Hochwasserlage in Wassenberg, Aufräumarbeiten in Mechernich und Städteregion

Luftbild Ophoven

Hochwasserlage in Wassenberg, Aufräumarbeiten in Mechernich und Städteregion

In der Ortschaft Wassenberg-Ophoven ist es nicht zu weiteren Dammbrüchen gekommen. Der Pegel der Rur sinkt weiter. Unterdessen hat eine riesige Hilfsaktion für die Betroffenen begonnen.

Kräfte der Feuerwehr überprüfen regelmäßig den Damm. Die Einschätzung für die Ortslage Ophoven, dass weitere Dammbrüche noch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden können, bleibt weiterhin aufrechterhalten, hieß es auf der Krisensitzung um 11 Uhr 25.

Freiwillige Helfer stapeln Sandsäcke in Ophoven.

Sandsäcke in Ophoven

Die Sandsäcke die im Ortsteil Ophoven zum Schutz aufgebaut wurden, werden am frühen Sonntagnachmittag umgesetzt. So können Einsatzkräfte an einigen Stellen besser durch, um das Wasser abzupumpen und aufzuräumen. An anderer Stelle sollen sie einen Stromtrafo absichern.

Entwarnung für Wassenberger Ortsteil Ohe

Der Kreis Heinsberg gibt am Sonntag um 11 Uhr 31 Entwarnung für die Ortschaft Ohe - demnach besteht nicht mehr die Gefahr, dass Ohe überflutet wird. Zwischenzeitlich ist in Ohe die Stromversorgung wieder überwiegend hergestellt, die Bevölkerung konnte teilweise ihre Wohnorte aufsuchen. Die Vorwarnung für die Evakuierung in den Ortschaften Effeld und Steinkirchen wird am Sonntagvormittag aufgehoben. Unabhängig davon wird dringend gebeten, von nicht notwendigen Besuchen der betroffenen Hochwassergebiete abzusehen.  

 Kritk am Hochwasserschutz

Bürgermeister Maurer will vor dem Hintergrund dieser Überschwemmung sowohl mit der Bezirksregierung Köln als auch mit dem Wasserverband Eifel-Rur über einen besseren Hochwasserschutz für die Stadt Wassenberg sprechen. Bisher wurde der Bau eines neuen Deiches oder eine Erhöhung des derzeitigen Damms abgelehnt. Zuletzt im August 2020, als die Bezirksregierung die aktuellen Hochwasserberechnungen vorgestellt hatte.

Irritationen zum Dammbruch in Wassenberg

Wegen der starken Regenfälle konnten die Dämme nicht genügend geschützt werden. Die niederländischen Behörden haben Kritik aus Deutschland zurückgewiesen. Der Bürgermeister des nordrhein-westfälischen Wassenberg hatte dem Nachbarland vorgeworfen, eine Schleuse der Rur in Roermond geschlossen zu haben und damit einen Dammbruch provoziert zu haben. Nach Berechnungen des Deichverbandes Limburg gebe es aber keinen Zusammenhang. Das Wasser werde an Roermond vorbei durch den Seitenarm Hambeek in die Maas geleitet. Die Rur sei normal abgeflossen. Der Bürgermeister zeigte sich betroffen über die Kritik, er wolle die deutsch-niederländische Freundschaft nicht gefährden. Für ihn stehe völlig außer Frage, dass die niederländischen Behörden die aus ihrer Sicht gebotenen Schutzmaßnahmen getroffen haben, sagte Bürgermeister Marcel Maurer am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Der Deich im Stadtteil Ophoven sei gebrochen, weil er durchfeuchtet gewesen sei, und nicht, weil die Schleuse im Nachbarland geschlossen worden sei.

Bürgertelefone in der Städteregion

Bürgertelefon Stolberg: 02402/127 511 83
Bürgertelefon Eschweiler: 02403/888 91 00

Wegen der Hochwasserlage können Bürgerinnen und Bürger auch die Coronahotline anrufen: 0241 510051
Koordination freiwillige Helfer: 02405/603 93 38 oder hochwasserhilfe@drk-aachen.de

Betretungsverbot in Mechernich

Gesperrter Weg bei Mechernich-Kommern

In Mechernich droht wegen eines Bergbruchs ein Mehrfamilienhaus einzustürzen. 25 Bewohner mussten das Gebäude räumen. Es steht noch nicht fest, ob der Wohnblock stabilisiert werden kann oder abgerissen werden muss. Nicht kartierte Bergbauschächte aus früheren Jahrhunderten sind durch das Unwetter und die Wassermassen freigespült worden. Der Bürgermeister rechnet mit zwei bis drei Monaten Betretungsverbot. Auch ein Waldgebiet ist wegen überschwemmten unterirdischen Schächten abgesperrt. Nicht sicher ist, ob dort auch eine Bombe dort liegt. Die Feuerwehr hat das Gebiet mit einer Drohne abgeflogen. Das Gelände kann selbst nicht begangen werden, weil der Bodern zu feucht ist und die unterirdische Stollen einbrechen könnten.

Suche nach Vermissten

In Euskirchen und Schleiden sind hunderte Rettungskräfte im Einsatz und suchen nach Menschen, die in den von verwüsteten Gebieten vermisst werden. Die Zahl der Toten im Kreis Euskirchen ist bis Samstagnachmittag auf 26 gestiegen. Unter den Opfern ist auch ein Feuerwehrmann, der ums Leben kam, als er in Nettersheim einen Menschen retten wollte.

Situation in Schleiden/ Gemünd

Hier ist es bei der Anzahl der 10 Toten geblieben. Derzeit können 1500 Personen an zwei Anlaufstellen mit Frühstück, Mittag- und Abendessen versorgt werden.
In einigen Orten des Kreises Euskirchen kommt es am Sonntagmittag verstärkt zu Ansammlungen von Katastrophentouristen und Gaffern, die die Maßnahmen der Einsatzkräfte erheblich beeinträchtigen. Der Kreis ruft dazu auf, die Gebiete im Kreis Euskirchen zu meiden, um die Einsätze vor Ort nicht zu behindern.

Grundsätzlich hat sich die Lage im Kreis Euskirchen leicht entspannt. Seit gestern wird Freitagabend wird kontrolliert Wasser aus der Steinbachtalsperre abgelassen. Das sorgt für die nötige Entlastung. Eine Überflutungsgefahr für die Dörfer besteht nach Aussage des Krisenstabs vorläufig nicht mehr. Der Kreis Euskirchen geht davon aus, dass die Menschen am Sonntag wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können.

Aufräumarbeiten in Schleiden-Gemünd haben begonnen 01:44 Min. Verfügbar bis 18.07.2022

Riesen Spendenbereitschaft aus ganz Deutschland

Eine Wagenkolline von Helfern aus Burgdorf.

Helfer aus Burgdorf bei Hannover sind eingetroffen. Aus dem ganzen Land und Nachbarländern kommt Unterstützung.

Die freiwillige Feuerwehr in Lehrte und Burgdorf hatte am späten Freitagabend einen Spendenaufruf gestartet. Bis zum Samstagmittag kamen schon 250 Palletten an Hilfsgütern in Aachen an, bestehend aus Kleidung, Hygieneartikeln und Lebensmitteln; viele davon noch extra eingekauft von Spendern. Um 01:30 Uhr nachts hat sich der Konvoi mit 4 LKW auf den Weg nach Aachen gemacht. Teile der Güter werden am Sonntagmorgen in der Aachener Lützow Kaserne eingelagert, weil die Kapazitäten bei der Sammelstelle des DRK in Würselen schon ausgeschöpft sind.

DRK Sammelstelle in Würselen quillt über

Eine Lagerhalle voller Hilfsgüter und zahlreichen Herlfen in Würselen

DRK Lager in Würselen

Im zentralen Sammellager des DRK herrscht große Betriebsamkeit. 80 freiwillige Helfer sortieren und packen die Hilfsgüter in zwei Schichten bis in die frühen Morgenstunden. Der DRK appelliert an Spendenwillige, vorerst keine Lebensmittel oder Kleidung mehr zu bringen. Gebraucht würden momentan nur noch Verpackungsmaterial und Hilfsmittel für die Aufräumarbeiten wie Schaufeln oder Pumpen. Die Ausgabestelle des DRK ist in Stolberg - Breinig, Breininger Berg 91. Da viele nicht durch kommen, wird jetzt ein Shuttleservice eingerichtet.

Garzweiler Dörfer helfen Hochwasseropfern

Die Bewohner der Garzweiler II-Umsiedlungsorte Kuckum, Keyenberg, Ober- und Unterwestrich sowie Berverath haben sich dafür eingesetzt, dass Opfer der Flutkatastrophe unbürokratisch Obdach in den leerstehenden Häusern der bedrohten Dörfer finden. Der RWE-Konzern, dem die Häuser gehören, ist damit einverstanden. Die Stadt Erkelenz wird bei der Vermittlung des Wohnraums helfen.

Aufräumarbeiten gehen weiter

Stolberg nach Hochwasser

In Stolberg und Schleiden gehen die Aufräumarbeiten weiter. Die Polizei fuhr außerdem Streife, um eventuelle Plünderer abzuschrecken. Viele in Stolberg-Vicht hatten keinen Strom.Trafo Stationen werden überprüft. Nach und nach wird die Stromversorgung wieder hergestellt.

Die Schäden, die das Unwetter allein in Stolberg verursacht hat, liegen im Milliardenbereich. Diese Schätzung hat Bürgermeister Patrick Haas abgegeben. Einsatzkräfte haben Probleme, vom Hochwasser betroffene Gebiete zu erreichen, weil Straßen blockiert sind. Der Krisenstab der Stadt hat deshalb Samstagmittag alle auswärtigen Helfenden gebeten darauf zu achten, dass ihre geparkten Autos die Durchfahrt nicht behindern.

Aufräumarbeiten im Eschweiler Krankenhaus

Seit Sonntagvormittag laufen die Aufräumarbeiten im Sankt-Antonius-Hospital in Eschweiler. Dieses war am Donnerstag evakuiert worden. Parterre und alle Kellergeschosse wurden überschwemmt. Allein die Zerstörung zwei Computertomographen im Keller verursachte einen zweistelligen Millionenschaden. Ärzte, Pfleger und Verwaltungsmitarbeiter arbeiten unermüdlich, um Schlamm, Schutt und zertrümmertes Mobiliar abzutransportieren. Unterstützt werden sie von auswärtigen Einheiten der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks. Frühestens Mitte der Woche werden Strom und Wasser wieder fließen, so Geschäftsführer Elmar Wagenbach. Wann der Betrieb wieder beginnt, sei unklar. Bund und Land müßten schnell helfen.

Probleme beim Leitungswasser

Im Zentrum von Stolberg bei Aachen müssen die Bürger noch tagelang ohne Trinkwasser aus den Leitungen auskommen. Nach Auskunft der Feuerwehr dauert es auf einem Teil der Rathausstraße noch drei bis vier Tage, bis Techniker an die Leitungen können, um die Trinkwasserversorgung zumindest provisorisch wiederherzustellen. Trinkwasserbehälter sollen den Menschen im Alltag helfen. Andere Teile der 57 000-Einwohner-Stadt konnten hingegen wieder an die Trinkwasserversorgung angeschlossen werden. Das Wasser aus den Leitungen sollte aber abgekocht werden, weil Schmutzwasser in das System gelangt sein könnte.

In Eschweiler ist die Wasserversorgung inzwischen wieder hergestellt. Die EWV weist aber darauf hin, dass das Wasser in einigen Stadtteilen nicht getrunken werden darf, auch nicht abgekocht. Auch zur Zubereitung von Speisen ist es nicht geeignet. Es handelt sich um Brauchwasser, also z. B. zum Duschen oder für die Toilettenspülung. Für Trinkwasser wurden spezielle Abgabestellen eingerichtet.

Landwirte organisieren Hilfsangebot

Traktoren laden Heuballen

Aus ganz Deutschland kommen LKWs mit Heuballenladungen an. Diese werden dann in Hürtgenwald-Vossenack am Alten Pelletwerk gesammelt und können dort von den Landwirten aus den betroffenen Gebieten abgeholt werden. So können die Tiere weiterhin versorgt werden.

Starkregen: Folgen für die Aachener Region

In der Städteregion Aachen, der Eifel, dem Kreis Heinsberg hat das Hochwasser für Chaos gesorgt.

Gemünd

In Gemünd haben die Wassermassen der Urft große Schäden angerichtet und ganze Häuserfronten mitgerissen.

In Gemünd haben die Wassermassen der Urft große Schäden angerichtet und ganze Häuserfronten mitgerissen.

Autos, Häuser - sie konnten dem Wasser nur wenig entgegensetzen. Bewohner von Schleiden-Gemünd werden in Mechernich aufgenommen und in Notunterkünften versorgt.

In Eschweiler ist die Trinkwasserversorgung teilweise ausgefallen. Patienten aus dem Krankenhaus werden per Hubschrauber evakuiert.

Im Kreis Euskirchen ist die Lage besonders in Schleiden, Gemünd und Oberhausen kritisch. Die Straßen sind kaum wiederzuerkennen.

Mindestens 15 Menschen sind im Kreis Euskirchen durch das Unwetter ums Leben gekommen, die Zahl könnte laut Polizei Köln weiter steigen.

Auch Geilenkirchen muss gegen die Wassermassen kämpfen. Zwei Menschen starben im Keller ihres Hauses.

Die Schäden, die die Wassermassen verursacht haben, sind bislang noch nicht abzuschätzen.

Am Tagebau Inden hat sich das überschüssige Wasser der Inde einen neuen Weg gesucht und ein riesiges Loch hinterlassen.

Am Donnerstag drangen Wassermassen in den Tagebau Inden ein und unterspülten die Förderbänder mit soviel Schlamm, dass der Tagebau stillgelegt werden musste.

Das DRK hat im Bürgerhaus Lich-Steinstraß bis zu 100 Menschen betreut, die wegen drohender Überflutung ihre Häuser an der Rur verlassen hatten.

Notunterkunft in Nideggen für Evakuierte in der Mehrzweckhalle.

Das Haus einer Anwohnerin in der Stadt Schleiden wurde innerhalb weniger Minuten komplett geflutet. 1,70 Meter hoch stand das Wasser in ihrem Wohnzimmer, das nun komplett unbrauchbar ist.

Mittlerweile haben die Aufräumarbeiten in Gemünd begonnen.

In Wassenberg ist in der Nacht von Freitag auf Samstag der Rurdamm gebrochen. Die Anwohner wurden evakuiert. Mittlerweile hat sich die Lage dort etwas entspannt.

Auch das ostbelgische Eupen an der Grenze bei Aachen wurde schwer von Überschwemmungen getroffen.

Mittlerweile treffen aus ganz Deutschland Helferinnen und Helfer ein. Ein Zug aus Burgdorf bei Hannover traf mit vier LKW und 250 Paletten Hilfsgütern Samstagnacht ein.

Durch unglaubliche Hilfsbereitschaft ist das Lager des Deutschen Roten Kreuz bereits voll. Es kommt zwischenzeitlich immer wieder zu Annahmestopps, um neuen Lagerraum zu schaffen.

Leichte Entspannung entlang der Rur

Der Krisenstab des Kreises Düren spricht nach seinem Treffen am Freitag von einer stabilen Lage entlang der Rur. Seit dem späten Donnerstagabend sind die Schleusen der Rurtalsperre geöffnet. Verletzte oder außergewöhnliche Einsätze habe es bislang nicht gegeben.

Entwarnung für Jülich und Kornelimünster

Die Menschen in Jülich können seit Freitag wieder in ihre Häuser zurück. Die Evakuierung wegen des befürchteten Hochwassers sei aufgehoben worden, teilte die Stadt mit. Nach Rücksprache mit dem Wasserverband Eifel-Rur und dem Kreis Düren sei nicht mehr mit zusätzlichen größeren Wassermengen zu rechnen.

In Kornelimünster laufen nach den historisch starken Regenfällen und dem dramatischen Hochwasser die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Einsatzschwerpunkt war unter anderem für die Feuerwehr die Abteilkirche St. Kornelius und die Kunstsammlung NRW. Dort pumpten die Feuerwehrleute vollgelaufene Räume leer.

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Hochwasser trifft auch RWE-Kraftwerke

Auch Kraftwerke von RWE sind von den Folgen des Hochwassers betroffen. Das Versorgungsunternehmen hat mitgeteilt, dass Wasser in den Braunkohle-Tagebau Inden eingedrungen und auch das angeschlossene Kraftwerk Weisweiler betroffen ist. Wie lange es dauern werde, bis der Betrieb des Tagebaus und die Stromerzeugung am Standort Weisweiler vollständig wiederhergestellt seien, werde noch ermittelt. Außerdem seien viele Wasserkraftwerke außer Betrieb. Der Schaden liege nach einer ersten Bestandsaufnahme auf einen „bis zu mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag".

Zahl der Toten in Ostbelgien steigt

In Ostbelgien ist die Zahl der Toten bis Samstagmorgen auf 24 gestiegen. Wie die Polizei in Lüttich mitteilte, wurde Samstagsnacht mindestens ein weiteres Todesopfer geborgen. Viele weiteren Menschen werden immer noch vermisst. Nach tagelangem Dauerregen war die Maasregion am Donnerstag überschwemmt worden. In mehr als hundert belgischen Gemeinden haben die Wassermassen schwere Zerstörungen angerichtet.

Niederländische Behörden drohen mit Bußgeldern

In der niederländischen Grenzprovinz Limburg haben die Menschen am Samstag mit Sandsäcken und Schutzmaßnahmen den Kampf gegen das Hochwasser entlang der Maas fortgesetzt. Es wird damit gerechnet, dass der Pegel in Roermond am Sonntagmorgen absinkt und in Venlo am Sonntagabend. Die Behörden haben Schaulustige aufgerufen, zu Hause zu bleiben, und mit Bußgeldern gedroht. Wie die Stadt Venlo mitteilte, überwachte die Polizei die evakuierten Orte und Deiche auch aus der Luft.

Stand: 18.07.2021, 17:29