Nach antisemitischem Angriff: Polizist in Bonn versetzt

Nach antisemitischem Angriff: Polizist in Bonn versetzt

  • Bonner Polizist in andere Dienststelle versetzt
  • Hochschulprofessor erhebt Vorwürfe gegen Polizei
  • Opfer des antisemitischen Übergriffs meldet sich in Brief zu Wort

Nach dem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Professor aus Baltimore (USA) im Bonner Hofgarten hat die Bonner Polizei einen Beamten in eine andere Dienststelle versetzt. Der Polizist hatte den Professor ins Gesicht geschlagen, als er ihn versehentlich für den Täter hielt und festnahm. Die Kölner Kriminalpolizei ermittelt in Zusammenarbeit mit der Bonner Staatsanwaltschaft gegen den Polizeibeamten wegen Körperverletzung im Amt. Im Zuge der Ermittlungen soll auch geklärt werden, ob andere Polizisten an der gewaltsamen Festnahme beteiligt waren und in wie weit sich der jüdische Professor gegen die Beamten gewehrt hat.

Professor erhebt schwere Vorwürfe

Der Professor der Johns Hopkins Universität aus den USA hat schwere Vorwürfe gegen die Bonner Polizei erhoben: Die Beamten hätten ihn, das Opfer des Angriffs, nicht nur mit dem Angreifer verwechselt - sie hätten danach auch versucht, ihn von einer Beschwerde über das Verhalten der Polizei abzuhalten.

Polizisten verwechselten Täter und Opfer

Der Professor war von einem 20-jährigen Deutschen mit palästinensischen Wurzeln angegriffen und antisemitisch beleidigt worden. Nach dem Eintreffen der Polizei hatten die Beamten den Professor für den Täter gehalten, ihn fixiert und geschlagen.

Polizei: Professor hat Anweisungen keine Folge geleistet

Die Polizei berichtete offensiv über den für sie peinlichen Vorfall. Der Mann habe den Anweisungen der Beamten nicht Folge geleistet, deshalb der Übergriff. Keine Entschuldigung sei das, sondern eine Erklärung, heißt es aus Polizeikreisen.

Eine glatte Lüge sei das, sagt der Professor. Er habe gar keinen Widerstand leisten können, weil fünf Beamte auf ihm gesessen hätten, schreibt er in einer E-Mail an den WDR. Nach der Aufklärung hätten sich die Beamten entschuldigt.

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Zudem sei es zu folgendem Dialog gekommen: Einer der Beamten habe gesagt: "Don’t get in trouble with the German police!" Daraufhin habe er gesagt, er habe keine Angst vor der Deutschen Polizei. Die Deutsche Polizei hätte seinen Großvater, seine Großmutter, seinen Onkel und seine Tante umgebracht. Alle an einem Tag im Jahr 1942. Auf dem Polizeirevier soll das Drama dann weitergegangen sein, schreibt der Professor.

Die Beamten hätten lange versucht, ihn davon abzubringen, den Vorfall zur Anzeige zu bringen. Sonst, so behauptet es der Professor, hätten die Polizisten ihm gesagt, seien sie gezwungen, es so darzustellen, dass er Widerstand geleistet habe.

Bonner Polizei entschuldigt sich

Es ist unstrittig, sagt auch die Bonner Polizei: Ein Beamter hat den jüdischen Professor ins Gesicht geschlagen, als er ihn versehentlich für den Täter hielt und festnahm.

Die Ermittlungen führt aus Neutralitätsgründen die Polizei Köln. Auf Anfrage des WDR erklärte der Polizei-Pressesprecher Robert Scholten jedoch: "Wir bedauern zutiefst, dass dem betroffenen Gastprofessor hier in dieser Situation polizeiliche Gewalt widerfahren ist. Wir tragen natürlich die Verantwortung hierfür, für dieses schreckliche Missverständnis", Man werde "alles Mögliche tun, damit es nicht nochmal zu solch einem Vorfall kommt."

Stand: 16.07.2018, 13:53

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