Nach Blockaden am Braunkohlekraftwerk Neurath: Umweltaktivisten in Gewahrsam

Grevenbroich: Polizisten versuchen einen Aktivisten von einem Gleis am Kraftwerk Neurath zu holen.

Nach Blockaden am Braunkohlekraftwerk Neurath: Umweltaktivisten in Gewahrsam

Nachdem sich in Grevenbroich Aktivisten an die Schienen vor dem Braunkohlekraftwerk Neurath gekettet hatten, sitzen nun 26 Demonstranten in Polizeigewahrsam.

Bisherige Bilanz nach der Gleisbesetzung im Braunkohlerevier: Stundenlanger Einsatz der Polizei, gestoppte Züge und 26 Menschen in Polizeigewahrsam.

Rund 50 Klima-Aktivisten hatten am Freitag die Kohlezufuhr zum Braunkohlekraftwerk Neurath in Grevenbroich im Rhein-Kreis Neuss blockiert. Mehrere Aktivisten ketteten sich an den Gleisen fest, wie die Polizei mitteilte. Sie sollen sich unter anderem an Betonfässern und Zementblöcken unter den Schienen fixiert haben.

Grevenbroich: Polizeibeamte stehen bei Klimaaktivisten, die Gleise am Kraftwerk Neurath blockieren.

Angekettet: Aktivisten auf den Gleisen

Laut Polizei sei die Lage aber friedlich geblieben. Am Nachmittag ketteten sich erneut mehrere Personen an zwei anderen Gleisabschnitten fest, wie eine Sprecherin der Aktion "Block Neurath" erklärte. Am Abend meldete ein Polizeisprecher, dass noch an einer dritten Stelle sieben Personen das Gleis blockierten. Später kamen vier weitere Aktivisten an einer vierten Stelle hinzu. Der Polizeieinsatz dauerte bis zum Abend an - dann konnte die Polizei die Blockade beenden.

Fingerabdrücke nicht möglich

Wie ein Polizeisprecher am Samstag gegenüber dem WDR mitteilte, befinden sich derzeit noch 26 Personen in Polizeigewahrsam - elf von Ihnen wahrscheinlich längerfristig. Nach Polizeiangaben sollen sie nun dem Richter vorgeführt werden. Dabei handele es sich um Demonstranten, die sich an die Gleise gekettet und auch ihre Fingerkuppen so manipuliert hatten, dass bislang noch keine Abdrücke möglich waren.

Kohlezüge gestoppt

Durch die Blockade war der Verkehr der Kohlezüge zum Kraftwerk in Grevenbroich gestoppt worden, das bestätigte ein Konzernsprecher. Der Betrieb im Kraftwerk musste aufgrund der Blockade nicht eingestellt werden. Es sei laut RWE noch ausreichend Kohle vorrätig gewesen.

Auf Anfrage des WDR erklärte RWE, Strafanzeige erstattet zu haben.

Protest anlässlich der Weltklimakonferenz

Grevenbroich: Aktivisten zeigen ein Banner, auf dem steht: 'Warum verlieren 2021 noch Menschen ihr Zuhause für Braunkohle?'.

Weltklimakonferenz als Anlass

Anlass für die Blockade sei die Weltklimakonferenz in Glasgow gewesen. "RWE möchte noch bis mindestens 2038 Kohle weiter verfeuern. Das ist angesichts der Klimakrise ein absolutes No-Go. Es braucht einen sofortigen Kohleausstieg", sagte eine Aktivistin.

Das Kraftwerk Neurath ist gemessen an der Leistungskraft das größte Braunkohlekraftwerk in Deutschland und das zweitgrößte Europas. Die Polizei wird auch weiterhin vor Ort Präsenz zeigen.

Stand: 06.11.2021, 10:34