Unwetter-Schäden in Erkrath: "Wir sind mittendrin in den Aufräumarbeiten"

Auf dem Foto ist aussortierter Hausrat, der am Straßenrand steht, darunter ein Sofa, ein Teppich und verschiedene Stühle.

Unwetter-Schäden in Erkrath: "Wir sind mittendrin in den Aufräumarbeiten"

Von Sven Lüüs

Vor einer Woche hat der Starkregen auch in Erkrath gewütet. Erst langsam wird das Außmaß der Schäden sichbar. Die Stadt muss sich jetzt neu sortieren.

Die Müllabfuhr macht Sonderschichten, um all den Sperrmüll wegzubringen. Bei einem Händler in Hochdahl werden die Waschmaschinen knapp, weil immer mehr Menschen ein neues Gerät brauchen, da ihre Maschinen dem Hochwasser zum Opfer gefallen sind. Und weil auch Bautrockner derzeit ein knappes Gut sind, hilft sogar eine Initiative aus Berlin: Erst am Dienstag kamen mehr als 20 Bautrockner aus der Hauptstadt in Erkrath an. Das reicht noch nicht aus, hilft aber in einigen Haushalten, die immer noch nassen Räume zu trocknen.

"Es geht Stück für Stück voran, aber es dauert noch", sagt Stadtsprecher Thomas Laxa über die Aufräumarbeiten in Erkrath. Zahlen zum Ausmaß der Schäden hat die Stadt noch nicht.

Erkrath muss sich neu sortieren

Überschwemmung in Alt-Erkrath

Überschwemmung in Alt-Erkrath

Vor einer Woche hat der Starkregen in NRW Erkrath getroffen, besonders den Stadtteil Alt-Erkrath. Hier fiel zeitweise der Strom aus. Ganze Straßen waren überflutet. Am Mittwoch vor einer Woche hatte die Stadt die Erkrather sogar dazu aufgerufen, auf's Duschen, Wäsche waschen und Geschirrspülen zu verzichten, um kein weiteres Abwasser mehr zu produzieren. Die Abwasserkanäle waren durch den Starkregen überlastet und sollten daher geschont werden.

Eine Woche nach der Katastrophe muss sich Erkrath neu sortieren. Die Keller der Menschen in Erkrath seien mittlerweile ausgepumpt, sagt ein Stadtsprecher. Im Moment stünden jedoch an vielen Straßen noch "Unmengen an Sperrgut", die noch entsorgt werden müssen. Die Erkrather entscheiden im Moment, was sie noch brauchen können und was das Unwetter unbrauchbar gemacht hat.

Erst wenn der Sperrmüll von einer Straße abtransportiert worden ist, kann die von Schlamm befreit werden. "Wir sind mittendrin in den Aufräumarbeiten", sagt der Stadtsprecher. Manche Straßen würden schon so aussehen wie vorher, manche habe man noch nicht reinigen können. Die Stadt rechnet damit, dass die Aufräumarbeiten noch über diese Woche hinaus andauern werden.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft

Sandsäcke in Erkrath

Nicht nur die Stadt räumt auf, auch ehrenamtliche Helfer sind nach Erkrath geströmt - manche davon aus umliegenden Städten. Bei ihrer Initiative hätten sich schon mehr als 200 Freiwillige gemeldet, sagt Stefanie Perkuhn von "Erkrath hält zusammen". Die Helfer seien vor allem am Wochenende in die Stadt gekommen, um den betroffenen Menschen in der Stadt beim Ausräumen der überfluteten Keller, Garagen und anderen Räume zu helfen. "Das war perfekt", sagt Perkuhn, die mit ihrer Initiative Hilfesuchende und Helfende zusammengebracht hat.

Auch die Feuerwehr Erkrath zeigte sich begeistert über das Engagement der Menschen. In einem Aufruf in den sozialen Netzwerken hatte sie um Unterstützung beim Abbau der Sandsäcke gebeten. Prompt kamen 150 Helferinnen und Helfer aus Erkrath und den Nachbarorten zusammen und packten tatkräftig mit an. Zudem hätten Erkrather Transportunternehmen den Sand abtransportiert, ein Getränkehandel Bierzeltgarnituren und Kaltgetränke zur Verfügung gestellt und Anwohner Verpflegung vorbeigebracht, so die Feuerwehr. "Wir sind wirklich total überwältigt und können nur Danke Danke Danke sagen", schrieb die Feuerwehr Erkrath in einer Botschaft an die Helfenden, "So muss es sein und darauf könnt ihr stolz sein!".

Unwetter-Schäden: Brücke muss abgerissen werden

An den Erkrather Brücken hat das Unwetter teilweise langanhaltende Schäden hinterlassen. Ein Statiker hat sie überprüft. Der stellte fest, dass mehrere Brücken in der Stadt massiv beschädigt wurden. Die Fußgängerbrücke an der Bachstraße muss sogar abgerissen werden, weil sie droht, einzustürzen.

Zwei Brücken in den Stadtteilen Alt-Erkrath und Unterfeldhaus müssen repariert werden und bleiben erstmal gesperrt. Eine weitere Brücke am Hubbelrather Bach darf nur noch von Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen genutzt werden. Die Straßen in Erkrath seien hingegen wieder nutzbar, so die Stadt. Auch die Stromversorgung sei wieder hergestellt.

Flüchtlingsunterkunft weiter unbewohnbar

Das Unwetter hatte auch ein Flüchtlingsheim unbewohnbar gemacht. Das ehemalige Schulgebäude, in dem sie untergebracht waren, war durch den Starkregen mit Wasser vollgelaufen. Deswegen müssen jetzt Dutzende Geflüchtete in eine andere Stadt verlegt werden. Momentan sind die Geflüchteten in der Stadthalle Erkraths untergebracht.

Das Unwetter im Rheinland - so sah es in Düsseldorf und Umgebung aus

Das Unwetter hat vielerorts in Düsseldorf, Erkrath und der Umgebung Bilder der Verwüstung zurückgelassen. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten in der Region.

Überschwemmungen in Düsseldorf Gerresheim

Besonders den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim hat der Starkregen hart getroffen. Ganze Siedlungen standen hier unter Wasser.

Besonders den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim hat der Starkregen hart getroffen. Ganze Siedlungen standen hier unter Wasser.

Straßen mussten wegen der Überschwemmungen gesperrt werden, so wie hier die B8 in Düsseldorf. Auch die A44 war betroffen.

Einsatzkräfte versuchten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag den Damm in der Düsseldorfer Ostparksiedlung zu sichern.

Der von der Feuerwehr errichtete Damm in der Ostparksiedlung konnte den Wassermassen jedoch nicht standhalten.

Eine Wohnsiedlung in Düsseldorf-Vennhausen am Donnerstagmorgen. Die Anwohner mussten lange auf die Feuerwehr warten.

Das Wasser hat die ganze Siedlung durchzogen. Viele Anwohner hatten ihre Häuser und Wohnungen zwischenzeitlich verlassen müssen.

Vennhausen – Hier stand das Wasser bis unter die Decke. Sicherungen und Stromzähler wurden vielerorts zerstört. Viele Anwohner hatten über Tage keinen Strom.

Im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth ist am Samstag eine Straße unterspült worden und abgesackt. Ein drei Meter tiefes Loch bleibt zurück. Wann die Alte Landstraße wieder freigegeben wird, ist unklar.

Die Sportanlage vom TV Grafenberg stand unter Wasser. Der Fußballplatz ist mittlerweile wieder halbwegs trocken – zurück bleiben Schlamm und Dreck.

Auch das Clubhaus des TV Grafenberg neben der Ostparksiedlung hat es hart getroffen. Wann hier wieder trainiert und Siege gefeiert werden können, ist unklar.

In der Kleingartenanlage Weidenau in Düsseldorf-Gerresheim ist die harte Arbeit vieler Kleingärtner in den Fluten zerstört worden.

Überflutete Straßenschilder und Fahrradständer lassen erahnen, dass hier einmal eine Straße war. Der überflutete Anleger der Rheinfähre in Meerbusch zeigt, wie weit sich der Fluss wegen des Unwetters ausgedehnt hat.

Hochwasser am Rhein – Der Dauerregen und das Unwetter haben auch den Rheinpegel steigen lassen. Der Fluss erreichte in Düsseldorf am Samstag den Höchststand von 7,60 Metern.

In Erkrath war der Stadtteil Alt-Erkrath stark überflutet. 600 Menschen konnten die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nicht im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung verbringen.

Ein Auto, bis zum Dach im Wasser versunken, steht auf der überfluteten Morper Alle in Erkrath.

In Alt-Erkrath liefen viele Keller und Garagen voll.

Obwohl ihn das Unwetter kalt erwischt hat, strampelt ein Radfahrer in Erkrath tapfer weiter.

Nach dem Starkregen mussten in Erkrath unzählige Keller ausgepumpt, Sandsäcke abgetragen und zerstörtes Hab und Gut aus den überfluteten Räumen geräumt werden. Am Freitag sammmelte sich in Alt-Erkrath das Sperrgut.

Durchnässter Hausrat, alte Fotoalben, zerstörte Geräte: All das türmt sich nach dem Unwetter schlammbedeckt auf den Straßen in Düsseldorf.

Die Aufräumarbeiten in Düsseldorf laufen noch – allein am Wochenende hat die Awista rund 350 Tonnen Sperrmüll eingesammelt.

Auch in Ratingen in der Siedlung am Grünen See stapelte sich massenweise zerstörtes Hab und Gut der Anwohner. Auch hier waren die Aufräumarbeiten zum Wochenanfang noch in vollem Gange.

Stand: 21.07.2021, 17:57