Missstände an der Uniklinik Düsseldorf

Rettungswagen vor der Uniklinik Düsseldorf

Missstände an der Uniklinik Düsseldorf

Von Miltiadis Oulios

  • Multiresistente Keime auf der Intensivstation
  • 22 Infektionen in Düsseldorfer Uni-Klinik
  • Personalmangel und Hygiene das Problem

Gehetzte Krankenpfleger, allein gelassene Patienten: Eine Krankenpflegerin, die nicht erkannt werden möchte, berichtet dem WDR, wie massiv sich der "Pflegenotstand" an der Uniklinik Düsseldorf auswirkt - und wie massiv die Missstände sind.

Intensivstation, Bett medizinische Geräte

Intensivstation der Uniklinik Düsseldorf

"Wenn wir voll sind und dann noch eine Aufnahme kommen soll, muss ein Patient verlegt werden. Egal in welchem Zustand. Dann wird geschaut, wer ist der fitteste Patient von allen. Und dann wird der Patient, obwohl er eigentlich noch überwachungspflichtig ist, teilweise auf die Normalstation verlegt. Das hat schon oft dazu geführt, dass Patienten dann in Folge der wesentlich schlechteren Betreuung auf der Normalstation gestorben sind."

Die Krankenpflegerin berichtet, dass Patienten auf der Normalstation nicht adäquat überwacht werden könnten. Eine Pflegekraft sei schließlich für 30 bis 40 Patienten pro Station gleichzeitig zuständig. Auch die Hygiene könne nicht immer eingehalten werden. "Wir hatten letztens einen Ausbruch von einem multiresistenten Keim, wo dann eine ganze Intensivstation gesperrt war, wo dann alle Patienten diesen Keim hatten. Das war kein Zufall, das ist aufgrund von Hygienefehlern passiert."

Elf Todesfälle eingeräumt

Petrischale mit multiresistenten Keimen

Patienten haben sich mit Keimen angesteckt

Nach WDR-Informationen sind im vergangenen Herbst zwei Patienten in die Klinik geliefert worden, die einen gefährlichen Erreger in sich trugen. Ein Erreger, der gegen vier Antibiotika-Gruppen resistent ist. In den folgenden Monaten steckten sich weitere Patienten mit diesem multiresistenten Keim an.

Die Klinikleitung räumte gegenüber dem WDR in einer schriftlichen Stellungnahme ein, dass 22 schwerstkranke Patienten angesteckt hätten. "Elf Patienten, bei denen der Keim festgestellt wurde, sind verstorben, davon acht mit einer nachgewiesenen Infektion. Welchen Einfluss die Infektion auf den einzelnen Krankheitsverlauf bei den extrem schweren Grunderkrankungen hatte, ist nicht eindeutig feststellbar."

Patienten werden zu früh verlegt

Ein Mann desinfiziert seine Hände an einem Spender im Krankenhaus

Klinikleitung weist Mängel bei Hygiene zurück

Die Vorwürfe, Patienten würden aus Kostengründen zu früh aus der Intensivstation entlassen, weist der Vorstand der Klinik zurück. Ebenso, dass Hygienevorschriften nicht eingehalten werden, weil Pflegekräfte überlastet seien. Die Klinik überprüfe die Einhaltung der Vorschriften.

Doch Patienten erleben das häufig anders - wie die 76-jährige Monika. Sie litt an Bauchspeicheldrüsenkrebs und wurde operiert. Danach lag sie zwei Monate lang in der Uniklinik. Ihre Wunde hatte sich entzündet. Die Düsseldorferin glaubt: Ihre Operationswunde hätte sich nicht entzündet, wenn im Krankenhaus besser auf Desinfektion geachtet würde.

Missstände an der Uniklinik Düsseldorf

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 30.05.2018 | 21:30 Min.

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Stand: 30.05.2018, 12:00