Nach Tod im Hambacher Forst: Räumung vorerst gestoppt

Nach Tod im Hambacher Forst: Räumung vorerst gestoppt

  • Landesregierung setzt Räumung des Hambacher Forstes aus
  • Journalist war von Hängebrücke abgestürzt
  • Mann starb bei Einlieferung ins Krankenhaus

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat am Mittwochabend (19.09.2018) die Räumung des Hambacher Forstes "bis auf weiteres ausgesetzt", wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte: "Wir können jetzt nicht einfach so weitermachen."

Am Nachmittag war ein Journalist aus etwa 15 Metern von einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gestürzt. Laut Polizei wurde er schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht, wo er bei der Einlieferung starb. Der Unfall habe sich in der Waldbesetzer-Siedlung "Beechtown" ereignet.

Reaktionen auf den tödlichen Unfall

RWE teilte am Mittwoch (19.09.2018) mit: "Wir sind zutiefst erschüttert und bedauern den tragischen Unfall im Hambacher Forst sehr. Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen des Verstorbenen."

Die NRW-Landtagsfraktion der Grünen hat am Mittwochabend auf den tödlichen Unfall im Hambacher Forst reagiert. Die Fraktion teilte mit, am Donnerstag (20.09.2018) auf eine Debatte zu einem Rodungsmoratorium im Hambacher Wald zu verzichten. Einen entsprechenden Antrag zieht die Fraktion zurück: "Wir unterstützen die Entscheidung des Innenministers ausdrücklich, vorläufig auf weitere Räumungen zu verzichten." Es sei "nicht der Tag des politischen Schlagabtausches sondern zum Innehalten".

Das Aktionsbündnis "Hambi bleibt" hatte nach dem Unglück den sofortigen Stopp der Räumung gefordert. "Wir fordern die Polizei und RWE auf, den Wald sofort zu verlassen und diesen gefährlichen Einsatz zu stoppen. Es dürfen keine weiteren Menschenleben gefährdet werden", schrieb die Initiative in ihrem Blog.

Kriminalpolizei ermittelt

Baumhaus und Brücke mit fehlenden Latten

Die Hängebrücke, von der der Mann abstürzte

Der Aachener Polizeisprecher Paul Kemen sprach von einem "tragischen Unglücksfall". Bei dem Toten handele sich um einen jungen Journalisten, der das Leben der Aktivisten in den Baumhäusern dokumentiert habe. Der Unfallbereich bleibt vorerst gesperrt.

Die Kriminalpolizei ermittelt nun, warum der Mann abgestürzt ist. Der tödliche Unfall habe sich nicht während polizeilicher Maßnahmen ereignet, sagte ein Polizeisprecher. Zuvor hatten Beamte mit der Räumung der Baumhaus-Siedlungen "Cozytown" und "Beechtown" begonnen und dabei zwei Sitzblockaden aufgelöst.

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Seit Donnerstag (13.09.2018) wurde der Wald zwischen Köln und Aachen mit einem Großaufgebot der Polizei geräumt. Dagegen gibt es Widerstand von Klima- und Umweltschützern. Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Hambacher Forstes abholzen, um weiter Braunkohle abbauen zu können.

Nach dem Tod eines Journalisten: Räumung im Hambacher Forst ausgesetzt

WDR 2 | 20.09.2018 | 02:48 Min.

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Stand: 19.09.2018, 20:09