Nonnen aus der Ukraine unterstützen die Notfallseelsorge

Lokalzeit2go - Bonn 10.05.2022 03:18 Min. Verfügbar bis 10.05.2023 WDR Bonn

Nonnen aus der Ukraine unterstützen die Notfallseelsorge Bonn/Rhein-Sieg

Stand: 10.05.2022, 12:08 Uhr

Sie haben ihre Heimat verlassen und sind nach Bonn gekommen, um geflüchteten Landsleuten zu helfen: Schwester Maria und Schwester Sophia. Die beiden ukrainischen Nonnen verstärken seit kurzem das Team der Notfallseelsorge Bonn/Rhein-Sieg.

Von Christoph Alexander Hensgen

Mehrere Tausend Ukrainer sind mittlerweile in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis angekommen, haben sich hier registriert. Die allermeisten von ihnen haben schreckliche Dinge erlebt und brauchen dringend die Hilfe der beiden Schwestern.

Schwester Maria und Schwester Sophia sind vor sechs Wochen von Lwiw (früher Lemberg) nach Bonn gekommen. Hier leben und arbeiten sie seitdem seelsorgerisch im Redemptoristen-Kloster an der Kölnstraße. Einfach ist ihnen die Entscheidung nicht gefallen. „Als der Krieg begonnen hat, habe ich wirklich jeden Tag Gott gefragt: Wo kann ich jetzt besser dienen?“, erzählt Schwester Maria.

Hilfe im Umgang mit schlimmen Erlebnissen

Die 45-Jährige spricht fünf Sprachen – darunter Deutsch. Sie hat in Rom studiert und ist Psychotherapeutin. Sie hört ihren geflüchteten Landsleuten zu, die alle Schreckliches im Krieg in ihrer Heimat erlebt haben. Auch vielen Kindern, die geliebte Menschen verloren haben, hören sie zu und spenden Trost.

„So wie die beiden Mädchen und deren Oma, die wir im Krankenhaus besucht haben. Die Kinder haben ihre Eltern verloren. Wir begleiten diese Menschen dann. Reden viel mit ihnen, hören viel zu. Damit diese schlimme Erfahrung nicht zum Trauma wird“, sagt Schwester Maria.

Als Muttersprachler besserer Zugang zu Geflüchteten

Krisenhilfe von Muttersprachlern sei für die Geflüchteten besonders wichtig, sagt Pater Jürgen Langer, katholischer Koordinator der Notfallseelsorge. „Denn der Einsatz von Dolmetschern ist schwierig. Oft sind die von den Schilderungen so belastet, dass sie beim Übersetzen die entscheidenden Passagen abmildern und schonend übersetzen.“

Auch im Kloster leben einige Geflüchtete, vor allem Frauen und Kinder. Ihnen macht die Ungewissheit zu schaffen, erzählt Schwester Maria. „Die Männer und Söhne der Frauen kämpfen in der Ukraine. Und die Frauen machen sich natürlich große Sorgen. Sie wissen nicht, ob es noch einmal ein Wiedersehen geben wird.“

Oft gehe es auch um Spirituelles, schildern die Nonnen: „Eine Frau erzählte uns, dass ihre Tochter zwar begraben sei, dass aber kein Priester für sie gebetet hätte und dass auch kein Kreuz auf dem Grab stehen würde. Deshalb wisse sie nicht, wo die Seele ihrer Tochter sei.“

Notfallseelsorge: Es wird mehr Arbeit für die Schwestern geben

Es gibt viel Arbeit für die beiden ukrainischen Nonnen. Die Verantwortlichen der Notfallseelsorge Bonn/Rhein-Sieg haben die traurige Gewissheit, dass viel mehr Menschen kommen werden, je länger der Krieg dauert. „Wir rechnen damit, dass wir demnächst mehr Todesnachrichten überbringen müssen. Dass in den nächsten Wochen Angehörige von Geflüchteten gefunden und identifiziert werden, die bei Bombenangriffen ums Leben gekommen oder an der Front gefallen sind“, sagt Pfarrer Albrecht Roebke. Er ist der evangelische Koordinator der Notfallseelsorge.

Das wird auch für die beiden Schwestern sehr belastend werden. Damit auch sie von den schlimmen Schilderungen und der psychischen Last nicht erdrückt werden, gibt es für sie schon jetzt einmal pro Woche Supervision.

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