtige und neun geschädigte Kinder bekannt
  • Mehr als 200 Ermittler im Einsatz

Der Kindesmissbrauchsfall von Bergisch Gladbach nimmt offenbar dramatischere Dimensionen an. Nach gesicherten Informationen des WDR aus Ermittlerkreisen sollen sich ein mutmaßlicher Täter aus Krefeld und ein weiterer Beschuldigter aus Viersen die Opfer gegenseitig zugeführt haben. Der Viersener soll sich an der eigenen Nichte vergangen haben - der Krefelder an der eigenen Tochter.

Die neuen Details ergeben sich aus der Aussage des Mannes aus Krefeld, der sich vor den Ermittlern umfangreich geäußert hat. Zuerst hatte der Kölner Stadtanzeiger darüber berichtet.

Der Landesinnenminister hat außerdem am Donnerstag (07.11.2019) die Ermittlungsgruppe von 130 auf mehr als 200 Beamte aufgestockt. Sechs Tatverdächtige sollen namentlich feststehen. Außerdem wurden mittlerweile neun Opfer ermittelt, berichtete Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag (07.11.2019) im Düsseldorfer Landtag. Die Opfer seien zwischen elf Monaten und elf Jahren alt.

"Nur die Spitze des Eisbergs"

Bei Durchsuchungen in neun Wohnungen seien mindestens zehn Terabyte an Daten sichergestellt worden. Die Staatsanwaltschaft Köln hatte bereits von "beweiserheblichem, kinderpornografischem Material" gesprochen. Auf dem Handy eines Festgenommenen habe man etwa Chat-Gruppen gefunden, in denen bis zu 1800 Mitglieder kinderpornografische Inhalte austauschten.

Für Polizei-Seelsorger Dietrich Bredt-Dehnen ist das Ausmaß keine Überraschung. "Ich habe mich nicht gewundert", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Wir wissen aus vergangenen Ermittlungen, dass solche Verfahren sich wie eine Krake in weite Bereiche hineinziehen. Wir sehen immer nur die Spitze des Eisbergs." Bredt-Dehnen ist Leiter der evangelischen Seelsorge am Landeskriminalamt (LKA) NRW und betreut seit neun Jahren Beamte, die im Bereich Kinderpornografie ermitteln und mit schwerer sexualisierter Gewalt an Kindern konfrontiert sind.

Situation noch lange nicht im Griff

Nicht nur im Darknet, sondern auch im frei zugänglichen Internet gebe es viele Foren, die auf den ersten Blick gar nichts mit Kinderpornografie zu tun hätten, sondern etwa harmlose Bilder von Kindern beim Turnen oder Schwimmwettbewerben zeigten, sagt Dietrich Bredt-Dehnen.

Laut des Polizei-Seelsorgers verständige sich die Szene untereinander mit entsprechenden Formulierungen, erkenne sich und vernetze sich dann weiter. "Wir haben es mit einem massenhaften Problem zu tun, das alle Milieus unserer Gesellschaft betrifft", sagte der Experte. "Und wir haben noch nicht genügend technische Möglichkeiten, das wirklich in den Griff zu bekommen."

Stand: 08.11.2019, 08:52