Vertereter des Untersuchungsausschusses werden von Pressevertretern interviewt

Untersuchungsausschuss in Stolberg - die Flut und viele Fragen

Stand: 05.11.2021, 16:42 Uhr

Der vom Land eingesetzte Untersuchungsausschuss zur Hochwasserkatastrophe in NRW hat am Freitag Stolberg besucht. Der dramatisch angestiegene Vichtbach hatte Mitte Juli in Stolberg massive Schäden verursacht.

Von Wolfgang Deutz

Alleine an der öffentlichen Infrastruktur entstand nach Auskunft der Stadt ein Sachschaden von 353 Millionen Euro.

Die Gruppe ließ sich von Stadtvertretern und Hilfskräften erläutern, wann Alarme eintrafen, welche Massnahmen ergriffen wurden und - ganz wichtig - unter welchen Bedingungen betroffene Anwohner heute noch leben. An dem Gespräch nahmen auch Ehrenamtler teil, die nach der Katastrophe halfen. Auch nach fast vier Monaten prägt die Flut noch immer das Stadtbild. Es gibt weiter mobile Toiletten, Duschen und Waschmaschinen.

Viele Menschen in Stolberg haben kurz vor dem Winter noch immer keinen Strom und keine Heizung. Mit einer Umfrage will die Stadt jetzt den genauen Bedarf erkunden.

Auftakt zu weiteren Vor-Ort-Besuchen

Der Besuch des Untersuchungsausschusses in Stolberg ist der Auftakt zu vier weiteren Terminen bis Weihnachten. Der letzte findet am 22. Dezember statt. Dabei sollen die Umstände und Zusammenhänge geklärt werden, die Mitte Juli zum Tod von 49 Menschen in NRW geführt haben.

Die 13 stimmberechtigten Mitglieder des Ausschusses wollen mögliche Versäumnisse und Fehleinschätzungen der Landesregierung und der ihr untergeordneten Behörden untersuchen. Dem Ausschuss gehört auch der Eschweiler Sozialdemokrat Stefan Kämmerling als Obmann an.

Hochwasser als Wahlkampfthema?

Der Untersuchungsausschuss begutachtet die Stolberger Innenstadt

Die Zeit für den Untersuchungsausschuss sei knapp, sagt Kämmerling. Den Mitgliedern stehen bis zur Landtagswahl im Mai nur noch wenige Monate zur Verfügung, um die Katastrophe aufzuarbeiten. In den kommenden Wochen sollen deshalb nicht nur Flutopfer und Helfer gehört werden sondern auch Fachleute aus dem Bereich Meteorologie, wie Jörg Kachelmann und Experten des Europäischen Hochwasserwarnsystems (EFAS). Sie sollen Licht ins Dunkel bringen, zu welchem Zeitpunkt die zuständigen Behörden über das Unwetter und seine möglichen Auswirkungen Bescheid wussten und ob manches davon hätte verhindert werden können.

Schlagabtausch

Am Morgen lieferte sich Kämmerling nochmals einen Schlagabtausch mit der amtierenden Landesregierung. Der SPD-Abgeordnete warf dem Innenministerium vor, dass der Untersuchungsausschuss bisher keine einzige Akte zur Katastrophe erhalten habe. Das Ministerium widersprach. Es habe 250 Dateien mit 200.000 Blatt an den Ausschuss weitergeleitet. Von Seiten der SPD hieß es kurz darauf, dass die Dateien gerade auf ihrem Server einliefen.