Beirat empfiehlt Umbenennung von zwölf Düsseldorfer Straßen

Wilhelm Schmidtbonn

Beirat empfiehlt Umbenennung von zwölf Düsseldorfer Straßen

  • Wissenschaftlicher Beirat stellt Empfehlungen vor
  • Zwölf Straßennamen könnten geändert werden
  • Porschestraße betroffen

Ein wissenschaftlicher Beirat aus Historikern empfiehlt, zwölf Düsseldorfer Straßennamen mit historisch belasteten Personen umzubenennen. Am Donnerstag (23.01.2020) haben die Experten die Ergebnisse ihrer fast zweijährigen Überprüfung vorgestellt. Der Kulturausschuss hatte das Stadtarchiv und die Mahn- und Gedenkstätte federführend damit beauftragt.

Zur Umbenennung empfohlen wird unter anderem die Porschestraße, benannt nach Autobauer Ferdinand Porsche. Er habe in der NS-Zeit KZ-Häftlinge für Zwangsarbeit ausgebeutet, das Hitler-Regime hofiert und nach dem Krieg keine selbstkritische Reflexion gezeigt, so die Experten. Künstler Joseph Beuys wird jedoch als unbedenklich eingestuft, auch wenn er nach dem Krieg extremistischen Organisationen nahe gestanden haben soll. Das Joseph-Beuys-Ufer am Rhein steht damit nicht zur Debatte.

Änderungen von Straßennamen in Düsseldorf?

00:46 Min. Verfügbar bis 23.01.2021

Gesamtlebensleistung als zentrales Kriterium

Joseph Beuys, 1985

Joseph Heinrich Beuys war ein deutscher Aktionskünstler, Bildhauer, Medailleur, Zeichner, Kunsttheoretiker und Professor an der Kunstakademie Düsseldorf.

Der wissenschaftliche Beirat hatte insgesamt 99 Persönlichkeiten intensiver überprüft, die Berührungspunkte mit dem Kolonialismus oder dem Nationalsozialismus hatten. "Ausschlaggebend war für uns die Gesamtlebensleistung einer Person und auch ihre Reflexion nach 1945", erklärt Benedikt Mauer, Leiter des Stadtarchivs. Daher sei der Künstler Beuys aufgrund seiner künstlerischen Lebensleistung auch nur sehr kurz diskutiert worden, auch wenn er als Soldat im Zweiten Weltkrieg grundsätzlich ins Prüfungsraster gefallen war.

Der Beirat hat seine Ergebnisse in mehrere Kategorien unterteilt. Neben insgesamt zwölf Empfehlungen zur Umbenennung wurden 24 weitere Straßennamen als "diskussionswürdig" eingestuft, unter anderem der Richard-Wagner-Platz, die Gurlittstraße und die Erwin-Rommel-Straße.

Empfehlung zur Umbenennung von zwölf Straßen und die Gründe dafür

Ein wissenschaftlicher Beirat aus Historikern empfiehlt aus den unten genannten Gründen, zwölf Düsseldorfer Straßennamen umzubenennen, die an historisch belastete Personen erinnern.

Hermann von Wissmann

Hermann von Wissmann (1853-1905) war Offizier, Kolonialbeamter und Afrikaforscher. Als Reichskommissar und Gouverneur von Deutsch-Ostafrika soll er Verbrechen gegen die afrikanische Bevölkerung verübt haben. Aufgrund dieser aggressiven Aktivität in der Kolonialzeit wird über eine mögliche Straßenumbenennung beraten.

Hermann von Wissmann (1853-1905) war Offizier, Kolonialbeamter und Afrikaforscher. Als Reichskommissar und Gouverneur von Deutsch-Ostafrika soll er Verbrechen gegen die afrikanische Bevölkerung verübt haben. Aufgrund dieser aggressiven Aktivität in der Kolonialzeit wird über eine mögliche Straßenumbenennung beraten.

Hans-Christoph Seebohm (1903-1967) war deutscher Politiker und in der Nazi-Zeit ein hoher NS-Funktionär. In dieser Zeit hat seine Familie im Sudetenland jüdischen Besitz "arisiert". Trotzdem war er von 1949 bis 1966 Bundesminister für Verkehr und 1966 Vizekanzler der BRD. Wegen seiner Nähe zum Rechtsextremismus empfiehlt der Beirat eine Änderung des Straßennamens. Er knüpfte trotz seiner Mitgliedschaft in der CDU rechtsextreme Netzwerke.

Alfred Graf von Schlieffen (1833-1913) war preußischer Generalfeldmarschall und zählte zu den großen Militärstrategen der Kaiserzeit. Deshalb wurde eine Düsseldorfer Straße nach ihm benannt. Sein aggressiver Militarismus und Kolonialismus sind Gründe für eine mögliche Umbenennung der Straße.

Nach dem deutschen Politiker Theodor Leutwein (1849-1921) wurde eine Düsseldorfer Straße im Jahr 1936 benannt. Leutwein war Offizier und Kommandeur der kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika.

Adolph Woermann (1847-1911) war Kaufmann und Großreeder. Er zählt zu den Schlüsselfiguren der deutschen Kolonialwirtschaft.

Franz Adolf Eduard von Lüderitz (1834-1886) war ein deutscher Kaufmann. Er zählt zu den frühen Wegbegleitern des deutschen Kolonialismus. Wegen seines aggressiven Vorantreibens des Kolonialismus empfiehlt der Düsseldorfer Beirat eine Umbenennung.

Börries Freiherr von Münchhausen (1874-1945) war deutscher Lyriker und Senator der Deutschen Akademie der Dichtung. Weil Münchhausen Antisemit war und das NS-Regime unterstützte, empfiehlt der Beirat die Umbenennung der Straße.

Ferdinand Porsche (1875-1951) war Automobilkonstrukteur und Unternehmer. Er war ein Pionier der deutschen Automobilbranche. In seinem Automobilwerk wurden tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge zur Arbeit gezwungen. Seine exponierte Stellung im Dritten Reich und die Unterstützung des NS-Regimes sieht der Beirat der Stadt Düsseldorf als Grund, diesen Straßennamen zu ändern.

Dr. Carl Peters (1856-1918) war deutscher Kolonialpolitiker und Reichskommissar für Ostafrika. Er hatte den Beinamen "Hänge-Peters", weil er zahlreiche Afrikaner umbringen ließ. Er gilt als eine der umstrittensten Personen der deutschen Kolonialbewegung.

Hans Erich Pfitzner (1869-1949) war ein Komponist, Dirigent und Autor. Ab 1936 war er Senator der NS-Reichskulturkammer. Pfitzner war in der Musikgeschichte einer der bedeutendsten Vertreter der Spätromantik. Sein Antisemitismus und seine Stellung im Dritten Reich sind die Gründe für eine Empfehlung des Beirats.

Heinz Ingenstau (1910-1971) war in zahlreichen NS-Organisationen führend aktiv und ab 1937 auch Mitglied der NSDAP. Trotzdem konnte er nach dem zweiten Weltkrieg in Düsseldorf Landgerichtsdirektor und Stadtdirektor werden.

Wilhelm Schmidtbonn (1876-1952) gehörte während der Nazi-Diktatur zu den erfolgreichsten Schriftstellern Deutschlands. Sein Antisemitismus und seine Unterstützung des NS-Regimes stellen die Benennung einer Straße nach ihm in Frage.

Rat entscheidet über Umbenennungen

Die Ergebnisse des Beirats wurden am Donnerstag dem Kulturausschuss vorgestellt. Im nächsten Schritt werden diese nun fraktionsintern beraten. Die Politik muss beraten und entscheiden, ob und inwieweit sie den Empfehlungen der Experten folgt, bindend sind sie nicht. Entscheidungen sollen in einer der nächsten Ausschusssitzungen folgen.

Nur der Düsseldorfer Rat kann letztendlich über tatsächliche Umbenennungen entscheiden. Vertreter aller Ratsfraktionen waren als Diskutanten zu den Beiratssitzungen eingeladen, hatten jedoch kein Stimmrecht bei der abschließenden Bewertung der Experten.

Stand: 23.01.2020, 15:30