OPs verschoben nach Karneval: Hunderte Kölner Uniklinik-Mitarbeiter haben Corona

Stand: 08.03.2022, 18:03 Uhr

748 Mitarbeiter der Uniklinik Köln sind mit Corona infiziert oder in Quarantäne, 59 mehr als am Vortag. Die Folge: Operationen müssen verschoben werden. Das Krankenhaus sieht einen Zusammenhang zu den Karnevalstagen.

Gut eine Woche nach den Karnevalsfeiern schnellen die Corona-Neuinfektionen in Köln nach oben - das bekommt auch die Kölner Uniklinik zu spüren. "Der massive Anstieg von Infektionen hat sich leider fortgesetzt", sagte der Vorstandsvorsitzende des Uniklinikums Köln, Edgar Schömig, am Dienstag der dpa. Aktuell seien 748 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert oder befänden sich in Quarantäne. Das seien nochmals 59 Beschäftigte mehr als am Vortag.

In den Tagen und Wochen vor Karneval waren den Angaben zufolge täglich etwa 350 bis 450 Beschäftigte mit dem Coronavirus infiziert oder befanden sich in Quarantäne. Die Zahlen bestätigte das Uniklinikum dem WDR, nachdem zunächst der "Kölner Stadt-Anzeiger" darüber berichtet hatte. Die Folgen für die Patienten sind schwerwiegend, wie Schömig verriet: "Wir müssen dieser Situation gegenwärtig mit Verschiebungen von planbaren Behandlungen begegnen." In welchen Bereichen dies geschehe, darüber werde tagesaktuell entschieden.

Kölner Inzidenz doppelt so hoch wie im Landesschnitt

In Köln galt für den Straßenkarneval im gesamten Stadtgebiet die 2G-plus-Regel. Genesene oder zweifach Geimpfte brauchten einen aktuellen negativen Test oder eine dritte Impfung. In Kneipen mussten auch Geboosterte einen Test haben, Masken waren nicht vorgeschrieben.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in der größten Stadt Nordrhein-Westfalens erreichte am Montag nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) den Wert von 2.332,7. Damit liegt die Zahl der neuen Corona-Infektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner in der Stadt mehr als doppelt so hoch wie im NRW-Landesdurchschnitt.

Die stark gestiegenen Zahlen in Köln lassen nach Einschätzung des NRW-Gesundheitsministeriums einen Zusammenhang mit dem Karneval vermuten. Sicher belegbar sei das jedoch nicht. Dafür spricht jedoch, dass der Anstieg bei den 20- bis 29-Jährigen "besonders ausgeprägt" sei, wie die Stadt in einer Stellungnahme feststellte. In Köln liegt die Inzidenz in dieser Altersklasse aktuell bei 5.024,3.

Stadt Köln sieht Lage nicht als dramatisch an

Nach Angaben der Stadt Köln ist die Auslastung der Intensivbetten in den Kliniken noch moderat - und weil man sich daran und nicht an Inzidenzwerten orientiert, werde die Lage derzeit nicht als dramatisch eingestuft. So sieht es auch Professor Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Bonn: Zwar steige auch die Zahl infizierter Mitarbeiter, bei den Patienten seien die Zahlen aber noch ins den Griff zu bekommen. Am Universitätsklinikum Bonn befänden sich zurzeit etwa 90 Patienten in Behandlung, auf der Intensivstation seien es 10.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck warnte vor vorschnellen Rückschlüssen aus den Zahlen. "Korrelation bedeutet nicht automatisch Kausalität", sagte er. In den Niederlanden sehe man einen ähnlichen Anstieg des Infektionsgeschehens. Köln habe zudem schon sehr früh einen hohen Anteil der als noch leichter übertragbar geltenden Omikron-Subvariante BA.2 aufgewiesen.

Für den Vorsitzenden des Hausärzteverbandes Nordrhein, Oliver Funken, kommt das Steigen der Infektionszahlen dagegen "mit Ansage": Früher sei nach Karneval ein Anstieg der Grippewelle zu beobachten gewesen. In diesem Jahr sei wieder ein vermutlicher Karnevalseffekt in den Arztpraxen zu beobachten - durch Corona.

Über dieses Thema berichten wir am 7.3.2022 auch im WDR Fernsehen: WDR aktuell 21:45 Uhr.