Zeltlager in Südfrankreich: Kinder aus Leverkusen wieder daheim

Zeltlager in Südfrankreich: Kinder aus Leverkusen wieder daheim

  • Kinder aus überschwemmtem Zeltlager zurück
  • 66-jähriger Betreuer weiter vermisst
  • Ermittlungsverfahren gegen zwei Deutsche gefordert
Rettungskräfte laufen durch zerstörte Fahrräder

Überfluteter Campingplatz in Frankreich

Nach der Überschwemmung eines Campingplatzes in Südfrankreich, auf dem 102 Kinder und Jugendliche aus der Region Leverkusen ihre Ferien verbrachten, sind sie am Samstag (11.08.2018) zurückgekehrt. Die Organisatoren der Ferienfreizeit hatten zunächst von 80 Teilnehmern gesprochen. Das Zeltlager war bei einem Unwetter weggespült worden.

Nach Angaben der französischen Behörden wurden insgesamt 184 Menschen gerettet, die sich in dem deutschen Zeltlager und auf zwei angrenzenden Campingplätzen aufhielten.

Polizei verhört deutsche Betreiber

Französische Rettungsteams auf dem zerstörten Campingplatz in  Saint-Julien de Peyrolas

Aufräumarbeiten an der Ardèche

Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile Ermittlungsverfahren gegen zwei Verantwortliche des Veranstalters gefordert. Das berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Samstag.

Gegen die beiden Deutschen vom Leverkusener Verein Jugendförderung St. Antonius soll demnach wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt werden. Unter anderem wird ihnen vorgeworfen, dass das Zeltlager illegal in einer Überflutungszone errichtet wurde. Ein Ermittlungsrichter muss über die Einleitung der Verfahren entscheiden.

Suche nach Vermissten geht weiter

Karte Zeltlager Südfrankreich

Das Zeltlager liegt in der Nähe des Flusses Ardèche

Polizei, Feuerwehr und Freiwillige suchen weiter nach einem 66-jährigen Rentner. Der Mann aus Köln war einer der Betreuer des Ferienlagers in Saint-Julien-de-Peyrolas, das die Jugendförderung St. Antonius aus Leverkusen organisiert hatte. Bei der Suche wurden auch Hubschrauber eingesetzt.

Staatsanwalt will Ermittlungsverfahren gegen Zeltlager-Organisatoren

WDR 2 | 11.08.2018 | 03:19 Min.

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Fluss überspült Ferienlager

Der jetzt vermisste Mann habe Kinder vor den Wassermassen in einen höher gelegenen Bereich gerettet, sagte seine Tochter am Samstag dem WDR. Als schon alle Kinder gerettet waren, wollte der frühere Rettungssanitäter zur Sicherheit noch einmal auf dem Campingplatz nachsehen. Nach Aussage der Kinder sei der Betreuer von den Wassermassen des Zuflusses Valat d'Aiguèze erfasst und mitgerissen worden, so die Tochter des Vermissten. Sie rechnete am Samstag nicht mehr damit, dass ihr Vater noch lebend gefunden wird.

Polizist, der einen durch Überschwemmungen beschädigten Wohnwagen untersucht.

Polizist untersucht beschädigten Wohnwagen

Die französische Polizei hatte zunächst berichtet, dass sich der Mann in einem Wohnwagen in Sicherheit bringen wollte. Durch Starkregen war der Campingplatz überflutet worden. Die Wassermassen rissen auch Wohnwagen mit sich. Sie wurden später zerstört am Ufer gefunden.

Campingplatz von den Fluten zerstört

Die Jugendgruppe war in einer großen Rettungsaktion in Sicherheit gebracht worden. Hubschrauber und Taucher halfen dabei. Drei Kinder und fünf Betreuer kamen zur Beobachtung ins Krankenhaus, die anderen verbrachten die Nacht in einer Mehrzweckhalle. Der Campingplatz wurde weitgehend zerstört. Insgesamt mussten Einsatzkräfte in Südfrankreich rund 1.600 Urlauber vor den Sturzfluten retten.

Blick in einen mit Kleidung beladenen LKW, Helfer stehen drum herum

In Leverkusen wurden umgehend Kleiderspenden organisiert

Der Veranstalter des Ferienlagers aus Leverkusen teilte auf Anfrage mit, dass alle Kinder "soweit wohlauf" seien und die Rückfahrt der Teilnehmer organisiert werde.

In Leverkusen organisierten Angehörige, Freunde und Mitglieder einer Facebook-Gruppe umgehend eine Kleidungs-Sammelstelle. Mit mehreren Fahrzeugen brachten die Helfer die Ausrüstungsgegenstände noch in der Nacht nach Südfrankreich.

Korrektur (11.08.2018, 17.38 Uhr): Eine Angehörige des vermissten Betreuers hat sich am Samstag beim WDR gemeldet und den Verlauf der Ereignisse anders dargestellt. Außerdem sei nicht der Fluss Ardèche über die Ufer getreten, sondern das Flüsschen Valat d'Aiguèze.

Stand: 11.08.2018, 19:44